Beim Lesen...


... lässt sich vortrefflich denken - Leo Tolstoi, Tagebücher, 1857

Literatur muss man lesen. Man kann sie hören. Die Abenteuer im Kopf sind auch zu sehen und zu erleben, wenn Autorinnen und Autoren ihrem Publikum begegnen. Das Literaturfest Salzburg bringt zum fünften Mal, an fünf Tagen, überall in der Stadt überraschende und bekannte, junge und alte, avantgardistische und klassische Texte zur Sprache für Aug und Ohr und Herz und Hirn. Zum Beispiel in der Bar der Blauen Gans, wo Nina Bußmann und Lukas Meschik ihre Innenwelten offenlegen.

Wer sich zum Denken hingegen zurückziehen und nicht alle Sinne zugleich schärfen möchte, findet in der Lesestube des kunstGASThauses wie Cicero sein Glück: mit Blick auf den Kräutergarten, umgeben von schönen und klugen Büchern aus der hauseigenen Bibliothek. Eine Bibliotherapie der besten Art, ganz gleich, ob zum Genuss, zur Belebung oder zur Erkenntnis und Belehrung gelesen wird. Ein Erlebnis ist es jedes Mal.

Und hat man einmal doch nicht das richtige Buch zur Hand genommen, so hat selbst dieses eine gute Seite: die letzte.

Text & Bild: KB /  Karin Buchauer   /  markenredaktion blaue gans salzburg

Diese Nase...

© classicmovies.org
„Sie gewann die beiden größten Römer ihrer Zeit für sich, und wegen des dritten nahm sie sich das Leben.“

Cassius Dio, Römische Geschichte

Kleopatra, letzte Königin des von Alexander dem Großen begründeten Ptolemäer-Reiches, letzter weiblicher Pharao, regte schon zu ihren Lebzeiten, 69 bis 30 vor Christus, die Phantasien an. Ihr bewegtes Leben als Herrscherin, Feldherrin, Verführerin und Mutter und ihr mysteriöser Tod inspirierte seit der Antike die Chronisten, Komponisten, Maler und Filmerzähler.

Die Aura der Kleopatra regte auch Cecilia Bartoli an, als erste Frau an der Spitze eines Festivals in Salzburg ihr Programm für die Pfingstfestspiele unter das Motto der tausend Gesichter aus Ägypten zu stellen. Weil sie selbst keine Scheu vor Experimenten hat, wird die italienische Sängerin in der Händel-Oper „Giulio Cesare in Egitto“ die künstlerische Reise auf der Bühne eröffnen (und im August als letzte Opernaufführung die Sommerfestspiele beschließen).

Die erste Premiere erzählt vom Liebespaar Kleopatra und Julius Cäsar. Das weitere Programm widmet sich den tausend anderen Facetten einer Frau, deren Name und Charakter ebenso verteufelt wie ihre Legende über Jahrtausende bis heute weitererzählt wird. „Während der Revolution vom 25. Januar 2011 erstand Kleopatra in den Frauen Ägyptens wieder auf“ beschreibt die Schriftstellerin Salwa Bakr die fortlebende Kraft dieser starken Frau. An der Spitze ihres Landes wird sie dennoch nicht mehr so schnell stehen.

Text: KB /  Karin Buchauer   /   Bild: © classicmovies.org  /  markenredaktion blaue gans salzburg

Nutze den Mittag

@ Hannes Taferner, 5101 Bergheim. Quelle: Salzburger Nachrichten

Der Schlüssel einer gelungenen Beziehung liegt in der Fähigkeit, den anderen wie zu Zeiten der ersten Verliebtheit unvoreingenommen im Hier und Jetzt wahrzunehmen und zu lieben. Dabei ist es unerlässlich, die eigenen Gedanken und Gefühle klar empfinden zu können. Das geht nur in genau dem Moment, in dem sie entstehen, nicht in Vergangenheit, die vorbei ist, nicht in Zukunft, die noch gar nicht da ist.

Diese Zeit für Aufmerksamkeit steht jedem von uns zur Verfügung und fordert erstaunlich wenige Verzögerungen des Alltags: Beim Aufwachen den Sinnen die Möglichkeit geben, nacheinander wieder zu sich zu kommen, zu spüren, zu hören, zu sehen und ausschließlich zu schmecken. Kein Frühstück oder Frühstück im Stehen, beim Gehen, beraubt uns eines wunderbaren Geschmackserlebnisses.

Ebenso die Mittagspause vor dem Bildschirm, die vielleicht zu Mittag stattfindet aber sicher keine Pause darstellt. Die Blaue Gans hat klugen Rat parat und bietet ab sofort eine echte Auszeit mit einzigartigen Sinnesfreuden: frisch gekocht, in Handarbeit veredelt, aus heimischen Produkten mit viel Liebe zubereitet. Das leichte 2-gängige Mittagsmenü nimmt Sie in Ihrer ganzen Person wahr und erschließt Ihnen Sinn und Sinnlichkeit von Lebenskunst. Genießen Sie die Pause für Körper, Geist und Seele. Das Leben mag kurz erscheinen, die Lebenskunst verlängert es. Frei nach Hippokrates.


Text: KB /  Karin Buchauer   /   markenredaktion blaue gans salzburg

Ruhm am Nachmittag


Blaue Gans - Stammgast Karl Markus Gauß macht mir ein Geschenk:

"Lieber Herr Gfrerer, ich finde, in der Bibliothek Ihres Hotels darf für unsere indischen Gäste keineswegs die Übersetzung meines 1999er Buches Der Mann, der ins Gefrierfach wollte  ins Hindhi fehlen. Daher schicke ich es mit lieben Grüßen."

Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen. Das Buch hat in unserer Lesestube einen Ehrenplatz unter den anderen Büchern von Karl Markus Gauß, die pointiert und mit geschliffener Sprache Politik und Gesellschaft kommentieren. Virtuos reist Gauß zwischen den Stilen durch das Zeitgeschehen, mischt Reisebericht, Literaturkritik, Selbstreflexion und dem Alltag geschuldete Stoßseufzer zu einer aufrüttelnden Anklage an die Verunsicherungen und Verletzungen des modernen Lebens.

Zuletzt erschien mit "Ruhm am Nachmittag" ein geistreicher Angriff auf die Verwerfungen unserer Zeit, dem ich unter anderem einen Satz verdanke, welcher mich unvermittelt und laut auflachen ließ:

"Wenn schon Mapplethorpe, dann lieber gleich Riefenstahl."

Vielen Dank, Verehrtester!
Der ORF bringt in seiner Kulturmatinee am Sonntag, 13.5. ein Portrait von Karl Markus Gauß, aufgezeichnet von Renate Lachinger und Ulli Halmschlager
Karl Markus Gauß: Ruhm am Nachmittag ; Zsolnay 

Text & Bild: AG

Blün, blün, blün ist alles, was ich habe, blün, blün, blün ist alles was ich mag!



Wie grün darf eine Blaue Gans sein?!
Die meisten indogermanischen Sprachen unterschieden klar zwischen Grün und Blau. Andere Sprachen dagegen kennen oft nur ein Wort für beide Farben oder treffen Unterscheidungen in Bezug auf Helligkeit und dunkel der Farbeerfahrung.

Im Vietnamesischen zum Beispiel bezeichnet das Wort xanh sowohl die Farbe des Himmels, der ja blau sein kann, als auch die grünen Blätter eines Baumes. Durch Ergänzungen im Kontext erschließt sich, ob nun der blaue Himmel oder der grüne Baum gemeint ist. Ebenso verfahren die Einwohner Paraguays, die Guaraní sprechen: Sie kennen nur das Wort hovy für Blau oder Grün, können aber Schattierungen benennen. Um sicher verstanden zu werden, verwenden sie oft die spanischen Begriffe. Diese unterscheiden zusätzlich zwischen himmelfarben, celeste, und allen anderen Blautönen, azul, wie azzurro und blu im Italienischen. Ähnlich klingt der Ausdruck aozora, der im Japanischen ebenso himmelblau bedeutet, dessen Wortwurzel aoi allerdings die ganz Farbpalette von blau bis grün beschreibt und auch für blass beim Menschen verwendet wird…

Keine Seh- oder sonstige Schwäche zeigt die Blaue Gans. Die Bäume und Wiesen der Salzburger Stadtberge inspirierten die Architekten von CP-Architektur, beim Umbau der Getreidegassenseitigen Zimmer ganz auf die bürgerliche Kultur der Händler und Handwerker, Wirte und Sittenwächter und wer sonst noch die Hauptdurchzugstrasse der Stadt bevölkerte, und die bejahende Farbe Grün zu setzen. Astige Holzböden, Sandstein, Loden, Filz und Dirndlstoffe ergänzen den frischen Charakter. Vier Jahre später besinnt sich die Gans, mit Blick auf die Hofstallgasse, der „Via Principalis“ der Erzbischöfe und das Pausenfoyer der Festspiele, auf ihr sozusagen blaublütiges Wesen: Die Zimmer zum Karajan-Platz sind großzügig, mondän und traditionsreich in edlem Blau gehalten, die Rückseite des Hauses wird zum Entrée.

Im ewigen Grün der Olivenbäume und Palmen des Gastgartens lässt sich vorzüglich zur blauen Stunde der Sehnsucht nachgeben.

Text: KB /  Karin Buchauer   /   markenredaktion blaue gans salzburg

Erscheint das erste Grün, sammelt man die Kräuter und genießt sie kühn.


Haiku nach dem Bibelspruch 27:25

Gärten erfüllen von jeher vielfältige Funktionen: Sie decken Grundbedürfnisse des Menschen nach Nahrung und Heilmitteln und befriedigen auch das ästhetische Empfinden für Formen, Farben und Gerüche. Schon die alten Ägypter nutzten Pflanzen, Blüten und Samen als Nahrung, Gewürze oder Salben. Auch von den Römern sind Dokumente erhalten, in denen die Verwendung von Kräutern beschrieben wird. Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches gelangten viele Pflanzenarten aus dem Mittelmeerraum in den Norden Europas und wurden Bestandteil der heimischen Flora. Im Mittelalter wurden diese Kenntnisse in den christlichen Klöstern gepflegt und in Kräuterbüchern verschriftlicht. Bis ins 19. Jahrhundert waren Kräuter sowohl als Gewürze als auch Heilmittel definiert, nach dem Motto von Pfarrer Kneipp, das gegen jedes Unheil ein Kraut gewachsen sei. Nicht nur die Ordensgemeinschaften, auch die Landbevölkerung strebten im Bauerngarten eine autarke Versorgung ihrer elementaren Bedürfnisse.

Mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, der Ausbreitung der Städte, der wissenschaftlichen Trennung von Botanik und Medizin ist die Selbstverständlichkeit der Kräutergärten lange vergessen worden. Das Bedürfnis nach Grün bleibt aber ungebrochen. So haben sich mittlerweile viele großstädtische Initiativen gegründet, die das Recht auf Grün in der zeitgemäßen Stadtentwicklung einfordern. Natürlich kann jeder für sich auf dem eigenen Fensterbrett damit beginnen.

Im Innenhof des arthotel Blaue Gans geben Renate Mühlbacher und Marius Kneyder enthusiastisch ihrem grünen Daumen nach, wobei der Küchenchef die Ernte aus dem eigenen Garten derzeit noch zurückhaltend einsetzt, immerhin benötigt er für drei Kilo Kräuterbutter ein Viertelkilo Kräuter. Die sollen noch wachsen und sich ausbreiten, um auch als Tees, aromatisierte Öle und Essige, Essenzen, Tinkturen über die Küche hinaus die Gäste des Hauses erfreuen können. Kneyders unschlagbares Trio besteht aus Thymian, Rosmarin und Salbei, wobei Schnittlauch, Zitronenmelisse, Zitronenthymian und Lorbeer ebenso täglich gegossen werden. Lavendel sorgt für mückenfreies Ambiente an den futuristischen Hochbeeten, an denen man auch sitzen und am Holzdeck ganz wie früher den Sommer mitten in der Stadt genießen kann.

Text: KB /  Karin Buchauer   /   markenredaktion blaue gans salzburg

Genug ist nie genug, genug kann nie genügen


Claudia Karner, Veranstalterin der Reihe „Literatur im Café Mozart, hat sich nach 25 Jahren einen Traum erfüllt: Die Lesung von Konstantin Wecker aus seiner Autobiographie „Die Kunst des Scheiterns“ war eine Sternstunde…

GÄNSEHAUT: Herr Wecker, wie war’s gestern Abend im Café Mozart?
Also, ich bin sehr froh, dass ich das endlich mal g‘macht hab. Nach so vielen Jahren der… Mühe… Es war ja auch nicht so, dass ich’s nicht hätte machen wollen, es ist bloß so dass I nie ganz frei g‘habt hab,  die letzten Jahre. Ich bin schon sehr viel unterwegs, zur Zeit.

GÄNSEHAUT: Eigentlich sind Sie seit Ihrem zwölften Lebensjahr unterwegs, seit Sie das erste Mal von zu Haus ausgerissen sind. Kann man das so sagen?
Ja, das kann man so sagen.

GÄNSEHAUT: Und es gibt auch kein Bedürfnis, das zu ändern?
Nein, ich glaub‘, ich würd‘ depressiv werden, wenn ich drei Monate nicht auf der Bühne bin, dann werd ich nervös. Also, das macht mich richtig nervös.

GÄNSEHAUT: Was ist daran so wichtig?
Ich glaub, es ist diese Kommunikation mit den Menschen. Wie man gestern gesehen hat, wird ja deutlich, mein Publikum hört ja wirklich zu. Das will nicht irgendwie abtanzen oder so was, sondern die wollen zuhören, denen bedeuten die Texte etwas. Und die Musik ist der Vermittler für diese Texte, und meine Stimme ist wahrscheinlich und die Art und Weise, wie ich sing. Aber es geht um’s gemeinsam… um eine Suche nach....... vielleicht, wie ich’s ganz am Anfang meines Buches geschrieben hab, die Suche nach dem Wunderbaren. Das, was man eigentlich nur durch Poesie und Musik ausdrücken kann.

GÄNSEHAUT: Haben Sie vor Ihren Auftritten, unterwegs, Rituale?
Ja, ich muss vor jedem Konzert schlafen.

GÄNSEHAUT: Na ja, schlafen muss man immer.
Natürlich. Ich mein‘, direkt davor. Auch vor ganz aufregenden Premieren. Das ist meine Form der Aufregung. Aufregungsbewältigung. Und ich kann auch sofort einschlafen.

GÄNSEHAUT: Und wenn Sie aufwachen, geht’s dann gleich los?
Dann muss ich kalt duschen, das ist das zweite Ritual. Hier war’s sehr schön, hier ist eine schöne kalte Dusche. Manche Hotels haben so eine lauwarme Kaltdusche, das ist meistens bei großen Ketten, da werd ich wahnsinnig, das kann mir den ganzen Abend versauen!

GÄNSEHAUT: Und gibt es auch ein Ritual danach?
Ja. Grüner Veltliner!

GÄNSEHAUT: Ich muss jetzt doch auf Mozart kommen, weil wir in Salzburg sind…
Klar.

GÄNSEHAUT: … und Sie im Café Mozart gelesen haben und auf Ihrer ersten Platte haben Sie sich Amadeus genannt… Was ist Ihr Bezug zu Mozart?
Zum Amadeus muss ich leider dazu sagen, das war eine Erfindung der Plattenfirma, die dachten damals, das is was ganz Tolles, es war meine erste Scheibe. Ich hab es dann wieder sein lassen, aber ich hab meinen wirklichen Bezug zu Mozart erst im Alter bekommen, ab dreißig-vierzig.

All in

Zum Abschluß des jährlichen Kulinarik-Festivals Eat&Meet öffnet das arthotel Blaue Gans wieder seine Pforten. In seinem "kunstGASThaus" gibt Gastgeber Andreas Gfrerer zum Apéritif Brot und Salz als Willkommensgruß aus. Ein Segen.

Nach drei Monaten Umbau und aufregenden letzten Stunden vor dem Eintreffen der Gäste muss dem Team der Blauen Gans keinesfalls mehr eingeheizt werden. Wo Minuten zuvor noch zum tausendsten Mal gewischt und geschraubt, getüftelt, telefoniert, dekoriert und tief ein- und ausgeatmet wurde, klimpern nun die Gläser und Klappern die Teller.

Peter Gnaiger, bei den Salzburger Nachrichten fürs Essen zuständig, kellnert zwei Stunden bis es ihn nimmer freut. In den Zimmern, deren Nummerierung eine eigene Wissenschaft wurde, hängen die Roben der Festspielgäste, blitzen die Spiegel und öffnen sich die Fenster auf neue Ausblicke. Alle sind da. Alles ist gut.

Text: KB /  Karin Buchauer   /   markenredaktion blaue gans salzburg
gänsehaut im arthotel