urbanes schwingen - jazz in der altstadt

08100 Konzerte in 5 Tagen, 50 Spielorte, 25.000 BesucherInnen



2009 feiert Jazz in der Altstadt sein 10-jähriges Bestehen. Ursprünglich als begleitendes Programm zum Salzburger Jazz-Herbst gedacht, hat Jazz in der Altstadt in den letzten Jahren an eigenem Profil gewonnen. Das Clubfestival ist nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung zum "großen Bruder" gedacht, und versteht sich als ein Off-Off-Festival mit einem weiten musikalischen Blick, ohne Kategorisierungen, das die unterschiedlichsten Stile gleichberechtigt nebeneinander stellt. Einzige Kriterien: die schöpferische Neugier der Musikerinnen und Musiker und deren musikalische Qualität. Stilvielfalt zuzulassen bedeutet jedoch nicht einen Rückfall in die Beliebigkeit oder den Kern des Festivals, die improvisierte Musik zu verleugnen, sondern zeigt unterschiedliche Zugänge in eine Welt spannender musikalischer Auseinandersetzungen auf.

Jazz hat sich in den letzten Jahrzehnten in den Musikkanon eingereiht. Immer noch auf der Suche nach musikalischer Herausforderung hat er die revolutionäre Kraft der früheren Jahre scheinbar verloren und tut sich heute schwer, ein junges Publikum für sich zu begeistern. Dieser Herausforderung, ein neues Publikum zu gewinnen und ein festgefahrenes Rezeptionsverhalten aufzulösen, stellt sich "Jazz in der Altstadt" mit unterschiedlichen Strategien. Eine Chance, dieses Ziel zu erreichen bietet die Präsentation der Musikprojekte an unterschiedlichen Orten, in Cafés, Restaurants, Bars, Galerien, Museen und Plätzen der Altstadt. Jazz in der Altstadt ist ein Clubfestival, und der Verzicht auf klassische Konzert- räume stellt eine Herausforderung vor allem hinsichtlich der Programmierung dar. Lautes und Leises, Grooviges und Experimentelles müssen Platz finden. Die MusikerInnen rücken mit ihren Projekten bei "Jazz in der Altstadt" in den Vordergrund, sind nicht Hintergrundmusik, eine Intention die durchaus scheitern kann, die in vielen Fällen aber funktioniert.

Neben Orten, an denen der Schwerpunkt der Projekte auf Unterhaltung (nicht Unterforderung des Publikums), auf u.a. Jazz mit Pop und Funk Elementen ausgerichtet ist, bietet z.B. die Caverne im arthotel Blaue Gans einen Raum des Rückzugs, des Innehaltens, der Entschleunigung, der Konzentration und des Experiments. Räume, die für die Vielfalt des Programms unverzichtbar sind. Aber auch das m32, der wohl schönste Jazzclub Österreichs, bietet den notwendigen Rahmen für unvergessliche Konzerterlebnisse. Dies sind nur zwei Beispiele für die Vielfalt der Spielräume. Eines sollte man bei diesen Betrachtungen nicht vergessen: Neben der Qualität der Räume bleibt die Offenheit, Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft der Menschen, die als Gastgeber der Konzerte fungieren, ein unverzichtbarer Bestandteil für den Erfolg des Festivals. Nur mit ihnen sind wir in der Lage jene Begeisterung zu erzeugen, die "Jazz in der Altstadt" auszeichnet.

Ein weiterer Aspekt war und ist für uns von besonderer Bedeutung: der freie Eintritt zu allen Konzerten. Dies öffnet Chancen, Publikums-schichten zu erreichen, die normalerweise kein Jazzkonzert besuchen, Berührungsängste abzubauen, die Risikobereitschaft zu fördern und Neugier zu wecken. Ein kostenloser Zugang zu den Konzerten ermöglicht aber auch, einmal nicht die Entscheidung zu treffen, wie viele Tickets man sich leisten kann, und ob man mit der ganzen Familie oder mit allen Freunden ein Konzert besucht. Gemeinsames und Generationen verbindendes Hören und Erleben steht bei Jazz in der Altstadt im Mittelpunkt.

gerhard eder