trotz krise: wir bleiben am ball!

opernball- wie eigentümlich muss diese veranstaltung wohl einen nicht-österreicher anmuten: eine staatsaktion mit öffentlicher anteilnahme unter ausschluß der öffentlichkeit; ein dümmlich-penetranter baumeister, der mit seinem b-promi-gewusle die schlagzeilen dominiert; das medienwirksame bangen der tanzschule, die eröffnungszeremonie würde von absichtlich aus der reihe tanzenden debütantinnen sabotiert (eine ohnehin nicht gern gesehene bewegung am österreichischen parkett); ein staatsoperndirektor, der in seiner hybris das "oper" längst gedanklich aus seinem titel gestrichen hat; und ein staatsfunk, der im jahr maximal zwei opernproduktionen zeigt, dafür beim großen opern-society-spektakel den schalen small talk stundenlang zur kunstform erklärt.

eines muss man dem orf lassen: er weiss um seine soziale verantwortung. immerhin wurde in den interviews die frage gestellt, wie sich die sorglose opulenz und luxuriöse repräsentationssucht eines opernball-besuches mit den für viele menschen spürbaren auswirkungen der allgegenwärtigen finanzkrise vereinbaren lassen. die jeweiligen strategien der erlauchten besucher sind mehr als erhellend: frau lichter (sic!) etwa meinte: "warum soll ich mich nicht trauen, ich verdiene ja mein geld", zuckte mit den schultern und ergänzte, "wer nicht gehen will, soll nicht gehen". ein unwidersprüchlicher und offenherzig dargebrachter gedanke, welcher in der gleichermaßen ein- wie ausladenden robe der sängerin seine entsprechung fand.

der schwimmer markus rogan erinnerte daran, dass "hinter dem opernball menschen stehen". es bleibt zu ergänzen, dass auch vor dem opernball menschen standen, wenn auch weniger als früher, vielleicht aufgrund einer generellen reizüberflutung bei der beobachtung moralischer verwahrlosung. einfühlsam zeigte sich auch rogans miss austria-freundin christine reiler und erklärte die krise für beendet: "irgendwann muss schluss sein. in afrika haben die leute seit jahren nichts zu essen und wir essen ja auch trotzdem".

damn right. die welt bleibt in ordnung. dann ist ja alles walzer.