RESONANZ IM ÖFFENTLICHEN RAUM


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WOZU BRAUCHT SALZBURG DANN NOCH DIE KUNST?
Ein Beitrag von Hildegard Fraueneder


SALZBURG, SO HEISST ES, ist eine außergewöhnlich schöne Stadt; sie ist einzigartig - zumindest in ihrem Kern, in ihrer Mitte. Denn hier sind die Fassaden aufpoliert, viele Märkte inszeniert und die Plätze zeigen sich befreit von den Mühen der Arbeit und den Lüsten des Lebens.
Wie wir eine (unsere) Stadt erfahren ist allerdings nicht bloß eine persönliche Angelegenheit oder eine subjektive Note, es sind immer auch Bilder, die uns vorführen, was eine Stadt zu bieten hat, was wir von ihr erwarten oder eben auch erfahren wollen. Salzburg gilt nicht nur als ‚schöne Stadt‘, sondern weitaus mehr noch als höchst attraktive Kulturstadt: Kultur, die wiederum vornehmlich in und rund um die Altstadt zentriert zu finden ist. In einer Altstadt, die sich zu einem großen Teil als ‚ausgestellte Stadt‘ darbietet, als ein geschlossenes Ensemble von Bauten, Plätzen und Anlagen, die als immer schon so da Gewesene gelesen werden. Dieser Stadtraum ist nicht nur der bevorzugte Aufenthaltsraum für die TouristenInnen, er dient auch der Identifizierung der BewohnerInnen mit ihrer Stadt. Trotz und vor allem wegen der Verwandlung des Innenstadtbereiches in exklusive Orte des Konsums und der Unterhaltung kann dieser Stadtteil in Abgrenzung zu den umliegenden Zonen, die mit einer steten Modernisierung und Entwicklung identifiziert werden, als "Altstadt" konstruiert werden. In diesem bildmächtigen Konstrukt kann sie als ein Eigenes - der Stadt und ihren BewohnerInnen Gehörendes - behauptetet werden, das der Gedächtnisstiftung und der Selbstvergewisserung dient.
So ist es wenig verwunderlich, dass der Altstadt in einer solchen Konstruktion nur noch diskursive Randbereiche für die Gegenwart, für gesellschaftliche Aktualitäten, für die zeitgenössische Kunst zugestanden werden. Veränderungen von Platzräumen durch neu aufgestellte Kunstwerke oder auch nur temporäre Eingriffe werden deshalb als Abweichung und ‚Fremdheit‘ aufgefasst und häufig abgelehnt.

KUNST ERREGT DIE GEMÜTER
Einen gesellschaftlichen Konsens zu Kunst gibt es nicht und kann es nicht geben, da Kunst immer auch mit Fragen der Störung und des Widerspruchs behaftet sein wird, denn ohne die Wahrnehmung zu irritieren könnte sie weder neue Erlebensräume noch andere Sichtweisen auf gewohnte Wahrnehmungsmodi bieten, ohne diese wäre sie reine Dekoration oder Bestätigung. Indem Kunst immer auch damit zu tun hat, Bild- und Denkmuster aufzubrechen, zum Sichtbaren auch das Denkbare in Beziehung zu setzen und mittels neuer Konfigurationen Fragen zu stellen, wird und soll sie zu Diskussion, Auseinandersetzung und Debatte anregen. Doch nirgendwo sonst kommen die streitbaren Auffassungen von Kunst stärker zum Ausdruck als bei den Errichtungen von Kunstwerken auf städtischen Plätzen in der Altstadtzone. Seit 2002 ist Salzburg Schauplatz der Kunstprojekte der ‚Salzburg Foundation‘, die auf zehn Jahre angelegt die Innenstadt in einen international beachteten Skulpturenpark zu verwandeln gedenkt; Jahr für Jahr werden Werke bekannter KünstlerInnen an markanten Orten der Innenstadt aufgestellt, die mit privaten Geldern finanziert sind. In Ansprachen und Veröffentlichungen werden die Beweggründe für die Investition in Salzburg mit der Schönheit der Stadt, ihrer Geschichte des Mäzenatentums und einer Weiterentwicklung des Weltkulturerbes der Salzburger Altstadt argumentiert.
Erinnert sei auch an die Kunstwerke, die im Rahmen des Festivals "kontracom" 2006 in der Innenstadt unter der Schirmherrschaft von Stadt und Land Salzburg realisiert worden waren, die bei vielen SalzburgerInnen auf heftige Ablehnung stießen, im Besonderen ein auf den Rotorblättern liegender Hubschrauber auf dem Residenzplatz von Paola Pivi und das höchst kontroversiell diskutierte Projekt "Salzburg bleib frei" von Christoph Büchel, eine Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren mit dem Ziel, die öffentlichen Räume der Altstadt für fünf Jahre frei von Gegenwartskunst zu halten. Eine differenzierende Argumentation und Diskussion wurde durch die im Vorfeld geführte massenmediale Skandalisierung und der damit geschürten Aufgebrachtheit der Salzburger Bevölkerung zumeist verhindert. Auffallend an beiden Projekten ist nicht nur die örtliche Konzentration auf den Altstadtbereich, vielmehr auch - trotz einiger Ausnahmen - ein konventionell anmutendes Verständnis von künstlerischen Möglichkeiten, auf städtische Situationen und soziale Räume zu reagieren oder in diesen zu agieren.

Obgleich sie - vor allem die von der Salzburg Foundation initiierten Kunstwerke - also in ihrem Aussehen einer konventionellen Auffassung von skulpturaler Kunst entsprechen, werden sie als das gewohnte Stadtbild störend empfunden. Da hilft es auch nicht weiter, wenn darauf verwiesen wird, dass diese Kunstwerke "dem Steuerzahler" nichts kosten, denn von einer "ökonomiefreien" Handlung kann auch hier keine Rede sein. Rückt man die grundlegenden ökonomischen Interessen in den Blick, so ist auf der einen Seite der Beitrag der Kunst zur Ästhetisierung oder kulturellen Aufladung des Stadtbildes zu nennen, und auf der anderen Seite das ebenso ökonomisch motivierte Interesse von Veranstaltern, mittels "exklusiver Umgebungen", die vor allem Aufmerksamkeit garantieren, die jeweiligen Kunstwerke aufzuwerten.
















IN DER ÖFFNUNG EIN WERDEN ERMÖGLICHEN ...

Welches Interesse hat aber die Stadtbevölkerung? Will sie denn mit zeitgenössischer Kunst auf ihren Wegen durch die Stadt konfrontiert oder auch nur beschenkt werden, und vor allem wie und mit welcher? Nicht alle SalzburgerInnen stehen den genannten Initiativen ablehnend gegenüber und es würde am Konflikt vorbeigehen, den KritikerInnen lediglich ein konservatives Kunstverständnis zuzuschreiben, wie es vielfach - vor allem in den Medien - behauptet worden ist.
Seitens der Kunst gibt es kein wie auch immer argumentierbares Anrecht auf den öffentlichen Raum einer Stadt und es macht im Vorhinein auch keinen Sinn, eine Berechtigung von Kunst hier nachweisen zu wollen, vielmehr sollte man großzügig und auch neugierig eine Öffnung denken, die auch, wie der Philosoph A. G. Düttmann es formulierte, ein Werden ist. Eine Öffnung also, in der sich auch in Momenten der Auseinandersetzung und der Konflikte Öffentlichkeit bilden wird können, in der abseits ökonomischer Kriterien - und das heißt außerhalb einer Zweckorientierung - debattiert werden kann.
Öffentlichkeit ist aber auch eine Frage von Gemeinschaft, von zivilgesellschaftlichen Modellen. Man kann Öffentlichkeit weder bauen noch stadtplanerisch oder marketingstrategisch verordnen, vor allem kann sie weder durch Gebautes noch durch Kunst unmittelbar ins Leben gerufen werden. Öffentlichkeit ereignet sich gelegentlich und unvorhersehbar, so wie sich heute auch Kunst unvorhersehbar "ereignet", nachdem es keine konstitutiven Kriterien für sie gibt und sich ihre Wirkkraft somit auch erst im Nachhinein zeigen kann. An ihrer Bewertung sind viele unterschiedliche Disziplinen, Professionen und Felder beteiligt, die immer aus singulären Perspektiven strittig sein wird. Dieser Auseinandersetzungsprozess findet vor allem auch im Kontext ästhetischer Erwartungen statt, der darüber entscheidet, was noch Kunst ist und was nicht, was relevante Kunst ist oder was nicht. Auf den Salzburger Plätzen, an Fassaden und in Höfen finden sich vielerlei Kunstwerke, Denkmäler und Standbilder, die in künstlerischer Hinsicht kaum über ein Mittelmaß hinausreichen und sich dennoch großer Beliebtheit erfreuen. Hier gilt es weniger einer kunstmilitanten Säuberungsaktion das Wort zu reden, die diese "Geschichten" vernichten würde, aber genau so wichtig sind für jede Gegenwart und Zeitgenossenschaft ein Raumschaffen und ein Platznehmen. Da ist es mitunter hilfreich, die Aufmerksamkeit auf die Komplexität der Beziehung zwischen BetrachterInnen, dem Kunstwerk und den von beiden "bewohnten" Ort zu richten. Indem sich Kunst an ein Publikum richtet und vor allem jene außerhalb der Museums- und Galerieräume dieses aufruft, in einem sowohl körperlichen als auch zeitlichen Begegnungsszenario sich situativ involvieren zu lassen, so ist dennoch die Rezeption nicht beliebig, da sie von der Werkstruktur und den Rezeptionsbedingungen diktiert wird. Was sie bietet ist eine situative Erfahrungsgestaltung: ein Angebot, das von ExpertInnen als konventionell und rückwärtsgewandt oder als anregend und zukunftsbetont, das von Teilen des Publikums als langweilig, von anderen als störend oder auch als bereichernd empfunden wird, das aber auch als provokative Setzung nicht per se als Ärgernis abgetan werden muss, sondern hier in seiner Bild-Störung - im Unterbrechen - als "Gabe" aufgefasst werden kann.

DEN BILDERFLUSS DURCHBRECHEN
"Salzburg: die drittschönste Stadt Europas" titeln heute nicht ohne Stolz Magazine der Stadt und der Tourismuswirtschaft. LeserInnen des US-amerikanischen Reisemagazins "Condé Nast Traveller" wählten Salzburg, gemeinsam mit Venedig, nach Florenz und Rom zur drittschönsten Stadt Europas. Die Wirkmacht des auratisch verklärten Salzburgbildes, wie wir es in den vielen Prospekten und Bildbänden vorfinden, scheint nach wie vor ungebrochen. Wir sollten jetzt aber nicht diesen für die Wirtschaftskraft der Stadt bedeutenden Erfolg kritisieren, müssen uns dennoch fragen, inwieweit unser Blick auf die "eigene" Stadt nicht längst auch von den gleichen Reportagen und Bilderbögen geprägt ist, die Touristen betrachten.
Bilder sind, das wird oft unterschlagen, immer auch Instrumente von Projektionen, von Einbildungen und Gerüchten, von Verdächtigungen und entsprechenden Schlussfolgerungen. Sie können gleichzeitig manipulierend und dadurch Sinn stiftend wirken, wie auch entgegen jeder Sinnstiftung auftreten. Weshalb eine stets erneute "Bildproduktion" nach wie vor für kritische Debatten Sinn macht, liegt an ihrem Potential, die anderswo erzeugten Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten verschieben und vor allem auch das Dispositiv des Sehens ein klein wenig verrücken zu können.

















Roland Barthes hat in seinem wunderbaren Buch ‚Fragmente einer Sprache der Liebe‘ unser Verhalten, wenn wir uns einer fremden Person oder ungewöhnlichen Situation gegenüber sehen, dahingehend beschrieben, dass wir diese mit Hilfe unseres Bildrepertoires taxieren und zumeist jeder weitergehenden Wahrnehmung entziehen. Der Urbanist Kevin Lynch hat eben diesen Verhaltensmodus auch für das Lesen urbaner und städtischer Zonen beschrieben und herausgearbeitet, dass bei einer Nichtübereinstimmung der ‚Bilder‘ sodann auch das Verhalten ein indifferentes bleibt. In einer solcherart selektiven Wahrnehmung lässt sich alles Einlassen auf ein Verwirrendes und Zweideutiges vermeiden. So wird es dann als störendes Fremdes im Blick und in der Erinnerung haften bleiben. Darauf ist auch eine in Salzburg besonders gepflegte und die Leserbriefseiten der Zeitungen füllende Reaktion zurückzuführen: den Komfort des Bekannten und Gewohnten vermissend für jede Änderung eine Erklärung einzufordern. Damit wird die Stadt zu einem Observierungsraum, der auch befähigt wird, präventiv etwaige Störungen einzugrenzen und möglicherweise Konflikt auslösende Kunstprojekte in städtischen Räumen tunlichst zu vermeiden.

Das Konflikthafte von Kunst ist aber niemals bloß ein Vermittlungsproblem und ist auch nicht Ausdruck fehlender Toleranz. Toleranz markiert immer nur von einer dominanten Position aus das, was als der Toleranz bedürftig ausgewiesen wird, ob dies (temporäre) Kunstwerke, Architekturen oder vor allem Menschen betrifft. Auch wird kein Konsens darüber zu finden sein, wie sich Innenstadtplätze geben und wozu sie sich hergeben sollen; vielmehr ginge es darum, ein Gemeinsames im Dissens zu akzeptieren, in einem Verständnis von Gesellschaft, die Fremdheit (in Bezug auf die Kunst könnte man von einem dem Gewohnten Entgegenstehendes sprechen) als konstitutiv und nicht bloß duldend für sich setzt.

HILDEGARD FRAUENEDER

STUDIERTE KUNSTGESCHICHTE, PHILOSOPHIE UND GESCHICHTE IN SALZBURG UND WIEN. SEIT 1988 IST SIE LEHRBEAUFTRAGTE AN DER UNIVERSITÄT SALZBURG UND SEIT 1995 AN DER UNIVERSITAET MOZARTEUM, SEIT 1985 KURATORIN ZAHLREICHER AUSSTELLUNGEN, SEIT 1998 CO-LEITERIN UND SEIT 2001 LEITERIN DER GALERIE 5020/IG BILDENDER KUENSTLERINNEN.

RESONANZ UND WIRKLICHKEIT


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Der Unternehmensberater Wilfried Reiter im Interview.


GÄNSEHAUT: Sie verwenden in der Beratung und bei dem von Ihnen entwickelten Selbstcoaching-Verfahren das Modell der Resonanz. Wie sind Sie darauf gekommen?
Wir verwenden Resonanz als Modell der Wirklichkeitskonstruktion. Um dies zu verstehen, möchte ich erst darüber sprechen, was es mit der Wirklichkeit auf sich hat.
Wirklichkeit ist das, was wir gerne als gegeben, als objektiv, als das was ist, was an sich ist, was real ist, na eben das, was wir als gegeben ansehen. Tun Sie das nicht?

arthotel-blaue-gans_gaensehaut_wilfried_reiter_hintergrund1Da gibt es eine Geschichte von dem schwäbischen Bauern. Schwäbische Bauern sind für Ihre Bodenständigkeit bekannt. Der Bauer steht zu Sonnenuntergang am Rand der Alp, neben ihm der Schuldirektor. Beide betrachten die Schönheit der mächtigen, untergehenden Sonne. Da meint der Schuldirektor: "Ist es nicht erstaunlich? Wir stehen hier, vor uns die Sonne wie sie untergeht und es erscheint uns so, als ginge sie hinter dem Horizont unter. Dabei ist es doch so, dass in Wirklichkeit wir es sind, die sich von ihr wegbewegen, genauer gesagt die Erde, die sich wegdreht, und es erscheint uns nur so, als ginge die Sonne unter." Eine Weile vergeht, bis der Bauer meint: "So, glauben Sie das?"

Und was glauben Sie? Geht die Sonne unter, oder bewegt sich die Erde und wir drehen uns mit ihr von der Sonne weg? Faktisch spricht doch alles dafür, dass die Sonne untergeht. Wir spüren keine Eigenbewegung und auch keine Bewegung der Erde, der Horizont steht in festem Abstand zu uns, nur die Sonne bewegt sich. Was stimmt nun? Was ist wirklich?

GÄNSEHAUT: "Wirklichkeit ist also nicht einfach wirklich? Oder wie Paul Watzlawik meinte: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?"
Genau! Was die Geschichte aufzeigt ist ein geistiger Mechanismus, der Mechanismus der mentalen Modellbildung. Wir verwenden Modelle, genauer gesagt Erklärungsmodelle, um die Wirklichkeit zu beschreiben und zu erklären. Und wir tun dies meist, ohne es zu bemerken, gewohnheitsbedingt.
Was wir für wirklich halten sind in Wirklichkeit nur die Modelle, die wir uns von der Wirklichkeit erschaffen. Lassen Sie mich auf ein paar solcher alltäglichen Wirklichkeitsmodelle hinweisen.

  • Führen höhere Löhne zu mehr Kaufkraft, oder führen sie zu höheren Preisen?
  • Bewirkt Benzinpreiserhöhung, dass mehr öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden?
  • Bewirken mehr Medikamente mehr Gesundheit, oder machen sie uns krank?
  • Wenn wir die Preise senken, machen wir mehr Umsatz, oder weniger Gewinn?

Was wir aus den Fragen erkennen können: unsere Erklärungsmodelle greifen häufig zu kurz, sie beschreiben in der Regel einen geringen Teil der Wirklichkeit.

GÄNSEHAUT: "Sie bezweifeln die Tauglichkeit dieser Modelle?"
Speziell wenn es um unser subjektives Befinden und um menschliches Verhalten geht, sind die meisten mechanischen Modelle und insbesondere Ursache-Wirkungs-Modelle ungeeignet. Von Paul Watzlawik stammt die Beschreibung eines Beratungsfalles, an dem deutlich wird, wie einfache Modelle zu falschen Lösungen führen:

  • Der Trinker gibt an, dass er trinkt, weil seine Frau ihn mit Ablehnung empfängt.
  • Die Frau gibt an, sie empfängt ihren Mann mit Ablehnung, weil er betrunken nach Hause kommt.
  • Beide finden im Verhalten des anderen den Grund für ihr eigenes Verhalten.

GÄNSEHAUT: "Man kann sich vorstellen, dass dies kein Ende findet."
Beide haben Recht und beide haben Unrecht, und wie wir sehen, macht es keinen Unterschied, wer Recht hat und wer Unrecht hat. Wenn wir dem Ursache-Wirkungs-Modell folgen, werden wir dem Phänomen nicht gerecht. Das Ursache-Wirkung-Modell greift zu kurz. Die Verhaltensweisen der beiden bedingen sich gegenseitig. Wir haben es mit einem Phänomen von Resonanz zu tun.

arthotel-blaue-gans_gaensehaut_wilfried_reiter_hintergrund2GÄNSEHAUT: "Und wo liegt das Problem?"
In dem Fall stehen zwei Menschen in einer negativen, also die Individuen schwächenden Weise in Resonanz. Ihre Verhaltensweisen schaukeln sich gegenseitig auf.
Wenn wir aus falschem Verständnis, mit einem zu einfachen Erklärungsmodell nach dem Grund, bzw. der Ursache für ein Verhalten suchen, verstärken wir das Problem. Es lassen sich immer Begründungen für negatives Verhalten finden. Die Begründung selbst erschafft sozusagen die Ursache. Ursache-Wirkungs-Begründungen schaffen so täglich ungezählte Probleme.

GÄNSEHAUT: "Welche Alternative sehen Sie dazu?"
In diesem Fall hilft es, die Resonanz zu unterbrechen, genauer gesagt sie kontinuierlich zu reduzieren. Die Schritte sind erstaunlich einfach:

  1. Akzeptieren Sie, dass Sie selbst Einfluss haben. Übernehmen Sie Verantwortung und Führung und unterbrechen Sie den Verstärkungskreislauf.
  2. Es reicht aus, wenn Sie etwas anders machen und beobachten was sich nun verändert. Gehen Sie in kleinen Schritten vor.
  3. Nehmen Sie die Veränderung auf, gerade auch die kleinen positiven Veränderungen, und optimieren sie ggf. weiter.
GÄNSEHAUT: "Einfach in kleinen Schritten?"
Wenn Sie schon mal eine Brücke durch rhythmisches Springen zum Schwingen gebracht haben, dann haben Sie erfahren, dass regelmäßige kleine Impulse große Wirkung haben können. Resonanz gilt nicht nur für Brücken. "Einfach in kleinen Schritten" ist sozusagen das dem Resonanz-Phänomen inne liegende Change-Potential.


GÄNSEHAUT: "Wie können wir Resonanz noch nutzen?"
Das Resonanz-Phänomen eignet sich nicht nur für Veränderungsprozesse, sondern - und jetzt wird's interessant - besonders für Orientierungsprozesse. Lassen Sie es mich an einer Erfahrung erklären: Wenn Sie Menschen befragen, wie ihr Gefühl zu Beginn einer schwierigen Situation war, werden Sie in etwa folgende Antworten bekommen: "Ich habe schon zu Beginn gespürt, dass da was nicht stimmt." Oder: "Ich wusste, es wird klappen. Und so war es."
Das heißt im Grunde, jeder Mensch besitzt ein Gespür dafür, was klappt und was nicht, was ihm gut tut und was nicht. Viele nennen das Intuition. Ich möchte behaupten, auch hier handelt es sich um ein Resonanz-Phänomen. Wir nennen dies positive, weil stärkende Resonanzen und negative, weil schwächende Resonanzen. Wir können diese Resonanzen zu unserer Orientierung und für unsere Entscheidungen nutzen. Wir können lernen, dieses orientierende Potenzial von Resonanz intensiver zu nutzen und mit unseren kognitiven Fähigkeiten zu verbinden.
Darüber hinaus gibt es eine Reihe psychophysiologische Reaktionen, die sich nutzen lassen um positive bzw. negative Resonanzen schnell zu erkennen. Dies bedarf allerdings etwas Training.

GÄNSEHAUT: "Wie soll ich meiner Intuition mehr Resonanz geben?"
Es ist hilfreich, wenn Sie sich selbst als einen komplexen Resonanzkörper verstehen. Wie ein Instrument, dessen Saiten angeschlagen werden, wirken unterschiedliche Situationen auf Sie ein. Manche Saiten bilden Resonanz, schwingen, manche klingen aus oder andere verstummen schnell.
Nun die Schritte:

  1. Vertrauen Sie sich selbst. Akzeptieren Sie, dass Sie selbst Einfluss auf Ihr Gespür haben. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Fähigkeiten.
  2. Es reicht aus, wenn Sie beachten, was Sie verspüren oder wie es klingt, wenn Sie sich an eine Situation erinnern.
  3. Erinnern Sie sich abwechselnd an eine angenehme bzw. unangenehme Situation. Achten Sie darauf, wie sich Ihr Empfinden verändert.
  4. Freuen Sie sich, auch kleine Veränderungen wahrzunehmen.
  5. Mit etwas Übung werden Sie feststellen, wie Sie Ihr Gespür immer schneller und klarer nutzen können.

GÄNSEHAUT: "Abschließend gefragt: was hat Resonanz mit unserer Wirklichkeit zu tun?"
Ich möchte drei Argumentationen nennen:
Erstens, das was wir für Wirklichkeit halten ist nicht wirklich, es entsteht in einem Resonanz-Phänomen, wenn unsere Wirklichkeitskonstruktion und die angenommene äußere Wirklichkeit miteinander schwingen. Erst die Resonanz lässt uns Wirklichkeit wahrnehmen.
Zweitens, innerhalb der konstruierten Wirklichkeit benötigen wir ständig Orientierung und wir sind gefordert, ständig zu entscheiden. Dabei können wir wieder ein Resonanz-Phänomen nutzen. Gehen wir dorthin, wo wir schwingen, statt gedämpft werden.
Drittens, wenn wir Veränderung als ein Resonanz-Phänomen ansehen, gelingt es uns leichter, mit kleinen Schritten große Wirkung zu erzielen.
Drei gute Gründe um dem Phänomen der Resonanz als Erklärungsmodell mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

GÄNSEHAUT: "Vielen Dank für das Gespräch."

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WILFRIED REITER IST SEIT ÜBER 20 JAHREN UNTERNEHMENSBERATER. ER HAT EINIGE BESTSELLER ZUM THEMA MANAGEMENT UND SELBSTMANAGEMENT GESCHRIEBEN. ZUSAMMEN MIT SEINER PARTNERIN CLAUDIA FREUND LEITET ER DIE LEADERSHIP ENTWICKLUNG FREUND & REITER GMBH. IN WIEN. DAS ANGEBOTENE CORE-LEADERSHIP-PROGRAMM VERMITTELT MODERNE BERATUNGSANSÄTZE MITHILFE EINES RESONANZ-SYSTEMS.

DER BERATER WILFRIED REITER IM INTERVIEW
BILDTEXT: RESONANZMODELLE ALS LEBENSHILFE

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Vorwort von Andreas Gfrerer


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Ein körperliches Resonanzphänomen
Werte Leserin, werter Leser! Liebe Kenner und Könner!
Liebe Gäste!


Seit über 650 Jahren ist die Blaue Gans Zeitzeugin der städtischen Entwicklung Salzburgs. Manchmal versuche ich mir vorzustellen, welch umwälzende Veränderungen das Haus schon erlebt haben mag und nun als Erinnerung in seinen dicken Steinmauern trägt. Vielleicht ist genau dieses Speichern der Geschichte jene unbeschreibliche und doch spürbar vorhandene Schwingung, welche die Atmosphäre in dem alten Haus bestimmt.



















Ein Grundschema meines Art-hotel-Konzepts ist es, die Schwingung der Vergangenheit mit modernen, zeitgenössischen Impulsen in Resonanz treten zu lassen. Ausgehend von diesem Gedanken bin ich verschiedenen Resonanzphänomenen in unserem Leben nachgegangen. Für mich wird Resonanz zum Glücksfall, wenn Literatur durch ein Wort oder ein Wortgefüge in mir etwas zum Schwingen bringt, ganz so, als würde eine innere Saite angeschlagen. Ich erlebe sie in der Musik, die eo ipso Resonanz ist, und die sich darüberhinaus auf einer psychischen Ebene im Konzertpublikum überträgt. Ich verstehe die heftigen Reaktionen und das "Medienecho" auf Kunst im öffentlichen Raum in Salzburg als Resonanz einer in der Bevölkerung vorhandenen Grundfrequenz mit einer von manchen Medien verwendeten Angst-, Neid- und Ausgrenzungsfrequenz.

In vielen weiteren Facetten unseres Lebens tritt Resonanz als Grundprinzip zu Tage. Aus Gesprächen mit unseren Gästen weiß ich, wie sehr die Kunst unseres Hauses inspirierend im Wortsinn sein kann, oder auf heftige Ablehnung stößt - entscheidend dabei ist das "Schwingen" im Betrachter, sind jene inneren Vorgänge und Prozesse, die mit dem Gesehenen resonieren. Unsere Wiener Architekten, beide gebürtige Salzburger, haben in ihrem Konzept für die Blaue Gans auf die Baukultur der Stadt reagiert und ihre Sichtweise der Heimat in ihre Überlegungen einfließen lassen, ähnlich wie die jungen Designer, für deren Werkschau "freiheiten" unser Haus Projektions- und Ausstellungsfläche war.

Welche Resonanz erzeugt das Lebensgefühl dieser Stadt in Dir? Was in und an Salzburg erzeugt bei Dir Gänsehaut? Diese Fragen haben wir Menschen gestellt, die hier leben und arbeiten, allesamt Gäste und Freunde unseres Hauses. Antworten und Reaktionen auf diese Fragen sowie verschiedene Resonanzphänomene haben wir in diesem Magazin festgehalten und stellen sie Ihnen für eigene Resonanz zur Verfügung. Mögen beim Lesen viele neue Gedanken zu schwingen beginnen!

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Andreas Gfrerer
Blaue Gans
Eigentümer

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*fast täglich eine neue story in unserem web-magazin gänsehaut.

APA interview mit andreas gfrerer

Das Gespräch führte Martina Sperling/APA - quelle: apa

arthotel-blaue-gans_gaensehaut_andreas_gfrerer"Als ich vor einigen Jahren die ' Blaue Gans ' in ein Arthotel umgewandelt habe, wurde das von vielen als mutig empfunden", so Gfrerer. "Ich fand das nicht, weil mir ein gewöhnlicher Hotelbetrieb zu langweilig war und ich für mich intellektuell noch etwas hereinholen wollte". Die Liebe zu Kunst und Kultur ist ihm schon in die Wiege gelegt worden. Die "Blaue Gans" liegt den Festspielhäusern gegenüber und "mein Bruder und ich sind bereits als Kinder in Karajan-Generalproben gesessen: Das prägt schon. Kultur zu konsumieren wird zur Selbstverständlichkeit".

Freiraum

Selbst fühlt sich Gfrerer, der nach dem Tourismuskolleg seine wirtschaftliche Ausbildung in Wien und den USA fortsetzte und in Italien seinem großen Kunst-Interesse nachging, nicht zum Künstler berufen.

hier können sie das ganze interview mit andreas gfrerer lesen

einfach urban abtauchen mit dj samir. sa 13 06 ab 18 30

einfach urban abtauchen!
mit dj samir, vienna

art.night in der blauen gans
gastgarten (bei schlechtwetter in der bar)
samstag, 13. juni 2009, ab 18 30

Stil: Soul, Rare Groove, Jazz, Brasil, R &B, Funk, Hip Hop, Garage House, Afro, Brasil, Reggae, Lounge Music, Afro Cuban and Oriental Sounds
Andere Tätigkeiten: Musikkritiker bei der Tageszeitung „DIE PRESSE“ seit 1996 und für das Magazin “NOW!” seit 2008 | Beiträge für Radio FM4 (1995)
gänsehaut im arthotel