Geschichte ausgraben


Die Baustelle des arthotel Blaue Gans ist auch archäologische Grabungsstätte


Ulrike Hampel hat ihre Lieblingsmütze auf, es ist kalt im Keller. „Freilandgrabungen sind momentan nicht möglich, bei 50 cm durchgefrorenem Boden. Herrinnen friert’s aber Gott sei Dank nicht, da bleibt’s, wie’s is“. Und das ist der Grabungsleiterin und ihrem Frauenteam wichtig, denn der Boden ist das Buch, in dem sie die Geschichte eines Ortes ausfindig machen kann.

„Das erste, was mir machen, ist ein Vermessungssystem hereinlegen, damit ich dann während der Arbeiten sofort mit meinem Theodoliten ausmessen kann, wenn die Funde kommen. Dann fangen wir mit dem Baggern an, am besten immer von oben nach unten, in Lagen“. Ein natürlich gewachsener Boden hat einen linearen Aufbau, die älteste Schicht ist unten, die jüngste oben. Jede Veränderung, wie zum Beispiel Gruben, hinterlässt eine Spur, die von der Archäologin gelesen und interpretiert werden kann. Farb- und Schichtveränderungen einerseits und das aus dem Erdreich geborgene und gereinigte Fundmaterial andererseits werden genau festgehalten.

„Es wird alles verbal beschrieben, jede Schicht in der Stratigrafie, jede Verfärbung bekommt eine eigene Nummer, dieser Nummer werden dann auch die Funde aus der Schicht zugeordnet. Zusätzlich wird das fotografisch und tachymetrisch dokumentiert, also, ich mach Fotos, und, wo man die Verläufe sieht, mache ich auch Handzeichnungen im Maßstab 1:20“ beschreibt Ulrike Hampel die Abläufe ihrer Tätigkeit.

Zuerst muss jedoch diese Denkmalschutzgrabung, die früher Not- oder Rettungsgrabungen hießen, abgeschlossen werden, bevor sich Ulrike Hampel an den Computer setzen und alles eingeben kann. Vier Meter fehlen noch im Durchhaus Richtung Karajan-Platz, nach sieben Wochen Grabung wird es aber demnächst soweit sein. Der Archäologische Dienst, der im Auftrag des Denkmalamtes den Umbau im arthotel Blaue Gans begleitet, betreut jede Menge Baustellen.

„Dadurch, dass die Stadt auf der römischen Stadt steht und dann wahrscheinlich durchgehend auch im Vormittelalter und seit dem Frühmittelalter immer auf der gleichen Stelle war, ist in der Stadt Salzburg schon wahnsinnig viel los“. Das Spektrum der Funde reicht demnach durch alle Epochen. Scherben aus der römischen Zeit und dem Mittelalter, Münzen, eine Fibel, einiges aus dem 15. und 16. Jahrhundert, Kacheln aus dem 19. Jahrhundert.

„Ganz nette Sachen“, findet Ulrike Hampel, und freut sich, wenn sie wieder schaufeln kann.

Text: KB / Bild: © Karin Buchauer markenredaktion blaue gans salzburg

Verpackungskunst


Während die Bagger womöglich römische Schätze in den Fundamenten des Hauses freilegen, wird die Kunst des arthotels Blaue Gans kunstgerecht verpackt.

Die Schweine aus der „Cerdada“ (spanisch für Schweinestall) von Hauenschild Ritter sind einem Saustall aus Schutt und Erde gewichen. Die Künstler sind persönlich angereist, um ihre Kohlestiftzeichnung von der Wand der Caverne zu nehmen und in einer großen Rolle verpackt für die Zeit der Baustelle bei sich zu lagern. Die anderen Bilder aus den öffentlichen Bereichen des Hotels und den für den Umbau bestimmten Zimmern haben Iris, Manuela und Didi sorgfältig in Sicherheit gebracht. Dazu wurden einen Tag lang über 150 Meter Luftpolsterfolie zugeschnitten, gewickelt und gefaltet, jedes Paket mit Angaben zum ursprünglichen Standort versehen und alle Schätze feierlich in die Festspielsuite gebracht. Künstler unter sich, sozusagen.

Die Inventarliste führt 77 Werke auf. Mit den neuen Zimmern soll ebenso neue Kunst ins Haus einziehen. Galerist Patrick Ebensperger und Hausherr Andreas Gfrerer werden sich also auch in der Kunst der Hängung betätigen. Dabei wird es nicht darum gehen, durch die schiere Menge der versammelten Kunstwerke zu beeindrucken, sondern einzelne Bilder und Objekte und die Künstler zu präsentieren. Wer mehr Informationen dazu haben oder sich überhaupt ein Bild der Sammlung machen möchte, kann dann in der Art App Standort, Information und Künstlerbiografie zu jedem Werk einholen. Einstweilen sind sie alle irgendwie mumifiziert, in Zeit und Raum aufgehoben. Im Frühling wird sich auch die Kunst aus ihrer Verpackung schälen und zu neuem Leben erwachen.

Text: KB / Bild: © Karin Buchauer markenredaktion blaue gans salzburg
 

Schräger Vogel

@ Karin Buchauer, Umbauimpression 2012

Im Herzen der Altstadt Salzburgs ragt er über die Dächer.
Die senkrechte Säule und der lange, gelbe Ausleger erinnern an Hals und Schnabel eines stehenden Kranichs. Deshalb benannten schon die Griechen die Konstruktion nach dem Vogel, dessen lateinische Bezeichnung Gurus das französische Wort Grue ergab für… Kran. Wo er steht, ist Baustelle und ohne ihn geht nichts weiter. Im antiken Griechenland löste die erstmals bei Aristoteles schriftlich belegte Hebevorrichtung die Rampe als Haupthilfsmittel für den vertikalen Transport ab und eröffnete den Baumeistern der Zeit die zusätzliche vertikale Dimension. Von den Römern übernommen sank der Kran mit dem Fall des Reiches und erlebte erst mit dem Kathedralenbau in der Gotik eine neue Blütezeit. Die sogenannte flurfreie Überwindung des Raumes durch mehr als zwei Bewegungsrichtungen (auf/ab – links/rechts) gelang erst 1949, als Hans Liebherr mit dem ersten mobilen Turmdrehkran der Welt den dreidimensionalen Raum zur Verladung von Lasten erschloss. Bei geringem Platzbedarf im Bereich des Standortes konnten von nun an großen Turmhöhen für das Aufnehmen und Absetzen von Material erreicht werden. Der Kranführer hatte in der Kabine, hoch oben am Drehwerk, Überblick über die Baustelle. Wie der namensgebende Vogel, Symbol für Wachsamkeit und Vorsicht in der griechischen Mythologie.

Herr Petrovic hat auch den Durchblick, nach Jahrzehnten konzentrierter Arbeit am Bau inzwischen durch eine aus gegebenem Anlass etwas staubige Brille. Das Verladen von Bauschutt aus den Fenstern des arthotel Blaue Gans dirigiert er wie seine mittelalterlichen Meister von unten, allerdings mit Fernsteuerung und Funkgerät ausgerüstet. Später werden es Betonkübel sein, die hier durch die Lüfte fliegen. Je nachdem, an welcher Stelle des Auslegers die Last hängt, können bis zu 4000 Kilo, also knapp zwei Kubikmeter Beton, verladen werden. Kilonewton (kN) ist die übliche Maßeinheit für Kräfte im Bauwesen, 1 kN entspricht etwa der Gewichtskraft von 100 kg. Außerdem wird damit die Schubkraft von Raketentriebwerken angegeben. Auch die Vertigo-Rakete vom österreichischen Künstler David Moises, die seit ihrem Start im Gastgarten der Blauen Gans anlässlich der Festspieleröffnung 2008 nur bis zum Innenhof in den ersten Stock gekommen war, erlebte dieser Tage einen regelrechten Höhenflug. Auf die Dachterrasse. Im wachsamen Visier des Kranführers. Schräge Vögel schreckt nichts.

Wo die weitere Kunst des Hauses gelandet ist, wird im nächsten Beitrag verraten.

Text: KB / Bild: © Karin Buchauer / pixelio.de markenredaktion blaue gans salzburg

Das Jahr des veränderten Denkens

© Gerd Altmann/Carlsberg1988 / pixelio.de

Mit der Sonnenwende Ende Dezember beginnt der astronomische Winter und mit ihm das neue Jahr: Die Tage werden wieder länger und die Natur bereitet sich langsam auf ihre Wiedergeburt vor, auch wenn monatelang davon zunächst nichts zu sehen sein wird. Zeit für Neuanfänge. Zeit, den Stand der Dinge zu vermessen, die Ordnung der Welt zu erfassen. Es bedarf keiner apokalyptischen Weissagungen, um Anfang 2012 zu wissen, dass sich einiges ändern wird.

Hausherr Andreas Gfrerer scheut die Veränderungen nicht. Und hat wohl bedacht, was er nun anpackt: Die Blaue Gans wird neu. Was davor schon gut, schön und echt war, ist nun zu haben, denn das arthotel teilt auch die Veränderungen mit den Freunden. In den ersten Tagen des neuen Jahres gibt der Hotelflohmarkt seine Schätze preis: Möbel, Stühle, Fauteuils, Badewannen, Tischkultur, Geschirr, Kunst, Klimaschrank, Granitplatten, Bodendielen und vieles mehr. Eine einmalige Gelegenheit, den individuellen Stil um ein paar moderne Stücke zeitgenössischer Lebenskultur zu ergänzen und sich darauf zu freuen, was als nächstes kommt.

Text: KB / Bild: © Gerd Altmann/Carlsberg1988 / pixelio.de markenredaktion blaue gans salzburg

Frohe Feste

© Pertramer | Weihnachtsshooting 2011

Gut, dass es die Zeit zwischen den Jahren gibt. Bis zur Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. war der Beginn des neuen Jahres in weiten Teilen Europas der 6. Januar. Das Jahresende wurde dagegen traditionell am 24. Dezember begangen, so dass die Zeit bis Beginn des nächsten Jahres „zwischen den Jahren“ lag. Papst Innozenz XII. legte dann 1691 den letzten Tag des Jahres – benannt nach Papst Silvester I. – verbindlich fest. Diese Tage zwischen Weihnachten und Silvester empfinden manche nach wie vor als Vakuum, als Zwischenraum, in welchem man putzt und räumt, Bilanz ziehen und Vorsätze formulieren kann, oder einfach an der Winterluft den einen oder anderen Verdauungsspaziergang macht. Das nächste Fest kommt bestimmt. Ist Weihnachten der Familie vorbehalten, sind zu Silvester die Freunde dran. Vor, während oder nach der letzten Nacht des Jahres.

Auch die Blaue Gans möchte mit ihren Freunden feiern und lädt am Neujahrstag zum Restlessen der besonderen Art. Kein Katerfrühstück sondern ein fröhlicher Abschied aus der Küche, die am 2.1.12 wegen Umbau schließt.

Text: KB / Bild: © Ingo Pertramer /  markenredaktion blaue gans salzburg

All I want for Christmas…


© Joel Waldfogel Buchcover Kunstmann Verlag
Das dritte Advent-Wochenende ist überstanden. Der Handel ist zufrieden, denn obwohl in Österreich die Weihnachtsgeschenke immer später gekauft werden, ist der dritte Samstag vor der Bescherung der handelsübliche Richtwert, wie gut das Jahr gelaufen ist. Immerhin geht es um 1,8 Milliarden Euro, die 2011 als Weihnachtsumsatz erwartet werden, fast 3% mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Rund 446 Euro werden für Geschenke ausgegeben, das meiste davon für Gutscheine, die einen deutlichen Zuwachs verzeichnen. Vermutlich werden diese von den 76% der männlichen Käufer erworben, die in einer aktuellen Umfrage bekennen, in letzter Minute einzukaufen und dabei eher selten nach den teuren Wunschlistengaben wie Schmuck und Multimedia greifen.

All das ist Wasser auf die Mühlen von Joel Waldfogel, einem amerikanischen Ökonomen, der schon 1993 erstmals die These aufwarf, dass Weihnachten wohlstandsmindernd sei: es wird zu viel Geld für Geschenke ausgegeben, die zu wenig Menschen zufrieden machen.

Er plädiert für trockenen Geldtransfer oder, noch besser, gar keine Geschenke. Abgesehenen davon, dass seine Studien in wissenschaftlichen Kreisen vor allem aufgrund methodischer Unzulänglichkeiten kritisiert wurden, lässt Waldfogel jegliche psychosoziale Kriterien außer Betracht, die das Schenken zum Ausdruck von Zuneigung und Aufmerksamkeit machen und die „schönste Zeit des Jahres“ begründen. Bei dieser Art Mengenlehre ist es kein Wunder, dass der Mann keine Packerl mehr bekommt.

... is you!

Für alle anderen und jene, deren Wunschliste sich in obigem Songtitel summiert, gilt, dass ihnen Weihnachten vielleicht teuer, aber vor allem lieb ist.

Text: KB / Bild: © Joel Waldfogel Buchcover Kunstmann Verlag /  markenredaktion blaue gans salzburg

Maybe she’s born with it…

©  Christy Turlington


Christy Turlington Burns ist Model. Und super.

Die gebürtige Kalifornierin mit südamerikanischen Wurzeln tourt derzeit durch Europa, um ihren Dokumentarfilm “No Women, No Cry“ vorzustellen. Unerkannt am Salzburger Christkindlmarkt unterwegs erscheint die 42-Jährige an der Rezeption des arthotel Blaue Gans, am Weg zum Talk im Hangar-7, so, wie sie seit mehr als 20 Jahren von Plakaten, Magazinseiten und Filmen bekannt ist: klassisch schön. Vollkommen. "Die Perfektion von Christys Gesicht ist die Sache eines Millimeters. Wenn man sie ansieht, denkt man, unmöglich, solch perfekte Gesichter gibt es einfach nicht!“ staunt selbst Karl Lagerfeld. Und Peter Lindbergh, der Fotograf, der mit seinen Bildern maßgeblich die Popkultur der Supermodels in den 90er Jahren geprägt hat, stellt fest, dass sie von allen Models diejenige ist, deren Gesicht sich am Wenigsten verändert hat. Ihre Schönheit sei so pur, als ob das Leben keine Spuren darin hinterlassen hätte.

Die Spuren des Lebens liegen bei Christy Turlington tiefer. Als ihr Vater an Lungenkrebs stirbt, hört sie zum Rauchen auf und engagiert sich in entsprechenden Informationskampagnen. Auch die Rechte der Tiere sind ihr ein Anliegen, ihre Hingabe an Yoga erweitert sie geschäftstüchtig um ein Buch, eine Schönheitsproduktlinie und Sportbekleidung. Modeln ist einträchtig. Aber nicht dankbar. Als die junge Mutter bei der Geburt ihres ersten Kindes, Tochter Grace, zu verbluten droht und nur „weil ich reich und im Westen lebte“ überlebte, bekam die Dankbarkeit erst ihre Dimension.

Christy Turlington gründete Every Mother Counts, um auf Müttersterblichkeit in der Welt und die Möglichkeiten, konkret dagegen vorzugehen, aufmerksam zu machen. Zwei Jahre lang arbeitete sie an ihrem Film „No Woman, no cry“ als Produzentin und Regisseurin. Im April 2010 beim Tribeca Film Festival in New York erstmals gezeigt, ist der Film demnächst in Österreich zu sehen.

Das GÄNSEHAUT-Interview mit Christy Turlington Burns lesen Sie hier.

Familienangelegenheiten


Der Cirque Rasposo gastiert beim 11. Winterfest im Zirkuszelt

© Florence Delahaye/Rasposo

„Familie, ich hasse euch!“ stöhnte der französische Schriftsteller André Gide Ende des 19. Jahrhundertes. Der Mann kannte die Molliens und ihren Cirque Rasposo nicht. Das Leben einer Zirkusfamilie ist nicht einfacher als bei anderen, es wird gemeinsam gegessen, getrunken und gefeiert, geliebt und gestritten. Die Gefühle bekommen aber hier, im heimelig mit Teppichen ausgelegten Zirkusrund, atemberaubende Dimensionen, die über mutige Akrobatik hinausgehen.

„Zirkus ist eine universelle Sprache“, sagt Fanny Molliens, die mit ihrem Mann Joseph die Compagnie Rasposo 1987 gegründet hat und „Oma“ der Truppe ist. Die Jüngsten, die Zwillinge Corentin und Loréline, stimmen mit ihren knapp zwei Jahren noch nicht in den „Chant du Dindon“, den „Gesang des Truthahns“, mit ein, aber sie üben schon fleißig mit ihrer seiltanzenden Tante das Fliegen auf den Füßen. Alle Akrobaten des Cirque Rasposo haben Zirkusschulen besucht.

Daher erweitert Georg Daxner seine umgesetzte Vision des Winterfests auf den innigen Wunsch, heimische Artisten zu zeigen und vor allem in Österreich auszubilden. Sein Spendenaufruf bei der Premiere des diesjährigen Festivals ist also eine Investition in weitere heitere Abende in den Zelten im Volksgarten.

Der zeitgenössische Zirkus entwickelt sich weiter und laut einer Dokumentation des Centre National des Arts du Cirque, der wichtigsten Ausbildungsstätte in Frankreich, geht die Tendenz zu Aufführungen, die sich um eine einzige artistische Disziplin bilden. Interdisziplinäre Stücke wie sie der Cirque Rasposo zeigt, stehen an der Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne.

Diese faszinierende Welt verbindet extreme Artistik, poetische Komödie und rasante Zigeunermusik zu einem wunderbaren Abend, der viel zu schnell vorüber ist. Wer sich schon beim Winterfest 2008 für die „Rasposos“ begeisterte, wird sie diesen Advent nicht missen wollen, allen anderen sei ein Ausflug ins Zirkuszelt im Volksgarten als dringende Familienangelegenheit ans Herz gelegt.

Text: KB / Bild: © winterfest 2011 /  markenredaktion blaue gans salzburg

Halluzinatorischer Überrealismus

© Evan Penny 2011

Evan Penny ist Gast im Museum der Moderne und in der Blauen Gans.


Nein, der nackte Mann, der einen wie ein dreijähriger Dreikäsehoch vom Ausstellungsplakat anstaunt, ist nicht Evan Penny. Der kanadische Künstler, dessen in Kooperation mit der Kunsthalle Tübingen realisierte Werkschau die bislang größte Überblicksausstellung und zugleich seine erste Einzelausstellung in Europa ist, greift allerdings auch auf sich als Modell zurück.

„Weil ich grad da bin. Wenn ich an einer neuen Idee arbeite, experimentiere ich auch mit mir.“ Penny ist Bildhauer, er modelliert Figuren in Ton und macht Abgüsse davon. Lebensgroß, größer, kleiner. Sein Thema ist der menschliche Körper und dessen Wahrnehmung: Realität, Illusion und die Spannung zwischen diesen beiden Ansprüchen. Die Verbindung von figurativer Skulptur und Fotografie, die technische Vervielfältigung mit Laserscanner und die zusätzliche Dimension der 3D-Fotografie bestimmen die gezeigten Werke.

Diese lebensechten dreidimensionalen Menschenbilder haben aber nicht nur den intellektuellen Anspruch, nach den Grenzen zwischen medialer und realer Perzeption zu fragen, sie sind das beeindruckende Ergebnis sorgfältiger Handwerkskünste: Tonfiguren, die Evan Penny nach realen Vorlagen vom Modell oder von selbstgemachten Fotos formt, veränderte fotografische Vorlagen, am Computer verfremdete Bilder, Gummi- oder Kunstharzformen, in die Silikon geschichtet wird, Haarimplantate, Kunststoffaugen, Pigmente… Ein Wissen und Können, das der Künstler ganz klassisch an der Kunsthochschule in Alberta erlernt und durch seine Arbeit in Hollywood spezialisiert hat: Kennedy’s Kopf nach dem Attentat in Oliver Stone’s „JFK“ ist von ihm. Allerdings kein "echter" Penny denn dessen Ziel ist nicht Realismus, sondern Künstlichkeit und Subjektivität der Wahrnehmung, mit allen unangenehmen und beunruhigenden Nebenwirkungen, die in der Konfrontation mit seinen Werken einhergehen.

„Sie sind teils Objekte, teils Bilder, auch im übertragenen Sinn“, sagt Evan Penny, „und der Betrachter befindet sich im Spannungsraum dazwischen.“ Für den Künstler selbst ist es spannend, die Skulpturen, die in Privatbesitz sind, nach vielen Jahren wiederzusehen, denn meistens „habe ich in meinen Gedanken schon längst mit einem Werk abgeschlossen lange bevor es tatsächlich fertiggestellt ist“. Er hat also keine Probleme, seine gottgleich geschaffenen Figuren, die manche Kritiker gerne als Monster bezeichnen, in die große weite Welt zu entlassen. Die Frage ist, wie leicht die Betrachter die Aerials, Murrays, Shelleys, Dannys, Jims, alte und junge Pennys nach einem Besuch im Museum loslassen können.

museum der moderne salzburg
Austellung: 12.11.2011 bis 19.02.2012

Text: KB / Bild: © evan penny  /  markenredaktion blaue gans salzburg

Massive Stille - Walter Vopava setzt auf pulsierende Farbräume


Ein wunderbarer Artikel von Florian Steininger im aktuellen "Parnass" über einen Künstler, der auch in unserem Innenhof einen sehr prominenten Platz besetzt:

Walter Vopava (geb. 1948 in Wien) zählt zu den führenden abstrakten Künstlern Österreichs, die in den 1980er-Jahren die Malerei geprägt haben. Seit 2000 lebt und arbeitet Vopava sowohl in Wien als auch in Berlin. Von Beginn an hat sich der Künstler einer mehr stillen und existenziellen Seite der Bilder zugewandt, abseits des damals vorherrschenden figurativen Neoexpressionismus. 

Zu dieser Zeit verabschiedete sich Walter Vopava vom Gegenstand, ohne ihn jedoch zur Gänze auszublenden. Reste der anthropomorphen Struktur und Köpfe sind noch vorhanden, jedoch zugunsten von Prozessualität und der Freiheit der Malerei aufgelöst. Das Farbspektrum ist meist im Gedämpften angesiedelt, die Textur ist pastos krustig, so als würde der Künstler aus dem schlammigen Erdreich etwas entstehen lassen. Das Bild zeigt sich als Metamorphose, als offenes System der Malmittel. Der Gegenstand im Sinne der Abbildung, Illustration und Erzählung hat keine Bedeutung mehr. Der scheinbar gestische Duktus legt aber auch keine expressionistische Spur einer persönlichen Empfindung. Die tendenziell abstrakte Bildsprache ermöglicht Vopava mehr Handlungsspielraum für das Wesen des Mediums selbst. Der Maler verteilt gleichmäßig die informellen Formenkomplexe auf die Leinwand und umgeht dadurch ein hierarchisches Bildzentrum. Das Bild wird zum Feld. Dieser Feldcharakter ist auch in den folgenden Werkphasen zu erkennen. 


Auf dem Teller bleiben

Marius Kneyder ist auf dem Teller geblieben.

Seit einem Jahr ist Marius Kneyder Küchenchef der Blauen Gans.

Alles fing mit einem Schulpraktikum in der siebten Klasse an: Marius folgte einem Kollegen in die Küche des besten Restaurants seiner Heimatstadt. Das Haus Bladenhorst der Familie Stromberg „hat mir beim ersten Mal gleich so gut gefallen“, erzählt er, „dass ich gleich das zweite Praktikum auch dort gemacht hab, dann hab ich da angefangen so nebenbei zu arbeiten, dann hab ich sofort gefragt, ob ich nicht sogar die Lehre da machen könnte, weil’s mir wirklich so’n Spaß gemacht hat, das war einfach so faszinierend. Ja, und dann hab ich meine Lehre da gemacht und bin dann mit Holger Stromberg durch Deutschland getourt, hab‘ Kochkurse gemacht, und Catering und so.“

Verschiedene Etappen im Salzburger Land haben den jungen Mann schließlich ins älteste Gasthaus im Herzen der Altstadt Salzburgs geführt. Hier bringt er gekonnte Regionalität auf die Speisekarte: Wiener Schnitzel,Tafelspitz, Backhendl, Grießnockerlsuppe, Leberknödelsuppe,“ die Klassiker, das is‘ immer auf der Karte, die wird’s immer geben, das muss!“. Die zahlreichen Stammgäste schätzen es, manche nehmen sogar jede Woche ihr Lieblingsgericht in der Blauen Gans ein.

Was isst Marius Kneyder selbst am Liebsten? Er nennt ein Schokoladen-Fondant an Tamarinden-Eis, eine „supergeile Kombination“, die seine Internationalität und Experimentierfreude verrät. Doch dann gesteht er: Grünkohl. Ein Klassiker aus Nordrhein-Westfalen. Und: „Rindsrouladen. Das hat meine Oma immer gemacht, wenn ich sonntags zum Essen gekommen bin, und meine Mama Grünkohl... Wenn man schon ein bissel von zu Hause weg is‘, dann vermisst man das doch auf irgendeine Art und Weise, und dann haben diese Gerichte einen ganz anderen Stellenwert.“

Das gilt auch für die Speisen im Jahreskreis, im November die Martinigans. Die sei gar nicht so schwierig zuzubereiten, meint Marius Kneyder, allerdings, wenn sie trocken sei, könne man sich auf den Kopf stellen, dann „isses vorbei“. Sein Trick: ein leckerer Gänsefond von den Abschnitten, viele Kräuter dazu. Ob er oft nach Rezepten gefragt wird? Er seufzt. Ja. Dreitausend hat er in seinen Ordnern gesammelt, sein Lebenswerk. Das gibt man nicht so einfach her, Kochstars und Sterneköche vermarkten jeden ihrer Handgriffe. Marius Kneyder ist auf dem Teller geblieben und schenkt allen Freunden der Gans eine seiner Varianten davon.

Rezept von Marius Kneyder

Gansltage
Ganslkarte

Text: KB / Bild:  markenredaktion blaue gans salzburg

Das Leben ist ein Gänsespiel...

...Je mehr man vorwärts gehet, je früher kommt man an das Ziel…(Johann Wolfgang von Goethe im "West-Östlichen Diwan")

Bildnachweis für das Spielfeld: Ron Knight, 2004

Wer die Gansltage über den magischen 11.11.11 hinaus verlängern möchte, dem seien auch die Überlegungen des Blaise Pascal, französischer Philosoph des 17. Jahrhunderts, ans Herz gelegt, der zu den beliebtesten Ablenkungen des Menschen, neben der Ausführung hoher Ämter und der Unterhaltung mit Frauen, das Spielen zählt.

Aus Ägypten stammt eines der ältesten erhaltenen Spiele, ein Spielbrett aus Kalkstein aus der Zeit um 3000 v.Chr., das eine Spiralbahn zeigt. Die Spirale gilt seit Urzeiten als Symbol der unendlichen und unsterblichen Weltschöpfung. Aus dem mythischen Ursprung der Spirale entstanden im Lauf der Jahrtausende die vielfältigsten Spiele, darunter auch das vermutlich populärste in Europa, das Gänsespiel. Abgesehen vom Spielfeld geht auch das namengebende Tier auf die ägyptische Mythologie zurück, und die Anzahl der Felder, die für Schicksalsmomente des menschlichen Lebensweges stehen, folgt der Zahlenmystik der Antike: Jedes siebente und jedes neunte Jahr wird als Zeit der Veränderung angesehen, das 63. Lebensjahr, das Ergebnis von 7 mal 9, als das gefährlichste, und jedes darüber hinaus gehende Lebensjahr als ein Geschenk der Götter erkannt. Das Zielfeld, der Gänsegarten, kann als Vision des Paradieses verstanden werden.

Erstmals belegt ist das Gänsespiel um das Jahr 1580 als Francesco di Medici aus Florenz dem spanischen König Philipp II. eine besonders edel ausgestaltete Version des Spiels schenkte. Es erfreute sich großer Beliebtheit am Hofe, verbreitete sich schnell und wurde nicht selten auch um hohe Einsätze gespielt. Im "Testament eines Exzentrischen" von Jules Verne, erschienen 1899, wird die Geschichte um das Erbe des Millionärs William J. Hypperbone erzählt. Der Verstorbene wird seinem Ruf als Mitglied des Excentric Clubs voll gerecht, denn er hat als Verfechter des bekannten Edlen Gänsespiels festgelegt, das dieses in überdimensionaler Weise quer durch die Bundesstaaten der USA zu spielen sei. Die einzelnen Staaten sind die Spielfelder und ausgeloste Teilnehmer sind die Spielfiguren. Der Gewinner bekommt das Vermögen.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich das Gänsespiel zum „harmlosen“ Kinderspiel. Zu dieser Zeit kamen auch die ersten kommerziellen Versionen auf, die bis in die Gegenwart in immer neuen Auflagen erscheinen.

Das Gänsespiel der Blauen Gans sorgt für erfreuliche Gänsehaut und führt Sie, wenn nicht ins Paradies, zumindest in unser Gasthaus!


Text: KB / Bild:  Bildnachweis für das Spielfeld: Ron Knight, 2004  / markenredaktion blaue gans salzburg
gänsehaut im arthotel