APA interview mit andreas gfrerer
Als ich vor einigen Jahren die ' Blaue Gans ' in ein Arthotel umgewandelt habe, wurde das von vielen als mutig empfunden", so Gfrerer. "Ich fand das nicht, weil mir ein gewöhnlicher Hotelbetrieb zu langweilig war und ich für mich intellektuell noch etwas hereinholen wollte". Die Liebe zu Kunst und Kultur ist ihm schon in die Wiege gelegt worden. Die "Blaue Gans" liegt den Festspielhäusern gegenüber und "mein Bruder und ich sind bereits als Kinder in Karajan-Generalproben gesessen: Das prägt schon. Kultur zu konsumieren wird zur Selbstverständlichkeit".
Freiraum
Selbst fühlt sich Gfrerer, der nach dem Tourismuskolleg seine wirtschaftliche Ausbildung in Wien und den USA fortsetzte und in Italien seinem großen Kunst-Interesse nachging, nicht zum Künstler berufen. Aber vielleicht sei "gerade diese Distanz das Verbindende". Das seit fünf Generationen im Familienbesitz der Gfrerers befindliche Hotel war zuletzt verpachtet. Als er es 1997 übernahm, ging es zunächst darum, "den Salzburgern wieder das mit 660 Jahren älteste Gasthaus der Stadt zurückzugeben. Nach einigen Jahren bin ich dann aber draufgekommen, dass das ständige Beschwören der Vergangenheit für einen jungen Menschen ziemlich anstrengend ist". Das Konzept eines Kunsthotels habe sich dann "langsam und sehr genuin" entwickelt. Eine Entkernung des Hotel-immanenten Innenhofs kam da gerade recht: "Wir haben den Renaissance-Innenhof architektonisch entrümpelt und eine moderne Glaskonstruktion eingebaut. Das war der Startschuss des Freiraum-Gedankens, der uns bis jetzt begleitet", erläutert er. Zunächst wurden in dem Innenhof Skulpturen aufgestellt, "aber mit der Zeit haben die Künstler gefragt 'warum nur Skulpturen und warum nur hier, machen wir doch im ganzen Haus etwas'". Auch der zeitgleiche Bau des Museums der Moderne sei befruchtend gewesen.
Nunmehr beherbergt die "Blaue Gans" 90 originale Kunstwerke zeitgenössischer österreichischer Künstler, wobei die Positionen immer wieder wechseln. Dabei erweist sich auch die Zusammenarbeit mit dem Grazer Galeristen Patrick Ebensperger als wertvoll. "Ebensperger pflegt aus meiner Sicht einen verantwortungsvollen Umgang mit Künstlern", befindet Gfrerer, "er schaut nicht nur auf die bekannten Namen, sondern lässt junge Künstler sich entwickeln." Im Arthotel sind die Exponate laut Hausherrn gemischt - neben großen Namen wie Xenia Hausner oder Franz Graf gebe es auch Werke von frisch graduierten Künstlern. "Bruno Hoffmann oder Pirmin Blum - das sind Jungstars in der Szene, die dann so richtig Gas geben. Da dabei zu sein, ist schön."
Gfrerer beschränkt sich jedoch keineswegs darauf, seine Wände Künstlern zur Verfügung zu stellen (das ist durchaus wörtlich gemeint: Franz Graf fühlte sich von einem Kunstwerk so inspiriert, dass er seine persönliche Interpretation dazu direkt daneben an die Wand malte, wo sie nach wie vor prangt). Das Haus ist seit sechs Jahren während der "Langen Nacht der Museen" für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Fixpunkt ist außerdem das Happening anlässlich der Festspiel-Eröffnung: "Da wollen wir immer etwas Schräges machen", schmunzelt er, dieses Jahr stehe eine Performance mit Modenschau auf dem Programm.
Gänsehaut
Sein jüngstes "Baby" ist das "Gänsehaut-Magazin", dessen erste Print-Ausgabe im März erschienen ist. "In dem Magazin geht es um Resonanz, denn Gänsehaut ist ein körperliches Resonanz-Phänomen", legt Gfrerer das Konzept dar. "Dieses Haus hat in den 660 Jahren seines Bestehens schon so viel erlebt, das auf irgendeine Weise in den Mauern gespeichert ist. Und wenn wir hier moderne Impulse anbringen, tritt das mit der Vergangenheit in Resonanz. Darüber sprechen wir mit Künstlern und Persönlichkeiten. Aber auch über die Stadt an sich, denn es geht auch um Identitäten."
Ein weiteres von Gfrerer initiiertes Projekt ist das erstmalig im März über die Bühne gegangene "Eat&Meet". Dabei veranstalteten parallel zu dem Festival für neue Musik "Salzburg Biennale" die Altstadtlokale Kultur-Abende. Drei "Gänsehaut-Salons" in der Blauen Gans, bei denen auch Gäste eigene Texte mitbringen und vortragen konnten, machten Lust auf mehr: im Herbst soll eine Fortsetzung folgen. "Dieses Zusammenrücken und zum Denken angeregt werden, ist gerade in Zeiten wie diesen bei den Menschen wieder sehr gefragt", erklärt sich Gfrerer den Erfolg der Veranstaltung. "Man spricht ja auch bereits vom neuen Biedermeier, selbst wenn es nicht so bieder daherkommt." Seiner Meinung nach hätte er noch vor einem Jahr mit einer derartigen Veranstaltung nicht so viel Erfolg gehabt.
Weltkulturerbsenzähler
Als "sehr problematisch" empfindet Gfrerer die in Salzburg weitverbreitete Einstellung, sich "auf der Mozartkugel ausruhen zu können". "Ich habe aber die Hoffnung, dass sich die Stadt noch mehr in Richtung einer modernen Kulturstadt entwickeln wird, wenn die Leute die eingebaute Eigenrentabilität der modernen Kunst entdecken". Damit könne man in Salzburg viel erklären. Finanzieller Gewinn dürfe jedoch nicht das einzige Argument sein, denn durch Kunst könne bei aller Verschiedenheit der Geschmäcker ja auch "Freude entstehen".
Statt für Freude für Aufreger sorgte jedoch das im Mozartjahr 2006 veranstaltete Contemporary Art-Festival "Kontracom" mit moderner Kunst an öffentlichen Plätzen. "Da kamen wirklich von Zeitungen Meldungen, dass Kontracom den Weltkulturerbe-Status gefährdet. Das war schon ein traumatisches Erlebnis, wieviel Aggressivität dabei mobilisiert wurde", erinnert er sich. Das sei "wie die Angst der Leute vor der Vertreibung aus dem Schrebergarten Eden". Er "bearbeitete" das Geschehen, indem er T-Shirts mit der Aufschrift "Weltkulturerbsenzähler" drucken ließ.
Ähnliche Reaktionen hätten bereits 2003 bei dem Kunstwerk "Arc de Triomphe" der Gruppe "Gelatin" stattgefunden. "Ich finde diese Parallele schön, die dieser 'Penismann' ausgedrückt hat. Dieses Selbstreproduzierende in der Kunst kann man auch auf die Mediendiskussion über derartige Dinge umlegen. Das ist immer die gleiche Systematik von Provokation und Provoziertsein-Wollen", findet Gfrerer. Ein weiteres "Highlight" dieser Debatte sei schließlich die Diskussion um den Anselm Kiefer-Pavillon gewesen. "Damals gab es wirklich eine Pattstellung, was mit dem Pavillon geschehen soll und die Politik benötigte noch positive Stimmen, um das Kunstwerk überhaupt zu erhalten. Das war dann wirklich schön, wie viele aus dem Kulturbetrieb spontan ihre Solidarität kundtaten und auch Geld für die Verlegung des Pavillons zur Verfügung stellten".
City-Lab
Als eine Art "Vordenker" die urbane Entwicklung der Stadt betreffend, fungiert auch der "Altstadt-Verband", in dessen Vorstand Gfrerer ist. "Zuletzt haben wir hier die Bildung eines Kreativwirtschafts-Clusters thematisiert. Die Veranstaltungsreihe "City-Lab" soll dabei in Form von Salons die Diskussion zu diesem Thema anregen", erläutert er. Als Vorbild soll hier die Wiener Förderagentur "departure" dienen: "So stellen wir uns das für Salzburg auch vor, nur haben wir noch kein Budget dafür. Der Bürgermeister ist durchaus gesprächsbereit, aber bis Mittel wirklich zugewiesen werden, dauert das halt immer". Betrachtet man allerdings das Tempo, mit dem Gfrerer bisher alle seine Projekte verwirklicht hat, werden wohl auch diese nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.
Das Gespräch führte Martina Sperling/APA
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RESONANZ IM HAUS | JULIUS DEUTSCHBAUER
Vierzig weniger eine Nacht - Zehn und ein Plakat
Wäre ich in den 40 Zimmern der Blauen Gans nicht so gut aufgehoben, hätte ich mich längst schon in einer der unzählbaren Kirchen Salzburgs selbst aufgebahrt: von alpha bis omega: vom Dom bis zur Kollegienkirche: dazu Buß- und Sühnechampagner. Kaum, dass ich Salzburg betrete oder in Salzburg einfahre oder es anfliege gar, wie auch immer, befinde ich mich in einem bestattungsfähigen Zustand. Mit letzter Kraft schleppe ich mich in die Blaue Gans, werde dort von Anderl Gfrerer so Gott will - und Er wollte immer - aufgenommen, gelabt und in eines der 40 Zimmer geschickt: jedes Mal auf ein anderes. Und dort empfangen mich Freuden ungeahnten Ausmaßes, unverdiente Güte über unverdiente Güte. Statt also tot und angefault, verhandelbar als eine Leiche (nachgerade der Idealzustand für den idealen Salzburgbesucher): gerettet! Geschützt, gesichert, unbedroht!

So wie es diese Stadt versteht mit Leichen umzugehen, selbst eine Leiche Verkehr mit einer ganz ungewöhnlichen Anzahl von Leichen pflegt, so versteht es Anderl Gfrerer, seine Gäste - mich! - zu verwöhnen. Hat Dich erst einmal die Gans gestohlen, gibt sie Dich nie mehr her! "Und der Wolf weilt hier tatsächlich eine Zeitlang bei dem männlichen Lamm, und der Leopard lagert bei dem Böckchen, und das Kalb und der mähnige junge Löwe und das wohlgenährte Tier, alle beieinander. Und der Jul und die Blaue Gans, zusammen lagern sie auf Zimmer sechs mal sechs.", weissagte bereits alttestamentarisch der Prophet Jesaja. Mittlerweile 111 Plakate: 10 und 1 Plakat mit Salzburgbezug. Das erste 2001: Die Bibliothek ungelesener Bücher residierte in der Residenzgalerie und ich das erste Mal in der Blauen Gans. In dieser Nacht veranstaltete ich einen Interviewmarathon zu ungelesenen Büchern unter dem Titel "In bed with Deutschbauer".
Kurze Zeit später eröffneten Gerhard Spring und ich als Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Kulturstaatssekretär Franz Morak die Salzburger Festspiele im Salzburger Kunstverein. Diese Nacht verbrachte ich standesgemäß in der Suite festspielhaus, mit allem legalen und semilegalen Service, das ein Hotel nur bieten kann: Gewölbegang mit antikem Marmor, Vorzimmer mit Garderobe, Extrazimmer für einen dritten Mann, Schlafzimmer und Wohnzimmer getrennt, Badezimmer mit separatem WC. Toller Blick auf Pferdeschwemme und Festspielhaus. Direktwahltelefon. Noch im selben Jahr gingen wir in der Galerie Thaddaeus Ropac 7 Wochen in Klausur. Nicht die ganzen 7 Wochen brachte ich in der Blauen Gans zu, jedoch die 3. bis 9. Nacht all meiner Blauen Gans Nächte: Suite Maisonette. Diese Suite ist mir ein System aus Scharnieren geworden, die gleichsam Durchgangspunkte bilden, durch welche die Verbindung von oft delikaten Empfindungen hergestellt wird. Kaum betrete ich dieses Zimmer, befinde ich mich in einem feinsinnig ausgeklügelten System von Vorrichtungen, die einzig dazu angetan sind, diese Empfindungen passend in Verbindung zu setzen.
Zum Plakat Antifaschismus-Mahnmal auf dem Bahnhofsvorplatz (2002) logierte ich gleich 2 Nächte im Antifaschismuszimmer.
Mit unserem 5. Plakat mit Salzburgbezug gratulierten wir uns zum insgesamt 50. Plakat sowie der Galerie 5020 zu ihrem 10. Geburtstag. Damals beherbergte mich Anderl Gfrerer im legendären Echo- oder Resonanzzimmer. Ich war noch nie mit einer so lauten Frau zusammen, das lag aber am Zimmer und nicht an der Frau. Sonum repercussu multiplicare. Das Entzücken blitzte und funkelte und schwätzte und tönte und echote da von drinnen nach draußen und von der Stadt an der Salzach ins Land hinein in Wälder und Felder. Doch auf einmal ein Gelächter: Echos in den Hotelgängen und - hallen, Echos überall. Danach dauerte es fast zwei Jahre bis ich wieder in der Blauen Gans übernachtete.
Das war 2004. Die Galerie Thaddaeus Ropac feierte ihr 20 Jahre-Jubiläum und ich mit einem neuen Plakat 5 Nächte in der Blauen Gans. Doppelzimmer Artelier. Ich denke das Zimmer verwüstet und seinen Raum erhalten. Ich weiß nicht, wie oft Anderl Gfrerer dieses Zimmer schon renovieren lassen musste.
2005 eröffneten wir wieder, denn eröffnet muss sein. Künstler Julius Deutschbauer und Künstler Gerhard Spring eröffnen die neue bauMax-Filiale in der Salzburger Altstadt (bauMax-x, Salzburg, Kunstverein Salzburg). 7. Plakat in Salzburg: 19. Nacht in der Blauen Gans. Dies bedeutete wohl die unheimlichsten Erlebnisse, die ich mit Salzburg verbinde. Jede Nacht, wenn die verhängnisvolle Glocke - und deren gibt es in Salzburg wahrlich genug - ertönte, verschwanden meine Begleiterinnen und ich fiel sofort in Ohnmacht. Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie lange diese anhielt. Ich weiß nur, dass ich einmal an der Stelle über dem Toskanini Hof, von der sich die meisten Selbstmörder Salzburgs in die Tiefe stürzen, ein andermal am Mönchsberg erwachte.
2006: Der Höhepunkt: Mozartjahr: Jedermanns Mozart in der Blauen Gans. Dies brachte mir gleich 4 Nächte und 4 Zimmer in der Blauen Gans ein. Anderl Gfrerer hatte uns eingeladen, in einem 12-Stundenmarathon das Mozartjahr des Salzburger Festspielssommers am Vorplatz der Blauen Gans zu eröffnen. Das ganze Hotel stand bereit wie ein Orchestrion. Jemand brauchte nur eine Münze einzuwerfen, und schon begannen wir zu spielen, Bilder zu werfen usw. Wie eine Kapelle war das ganze Hotel, alle auf dem Sprung und konzentriert. Erst nach 12 Stunden durften sich alle hinsetzen und sich aufstützen oder sich in die Zimmer verziehen. Noch zeugt ein großes Gemälde von dieser Aktion. Ich logierte damals im sogenannten GPS-Zimmer. Das Bett in diesem Zimmer ist damit (deutsch: Globales Positionsbestimmungssystem) ausgestattet. Da ich in dieses System nicht eingeführt bin, habe ich einmal erst am Morgen bemerkt, dass ich nicht allein im Bett lag. Die nächste Nacht passierte mir das nicht mehr. Anderl Gfrerer persönlich schulte mich ein auf das satellitengestützte Navigationssystem auf Zimmer 9, das eigens zur bettweiten Positionsbestimmung entwickelt wurde. Gold-Codegeneratoren von Gans statt Goldbergvariationen von Bach. Damit ein GPS-Empfänger immer zu mindestens vier Satelliten Kontakt hat, werden insgesamt mindestens 24 Satelliten eingesetzt, die die Blaue Gans jeden Sternentag zweimal in einer Höhe von 20.183 km passieren.
Zum 9. (insgesamt 101.) Plakat war ich endlich wieder allein, ich leistete mir eine Plakatabrechnung in der Galerie Thaddaeus Ropac, und die Galerie Ropac leistete es sich, eine Bronze des Bibliothekars der Bibliothek ungelesener Bücher mit Tick zu produzieren. Wir, Bronze und ich, bezogen ein Einzelzimmer. Gegen morgen wurde es der Bronze zu eng mit mir im Bett und sie ging. Ich blieb noch eine Nacht. Die Arbeiten an dem Film Sound of Migration für die Szene Salzburg bedeuteten 10 Nächte und 11 Zimmer in der Blauen Gans. Anlässlich der guerilla convention (ARGEkultur Salzburg) schlief ich artgerecht unterm Bett, jedoch nicht allein.
Einmal war ich heimlich in Salzburg: Zimmer 38. Zur blauen Stunde war ich auch schon wieder ausgecheckt. Das nachmittägliche Gastspiel ist, nach Auskunft des Hoteliers, zwar ein Klassiker unter den Hotelbuchungen, wird aber leider nur mehr selten angenommen. Dürfte etwas aus der Mode gekommen sein, ähnlich wie die Nassrasur beim Frisör (nur einer der Zimmerservices, den die Blaue Gans bietet).
Bei meinem Gang durch Salzburgs Institutionen habe ich mich durch die ganze Blaue Ganz geschlafen. Es handelt sich um einen Torso, der mitten in der 39. Nacht abbricht. Einmal muss ich noch kommen, dann bin ich durch, dann beginnt der Reigen wieder von vorne.

DEUTSCHBAUER/SPRING waren von Anfang an fixer Teil des Kunstkonzepts für unser Haus. Im Mozartjahr 2006 eröffneten sie ihr "Referat Mozart 2056" in der Blauen Gans, und riefen mittels Plakataktion stadtweit zur Teilnahme auf. Das Plakat für "Jedermanns Mozart in der Blauen Gans" ist nunmehr als Ölbild bleibend im Haus vorhanden. Für GÄNSEHAUT hat sich Julius Deutschbauer an seine Aktionen mit Salzburg-Bezug "erinnert".
Resonanz im Haus | Architektur
Dem Umbau der Bar (2005), der öffentlichen Bereiche inklusive Rezeption (2007) und der Neugestaltung der Zimmer auf der Getreidegassenseite (2008) ging eine detaillierte Analyse des gesamten Hauses voraus. Zunächst standen nicht konkrete Umbaupläne im Vordergrund, sondern Fragen zum Stellenwert architektonischer Stilmittel, zu innerbetrieblichen Abläufen, zum Erscheinungsbild, zum Material, zur Wirkung auf die Gäste und zur Beziehung zu Ihnen sowie die Frage nach dem Ort per se.
In unserer Planung für die neuen Zimmer war uns wichtig, die gewachsene Struktur des Hauses zu unterstreichen. Übergeordnetes Ziel war es, mit jedem Eingriff den baulichen Altbestand wieder mehr zur Geltung zu bringen. So eine Bauaufgabe erfordert viel Sensibilität, sowie die Absicht und den Mut, Neues zu wagen. Uns schwebte von Anfang an ein behutsames Miteinander von Alt und Neu vor, das nicht geprägt sein sollte von starken Kontrasten und dramatischen Konfrontationen. Vielmehr wollten wir den Gästen die Kraft von gewachsenen und damit heterogenen Strukturen mit einer Prise Humor vermitteln. In diesem Spannungsfeld räumt das Haus der Kunst Freiräume zu Konfrontation und Auseinandersetzung ein.Diese Parameter verbanden sich mit meinen eigenen Bildern, die im Laufe der Auseinandersetzung entstanden, Bilder, die mein Wissen über Architektur ebenso beinhalten wie meine Erfahrungen aus der Vergangenheit. Selbst aufgewachsen in der Salzburger Steingasse verkörpern für mich die kleinen Räume, die niedrigen Decken, der unregelmäßige Putz, die Gewölbestrukturen ein Gefühl von Schutz und Geborgenheit - Assoziationen, die im starken Gegensatz zu den offenen Raumstrukturen moderner Hotelarchitektur stehen.
Wie aus einem Guß wurde die gesamte bauliche Struktur in strahlendem Weiß gestrichen und die heterogene Bausubstanz durch leichte bauliche Eingriffe bestmöglich räumlich verbunden, wodurch sich trotz des begrenzeten Raumangebots des 650 Jahre alten Hauses in jedem Zimmer neue räumliche Dimensionen eröffnen. Das Wort Mobiliar nahmen wir wörtlich, weshalb wir die Möbel als Solitäre entwarfen, was dem jeweiligen Möbelstück erhöhte Bedeutung im alltäglichen Gebrauch gibt. Die einfachen, "klassischen" Möbelformen wie Bett und Schreibtisch sprechen trotz der Verwendung von astigem Eichenholz und gewalkten Wollstoffen die Sprache modernen Designs. Wie auch die astigen Eichenholzdielenböden verweisen diese Materialien auf den alpinen Raum. Farbgebung und Lichtführung vermitteln ein Gefühl von Frische und Leichtigkeit in der Altbausubstanz. Die Stehleuchte, ein Entwurf von Polkadesign, wurde mit Stoffen aus dem Salzburger Heimatwerk bezogen, wodurch sich aus der Addition der Schirme ein Alltagsprodukt zum Blickfang und leuchtenden Mittelpunkt im Zimmer entwickelt, während die restliche Zimmerbeleuchtung indirekt ist und an den unregelmäßigen Putzwänden entlang streicht. Vorraum und Badezimmer sind modern und funktional gehalten. Der Schrank im Eingangsbereich dient als Kofferbock, Garderobe, Ablage, Safeschrank und Spiegel zugleich. Der Schrank ohne Türen spiegelt die tatsächliche Verweildauer der Gäste wider und zeigt den legeren und zeitgemäßen Umgang mit dem Mobiliar. Das Bad wurde als Modul entwickelt und vorgefertigt, jedoch nach Zimmergröße und Gegebenheit individuell angepasst. Satiniertes Glas dient als Raumteiler zwischen Bad und Gästezimmer.
Tradition und Moderne sind die beiden Basispunkte des Spannungsbogens, den wir für unser Konzept definiert haben. Der Raum selbst hat in seiner Dimension und Form eine Aussage, die durch Gestaltungselemente und funktionell notwendige Einrichtungen entweder geschwächt oder gestärkt wird. Es gibt keine neutrale Gestaltung. Je weiter sich dieser Spannungsbogen öffnet, desto mehr wird Raum für Inspiration frei. Ein Freiraum, den wir dem Gast durch unsere architektonische Haltung mitgeben möchten.
Christian Prasser/Architekt
www.cp-architektur.com
Dancing Skirts

Zur Eröffnung der Salzburger Festspiele veranstaltet die Grazer Designerin Gudrun Wallenböck am Samstagabend, 25 07 09, bei der Pferdeschwemme eine Performance. Tänzer werden ihre ungewöhnlichen Röcke mit Fotomotiven präsentieren, dazu gibt es Musik und jede Menge Spektakel mit Kampfkunsteinlagen, Blumenkindern und erlebbaren Alltagsbewegungen. Die Künstlerin war mit ihrem Label "Hinterland" bereits auf der Fashion Week in Berlin und der Grazer Kunstgalerie Ebensperger vertreten.
Begonnen hatte alles vor zwei Jahren, als die Grazer Architektin und Kulturmanagerin Gudrun Wallenböck einen ausgefallen Rock für sich selbst haben wollte. Ein Motiv aus dem Ausseerland zierte diesen Prototyp und fand so großen Anklang, dass sie sich kurzerhand entschloss, eine Kollektion zu entwerfen. Um sicherzustellen, dass die Unikate jeder Frau wie auf den Körper geschneidert passen, wurde ein eigenes System entwickelt, bei dem die Röcke aus zwei Schürzen gebunden werden. So gibt es keine Passschwierigkeiten bei den in drei Längen erhältlichen Kleidungsstücken.
Die Vorderseite ziert stets ein für "Hinterland" mittlerweile typisches Heimatmotiv, die Rückseite besteht aus verschiedenen Baumwoll- oder Leinenstoffen, wobei sich die Farben und Muster an der Vorderseite orientieren. Die am Computer bearbeiteten Fotos werden mittels eines speziellen Textildruckverfahrens auf die Stoffe gedruckt. Das fertige Stück wird noch bearbeitet und kann dann problemlos selbst gewaschen werden.
Auf Einladung des Art Hotel Blaue Gans präsentiert "Hinterland" nun bei einer Tanz- und Musikperformance an der Pferdeschwemme seine neueste Edition von Röcken und Accessoires. Die Choreografie stammt dabei von Doris Valtiner.
"Dancing Skirts". Performance von Gudrun Wallenböck am 25. Juli 2009, 20.00 Uhr bei der Pferdeschwemme, / arthotel Blaue Gans, Salzburg.
Resonanz im Haus | junges Design
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freiheiten by holzmeister
Unser Claim "Freiheit für Individualität" hat bei den Studenten der FH Salzburg Studiengang Design und Produktmanagement offenbar Anklang gefunden. Sie haben sich die Blaue Gans als Ausstellungsort für ihre Werkschau "freiheiten" augesucht. Bernhard Rothbucher, Fachbereichsleiter für Industrial Design an der FH Salzburg hat die jungen Designer begleitet:Rhythmus und Geschichte des Ortes senden Impulse an Teams von lokalen Handwerkern und internationalen Studenten. In der Auseinandersetzung mit der Gegend und den bestehenden Artefakten wird die Einzigartigkeit des Ortes Salzburg bewusst, im Austausch mit anderen globalen Kulturen wird klar, dass diese Einzigartigkeit nicht einzigartig ist. Gerade deshalb aber ist jeder dieser lokalen Sender wertvoll und gehörte aufgedeckt. Die Interaktion zwischen Handwerk und Industriedesign birgt Raum für fachliche und menschliche Dissonanzen, die Kunst liegt in der Überwindung und im Übertreffen der jeweiligen Fähigkeiten zu einem neuen Ganzen. Die Ganzheit muss vom Publikum gesehen werden, um den Kaufimpuls auszulösen, den Gestalter und Handwerker brauchen, um die nächsten Projekte anzugehen. Alle Objekte schwingen in einer Grundstimmung, die von der Studentengruppe erdacht wurde und von den Holzmeistern begreifbar gemacht wurde. Diese kann wie folgt umschrieben werden:
Natürlichkeit
Verwendung regionaler Materialien und Nutzen regional/lokal vorhandener Ressourcen (Materialien, Partner...).

Kulturgut Salzburg
Salzburger Traditionen, Produkte, Geschichten und Mythen bieten DIE Inspirationsquellen für Idee und Fertigung.

Raffinesse
Einzigartige Produkte mit dem gewissen Etwas und einem Mehr an Charme und Persönlichkeit.

Ehrlichkeit
Produkte, die zeigen was sie sind und wofür sie stehen. Verarbeitung und Materialeinsatz werden offen gezeigt.

Bewusstsein
Die Auseinandersetzung mit der Materie ist Grundlage für smarte/zielgerichtete Lösungen.

Gemeinsamkeit
Erfahrene Handwerker treffen auf Nachwuchsdesigner: Zusammen lässt man Ideen Realität werden.

Der Erfolg der Kollektion hat bereits weitere Projekte angestossen. Das Projekt wurde wissenschaftlich begleitet, die Erkenntnisse fliessen in eine verfeinerte Systematik der Zusammenarbeit von Handwerk und Gestaltern zusammen. Die Design-Walz wird junge Gestalter zu Handwerkern im ganzen Land führen. Gemeinsames Arbeiten wird Anstösse geben. Freiheiten ist zum Resonator für Salzburg geworden.
www.freiheiten.at
Freiheiten ist eine Kooperation zwischen der Handwerkerkooperative Die Holzmeister und der Fachhochschule Salzburg, Studiengang Design und Produktmanagement/ DE I RE I SA Design Research Salzburg.
RESONANZ IM HAUS | ARTIST IN RESIDENCE
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SISSA MICHELI
"SCHWEBENDE VERSUCHE"
KUNSTPROJEKT IN DER MAISONETTE SUITE DES ARTHOTELS BLAUE GANS
WIR HABEN DIE KÜNSTLERIN SISSA MICHELI EINGELADEN, ALS ARTIST IN RESIDENCE EINE WOCHE IN DER BLAUEN GANS ZU VERBRINGEN UND BEI UNS ZU ARBEITEN. IN FOLGENDEM INTERVIEW BESCHREIBT SIE DEN ENTSTEHUNGSPROZESS IHRER ARBEIT FÜR DIE BLAUE GANS.
GÄNSEHAUT: "Sissa, was ist der Ausgangspunkt für Deine Arbeit im arthotel Blauen Gans?"
Ausgangspunkt ist VIRGINIA WOOLFS "A ROOM OF ONE'S OWN", in welchem die Schriftstellerin für einen eigenen Raum für schreibende Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft plädiert. Ich habe mich im letzten Stock in der Maisonette-Suite, die an das Zimmer mit dem Spinnrad in Dornröschen erinnert, einquartiert. Ich habe somit "a room of my own/ ein Zimmer für mich selbst", in welchem ich künstlerisch schaffen kann.

GÄNSEHAUT: "Welche besondere Beziehung hast du als Künstlerin zu Hotels?"
Ich knüpfe hier an eine Tradition von in Hotels lebenden Kunstschaffenden an. Im Hotel Chelsea in New York z.B. haben zahlreiche Künstler und Künstlerinnen längere Zeit wiederholt gewohnt. Hier geht es um die private Komponente, um die private Einrichtung im Gegensatz zu dem in der Literatur und in der Fotografie so oft zitierten Begriff des Hotels als ein "Nicht-Ort" nach Marc Augé.

GÄNSEHAUT: "Nicht-Orte sind Orte ohne Geschichte, Relation und Identität, ohne kommunikative Intimität. Wie schaffst Du einen privaten Ort im Hotel?"
Ich gehe einen Schritt weiter und "besetze" das Hotelzimmer mit Gegenständen des Personals. Ich bitte Köche, Kochgehilfen, Baristen, Kellner, Abspülkräfte, Rezeptionisten, Zimmermädchen, den Portier sowie den Hotelbesitzer, fünf persönliche Gegenstände aus ihrer Wohnung mitzubringen. Mit diesen Gegenständen mache ich eine Installation aus schwebenden Objekten. Von Tag zu Tag wächst das Projekt, bis es am Ende der Woche fotografisch abdokumentiert wird.

GÄNSEHAUT: "Inwieweit haben die Hotelmitarbeiter für Deine Arbeit Bedeutung?"
Ich gebe den im Hotel arbeitenden Personen, die dort kein Zimmer haben, Raum. Ich hole Objekte der im Hotel arbeitenden Personen, die in und um Salzburg wohnen, in ein Zimmer des Hotels. Dabei sind verschiedene soziale Schichten und Kulturen vertreten. Die Arbeit beinhaltet somit eine politisch-soziale Komponente. Gegenstände vom Personal aus verschiedenen sozialen Schichten werden im obersten Zimmer des Hotels gesammelt. Ich gehe dabei wie eine Sammlerin vor, die sich Objekte anderer aneignet, um ihr eigenes Zimmer einzurichten. Die Gegenstände schweben und scheinen schwerelos bzw. im Fallen eingefroren zu sein.

SISSA MICHELI WURDE 1975 IN BRUNECK IN SÜDTIROL GEBOREN. SIE BESUCHTE DIE "SCHULE FÜR KÜNSTLERISCHE PHOTOGRAPHIE" IN WIEN UND IM ANSCHLUSS STUDIERTE SISSA MICHELI AN DER WIENER AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE BEI FRANZ GRAF, GUNTHER DAMISCH UND MATTHIAS HERRMANN. MEISTERSCHULPREIS (2003) UND PREIS DER AKADEMIE (2008). ANKAUF SAMMLUNG DES BUNDESKANZLERAMTES WIEN/RUPERTINUM SALZBURG. SEIT 2008 IST SISSA MICHELI DOZENTIN AN DER INTERNATIONALEN SOMMERAKADEMIE FÜR BILDENDE KUNST UND MEDIENTECHNOLOGIE IN VENEDIG.
MICHELI GEHT EINEN SCHRITT WEITER UND "BESETZT" DAS HOTELZIMMER MIT GEGENSTÄNDEN DES PERSONALS. SIE GIBT DAMIT DEN IM HOTEL ARBEITENDEN PERSONEN, DIE DORT KEIN ZIMMER HABEN, RAUM.
WWW.SISSAMICHELI.NET
LITERATUR = RESONANZ
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BRIGITTA FALKNER
LIESL UJVARY, KOMMENTAR ZU BRIGITTA FALKNER
EINEN REALISMUS der besonderen Art praktiziert Brigitta Falkner. Ob sie traditionelle Verfahren wie Anagramm, Palindrom oder Lipogramm anwendet, stets nötigt sie die Sprache, den Blick freizugeben auf Ansichten der Realiät, für die der normale Realismus blind ist. Ob es sich um "die Duotendenz von Würstchen und Brüstchen" (BUNTE TUBEN) handelt, um den klarsichtigen Sinnspruch "Sei fies, tu erfreut" (TOBREVIERSCHREIVERBOT) oder um "Infinitiv gilt nicht" (PRINZIP I).


In dem neuen Projekt "Populäre Panoramen" geht es u. a. um eine Bahnfahrt und sich anbahnende Beziehungen zwischen Reisenden, ein schon in russischen Romanen beliebtes Thema. Aber diese Realität der Bahnfahrt eröffnet nicht nur ein ständig wechselndes Innen und Aussen, Zufallsfahrgäste und mögliche Gefahrenmomente, sie ist an sich vielschichtig, denn sie besteht aus dem gesamten Hyperkubus menschlichen Wissens, der hier zwanglos zwanghaft eine anatomische Beschreibung der Gesichtsmuskulatur beim Lippennachziehen ebenso einbezieht wie er die Frage nach der Spurweite der Bahn auf die römischen Pferdefuhrwerke zurückführt, die sich in der Normierung des Spaceshuttle-Transportsystems wiederfindet. Von den Elektronen, die massenhaft schwärmen, wenn in Synthetikfasern gekleidete Beine übereinandergeschlagen werden, ganz zu schweigen. Dieses Geschehen spielt natürlich nicht in einem gleichartig strukturierten euklidischen Erzählraum, hier geht es holterdipolter von Domäne zu Domäne, Mikrokosmos und Makrokosmos schieben sich in und übereinander, freudianischer Witz grinst obszön dazwischen. In den "Populären Panoramen" formiert sich ein Stück Literatur, extrem zeitgemäss, sprachorientiert, witzig und kombiniert mit sehr klaren, surrealen Illustrationen aus Brigitta Falkners Bilderwerkstatt.

BRIGITTA FALKNER, GEBOREN 1959 IN WIEN, LEBT IN WIEN, SCHREIBT UND ZEICHNET, ARBEITET FÜR RUNDFUNK UND AUSSTELLUNGEN. DIE WORTVERDREHUNGSKÜNSTLERIN, DEREN LESUNGEN DANK EINER DIASHOW NICHT NUR EIN HÖRVERGNÜGEN, SONDERN AUCH EIN AUGENSCHMAUS SIND, PUBLIZIERT IHRE BILDER UND TEXTE IN ANTHOLOGIEN, ZEITSCHRIFTEN UND BISHER VIER BÜCHERN. ZULETZT ERSCHIENEN SIND FABULA RASA ODER DIE METHODISCHE SCHRAUBE (2001) UND BUNTE TUBEN. ANAGRAMM (2004). 2007 ERHIELT SIE DEN ÖSTERREICHISCHEN FÖRDERUNGSPREIS FÜR LITERATUR. "PALINDROME, LIPOGRAMME, WAS IST DAS JETZT SCHNELL? ALSO: WENN MAN EINEN TEXT VON HINTEN GENAUSO GUT WIE VON VORN LESEN KANN, DANN IST‘S EIN PALINDROM, UND WENN DIE AUTORIN SICH SPAßHALBER EIN PAAR VOKALE VERKNEIFT, IST ES EIN LIPOGRAMM, UND WENN EINEM BEIM LESEN VOR VERGNÜGEN DAS HIRN AN DEN PLAFOND SPRINGT, DANN IST ES EIN TEXT VON BRIGITTE FALKNER." (WOLF HAAS)

BRIGITTA FALKNER HAT (U.A. MIT FRANZ SCHUH UND DEM VIEL ZU FRÜH VERSTORBENEN GERT JONKE) DAS ERSTE SALZBURGER LITERATURFEST MIT EINER LESUNG ERÖFFNET. DIE EINBLICKE IN DIE SPRACH- UND BILDERWELTEN DER IN WIEN LEBENDEN SCHRIFTSTELLERIN HABEN MICH DERART ENTZÜCKT, DASS SIE EINEN PLATZ IN UNSEREM RESONANZ-MAGAZIN HABEN SOLLEN.
LITERATUR = RESONANZ
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LITERATURFEST
Eine Stadt hört zu - Salzburg feiert sein erstes Literaturfest
Von Jochen Jung
So heiter, so locker und beglückt hatte man lange kein Publikum am Ende einer Veranstaltung gesehen wie nach dem Eröffnungsabend des ersten Salzburger Literaturfestes. Und das hatte tatsächlich die Literatur bewirkt und nicht nur dadurch, dass so manches von dem, was da fünf Autorinnen und Autoren vorgetragen hatten, einfach zum Lachen war. Nein, in Wahrheit lag es daran, dass geglückte Texte glücklich machen und daran, dass das Publikum sich angesprochen fühlte, dass es sich auch im Komischen ernst genommen fühlte. Kein Wunder also, dass man auch hinterher noch lange beisammen blieb in dieser lauen Nacht, und eigentlich auch kein Wunder, das man es als ein kleines Wunder empfand, dass Salzburg endlich auch ein Festival für Literatur hat, und dann gleich ein solches.

Prominente Namen wie Martin Walser und Michael Köhlmeier waren mit weniger prominenten, aber hochinteressanten gemischt, wie der Wortakrobatin Brigitta Falkner oder dem Lyrikvirtuosen Jan Wagner, Erzähler wie Robert Menasse trafen auf Kollegen wie Michael Lentz oder Albert Ostermaier, die ihre Texte mit Musik kombinieren und spannend machen. Schwieriges war ebenso zu hören wie Leichtes, man durfte sich amüsieren und sah sich gleich darauf zum Nachdenken aufgefordert. War es die Mischung der Töne und Inhalte, waren es die wechselnden und für Literatur ungewohnten Veranstaltungsorte in der Altstadt wie das Haus für Mozart oder die Engel-Apotheke, waren es die unterschiedlichen Präsentationsformen für Jung und Alt - die Tage und Abende wurden zu dem, als was es gedacht war: ein Fest für die Literatur und für ihre Liebhaber und zugleich ein Geschenk an Salzburg, mit dem die Stadt nicht gerechnet hatte. Und ganz nebenbei war es auch ein Wink an die Skeptiker, die sich ja immer melden, wenn etwas Neues entstehen soll und die in diesem Fall der Literatur so viel öffentlichen Erfolg gar nicht oder nur mit ganz anderem Aufwand zugetraut hatten.
Dabei war eigentlich alles ganz einfach. Gewiss, die Idee ist nicht neu, und es hatte ja auch schon einige Anläufe dazu gegeben, die aber in widersprüchlichen Interessen stecken geblieben waren. Aber der Wunsch, in einer Stadt wie Salzburg, die festivalverwöhnt der Musik, dem Theater, dem Tanz und der bildenden Kunst längst schon Festspiel nach Festspiel eingeräumt hat, auch der Literatur so etwas einzuräumen, war stark genug und brauchte letztlich nur einen schwungvollen Anstoß, Entschlossenheit und eine Vorstellung davon, wie so etwas aussehen könnte, und schon war das Literaturfest auf den Weg gebracht.
Die Idee war, in wenigen Tagen mit den unterschiedlichsten Autoren und einer möglichst großen Vielfalt an Themen und literarischen Ausdrucksformen ein Bild von der überwältigenden Fülle der Möglichkeiten zu geben, mit denen die Literatur auf die Welt reagiert. Sie will uns unterhalten, sie will Antworten suchen auf die Fragen, die das Leben uns stellt, und sie will einfach erzählen, wie Menschen leben, wie sie miteinander zurecht kommen oder nicht zurecht kommen. Sie will wahrhaftig sein, und sie will die einzigartige Chance nutzen, die auch die Kunst der Buchstaben und Wörter im gelungenen Fall so überwältigend macht: die Schönheit.
Die Geldgeber waren überzeugt, ein paar spontan begeisterte Sponsoren gefunden, das Programm skizziert und dann ausgearbeitet, die organisatorischen Probleme in die richtigen Hände von Susanne Tiefenbacher gelegt, die Idee, das Ganze an den verschiedensten Orten der Altstadt Ereignis werden zu lassen, umgesetzt, die Medien überzeugt, die Politiker auch - und immer noch hätte alles daneben gehen können.
Die Literatur ist ja zunächst mal ganz und gar keine öffentliche Kunst. Wir begegnen ihr mit einem Buch in der Hand allein unter einer Lampe: Der Text und ich, das ist die Herausforderung, das ist das Vergnügen. Aber das könnte im Zeitalter der CD und der DVD auch für Musik und Theater gelten, und doch ist die reale Begegnung mit Künstlern in unserer zunehmend entfremdeten Welt immer auch ein Hinweis auf uns selbst: Da steht ein Mensch, ein Autor, und liest uns vor, was er sich ausgedacht hat, was er beobachtet und was er erfahren hat, und ihm gegenüber sitzen wir mit unseren eigenen Erfahrungen, die wir jetzt mit denen des anderen in ein stummes Gespräch bringen. Und wenn der oder die andere eine Persönlichkeit ist, dann erfahren wir mit ihrer Hilfe immer auch etwas über uns selbst.
Ja, es war eigentlich alles ganz einfach. Aber ganz so einfach war es natürlich auch wieder nicht. Die drei Hauptverantwortlichen (Christa Gürtler, Jochen Jung, Klaus Seufer-Wasserthal) bekamen zeitweise ordentlich zu spüren, was ehrenamtliches Arbeiten heißen kann, und dass Autoren bisweilen auch für nicht so angenehme Überraschungen sorgen können, wird dadurch nicht unkomplizierter, dass man damit rechnen konnte. Gerade die Autorinnen und Autoren aber sind es dann wieder, von denen die Intensität und das Einzigartige dieser Tage ausgegangen ist, und die Dankbarkeit, die man am Ende spürte, gehörte in erster Linie ihnen.
Dass das erste Literaturfest Salzburg nicht auch das letzte gewesen sein soll, darüber waren sich alle einig, und man freute sich am Schluss schon auf das nächste. Warum nicht gleich im kommenden Jahr?

JOCHEN JUNG, GEBOREN 1942 IN FRANKFURT AM MAIN, AUFGEWACHSEN IN ECKERNFÖRDE AN DER OSTSEE, LEBT IN SALZBURG. STUDIUM DER GERMANISTIK UND KUNSTGESCHICHTE IN ZÜRICH, BERLIN UND MÜNCHEN. 1975-2000 ZUERST LEKTOR UND DANN VIELE JAHRE LEITER DES RESIDENZ VERLAGS IN SALZBURG. 2001 GRÜNDETE ER SEINEN EIGENEN VERLAG MIT DERSELBEN INHALTLICHEN AUSRICHTUNG, DEN "JUNG UND JUNG VERLAG"; JUNG IST HERAUSGEBER ZAHLREICHER LITERARISCHER ANTHOLOGIEN, AUTOR UND KOLUMNIST.
Literatur = Resonanz
09
im interview: Thomas Oberenders Wahrnehmung von Salzburg
Thomas Oberender, 1966 in Jena geboren und in Weimar aufgewachsen, ist der bislang jüngste Schauspieldirektor, den die Salzburger Festspiele je hatten. Seit drei Jahren lebt er mit seiner Frau Bettina - zukünftige Dramaturgin am Landestheater - und seinem Sohn Edwin in Salzburg. Mit seiner Begeisterung für die historischen Stätten und Wurzeln dieser Stadt ist es ihm zum Beispiel gleich zu Amtsantritt gelungen, die legendäre Wiege der Festspiele, Max Reinhardts Schloss Leopoldskron, nach über sechzig Jahren wieder für das fEstival selbst zu öffnen. Uta Gruenberger hat ihn zu seiner Wahrnehmung von Salzburg befragt.
GÄNSEHAUT: Wie ist dein Lebensgefühl in der Stadt? (auch deiner Familie?)
Im Grunde hat man für den Urlaub, den man als Ortsansässiger in dieser Stadt gerne jederzeit machen möchte, in meinem Beruf leider kaum Zeit. Aber der Luxus, in nächster Nähe zu diesen Seen und Bergen zu leben, ist sehr wohltuend, wenngleich eher latent als wirklich manifest in meinem Alltag. Und so bleibt das Verwöhntwerden der Augen und Sinne beim täglichen Weg ins Büro durch den Mirabellgarten, über den Mozartsteg und alten Markt - es ist wie ein Dauerurlaub in einer Fotopostkartenwelt, schön und so unberührbar zugleich. Es ist ein Ort, um zur Ruhe zu kommen.
GÄNSEHAUT: Was ist für Dich (als Zugereister) das Besondere? Was fasziniert Dich?
Im Grund reist die alte und neue Welt jeden Sommer nach Salzburg nicht anders, als in das sterbende Venedig - beide Male lockt die Wiederbegegnung mit der alten Kultur, ein Gesamtkunstwerk aus ewigem Barock, Bergen, Seen, Mozart-Lieblichkeit und gutem Essen. Das ist wie eine Reise in Thomas Manns Lagunenstadt, zu San Marco und der Fahrt mit der Gondel, immer auf den Spuren einer morbiden Schönheit, von der man jedes Jahr glaubt, man erlebe sie vielleicht zum letzten Mal. Und in ihrem goldenen Zeitalter eingefrorene Orte wie Salzburg, Weimar oder Venedig sterben so erfolgreich, nicht nur weil sie ihr Erbe so reaktionär bewahren, sondern auch erneuern. Venedig, das ist nicht nur der Canal Grande, der Lido-Zauber, sondern auch die Biennale, das oftmals verstörende, betörende Mekka der bildenden Kunst. Das hält Venedig aus - so wie Salzburg die Festspiele.
GÄNSEHAUT: Was fehlt Dir hier? Was könnte anders sein?
Die Stadt ist sehr überschaubar, wenngleich nicht wirklich durchschaubar. Sie weckt bisweilen ein Bedürfnis nach Anonymität, nach der Gleichgültigkeit der Großstadt, in der man sich nirgends anschließen muss, keinem Zirkel oder Kreis angehören muss und nichts darstellt, als das, was man ohne Titel und Amt tatsächlich zu sein glaubt. Die moderne Architektur in der Stadt sorgt oft an ganz unerwarteten Stellen für wirklich großstädtische Überraschungen. Aber die Chance, bei markanten Neubauten wirklich Akzente zu setzen, wie beim Neubau des kleinen Festspielhauses, der Umgestaltung des Furtwängler-Parks oder dem Neubau des Museums der Moderne ist vertan worden.
Da entstanden trotz enormer Anstrengungen harmlose Kompromissbauten, die man sich, kaum sind sie da, schon wieder erneuert wünscht. Die Berliner bauen da lieber gleich ihr altes Stadtschloss wieder auf.
GÄNSEHAUT: Wo hast Du Resonanz erfahren in der Stadt?
Die Resonanz ist ja ein vieldeutiger Begriff - sie kann einen Widerhall bedeuten, den man von unterschiedlichsten Dingen oder Umständen bezieht oder in ihnen auslöst. Zunächst sind es aber sicher Menschen, die man durch sein eigenes Tun in eine gewisse Schwingung versetzt, bzw. von denen eine Energie ausgeht, die einen selbst mitschwingen lässt. Markus Hinterhäuser ist solch ein Mensch mit ganz eigener, frei bleibender Schwingung. Oder die Verlegerin Mona Müry. Oder eine magische Physiotherapeutin wie Eva Kuschnigg. Aber auch soziale Körper können dergleichen auslösen. Die Festspiele z.B. sind ein solcher Generator guter Schwingungen, oder ein gutes Lokal wie Scios Specereien oder die Blaue Gans oder das Triangel, wenn man zur rechten Zeit kommt. Und dann gibt es die Resonanzen im Sinne eines Medienechos auf die eigene Arbeit. Dazu zählen auch die Publikumsreaktionen am Abend bei den Vorstellungen, die Besucherbriefe, Anrufe. Zur Resonanz gehört die Erregung, das Angeregtwerden, das Überspringen eines Impulses - auch das habe ich erlebt, indem Menschen mich spontan auf Erlebnisse im Schauspielprogramm ansprechen und etwas loswerden wollen. Obgleich Salzburg eine Stadt ist, in der vieles nicht nur zwei Gesichter hat, sondern gar keines und man somit in das Innere der Häuser und Haltungen als Fremder kaum vordringt. Das Schwert der Salzburger, scheint mir oft, ist ihr Lob. Man muss sich von ihm unabhängig machen, damit sie es auch so meinen. Die beipflichtenden Menschen sind nicht selten die gefährlichsten Sterbehelfer. Aber das trifft wahrscheinlich auf jeden Ort von so kompakter Struktur und ähnlichem Geschäftssinn zu, obgleich der Festspielwahnsinn, der Mozartwahnsinn und der Bilderbuchwahnsinn dies alles noch verstärken. Entsetzlich ist, dass diese Stadt so klein ist, tatsächlich im statistischen Sinne. Hier ist alles mit allem verbandelt und man ist auf so kleinem Raum zu engster Abstimmung verpflichtet - die auch immer, getreu dem Festspielmotto, ein Spiel der Mächtigen ist. Wie bedenklich ist es, dass die Festspiele eine solche Macht entwickelt haben, dass sie sich allein schon in der vorausseilenden Form der ihr entgegengebrachten, allgegenwärtigen Devotion manifestiert? Bei gleichzeitiger Ignoranz dessen, was bei den Festspielen wirklich passiert oder geleistet wird oder eben nicht? Sie verkaufen im Sommer das Vierfache der Karten der Bayreuther Festspiele - das ist nicht mehr steigerbar und zeigt zugleich, dass die Energie, die von den Festspielen ausgeht, eigentlich etwas zum Schwingen bringt, das sich diese Stadt zwar zum Ort wählt, aber nicht der Ort ist. Das fasziniert. Dieses Mitdenken des zweiten Ortes, der innerhalb dieser Stadt lebt und doch in ihr nie aufgehen kann und darf. Man muss sich in dieser Stadt bewegen wie auf einer Seance, denn am Tisch sitzen immer mehr Menschen, als sich gerade an den Händen halten. Diese Geister muss man herunterbeten. Dann stimmt die Schwingung.
GÄNSEHAUT: Lösen die Festspiele etwas aus, was nach deren Ende auf dich oder als spürbare Stimmung insgesamt weiterwirkt?
Nach ihrem Ende passiert etwas Merkwürdiges: Aufatmen, dass man für den Weg zum Büro nicht mehr achtzehn, sondern nur noch zwölf Minuten braucht und der Mozartsteg nach Wochen der Blockade durch fotografierende Touristengruppen endlich wieder halbwegs passierbar ist. Und zugleich der große Katzenjammer - die Müdigkeit setzt ein, der Adrenalinspiegel sinkt und all der Austausch hat ein Ende. Für zehn Monate Arbeit gab es fünf Wochen Rückstrahlung und Ausstrahlung, danach beginnt wieder das Leben im Elfenbeinturm des Büros auf dem Mönchsberg bzw. das Umherfahren auf den Wegen des Geschäftsreisenden, zu dem man selbst wieder wird. Kunst - das war die kurze Zeit des Abenteuers, in der man sah, wie die eigenen Ideen ins Leben treten, Raum greifen oder verpuffen. Die Wirtsleute machen erst mal Urlaub, man selbst in Windeseile das nächste Programm, und dann ist die Stadt im November plötzlich wieder leer, wie man selbst, und gehört den Gärtnern im Mirabellpark, die über Nacht die Blumen aus den Rabatten nehmen. Um in der Stadt zu leben, ist es die schönste Zeit.
("Es klingt der Stein" …)
Man kann nicht unter dem Felsen des Mönchsberges stehen, ohne an Thomas Bernhard und die von keiner Zeitung erwähnten Selbstmörder zu denken. Man kann nicht über dem Toscanini-Hof stehen, ohne das schöne Gedicht von Trakl zu lesen oder an der Salzach entlang gehen, ohne an das Erstaunen jener Journalistin zu denken, neben der Peter Handke plötzlich seine Sachen ablegte und im Fluss baden ging. Und man kann nicht auf dem Kapuzinerberg an Stefan Zweigs ehemaligem Haus vorübergehen, ohne an die Verbrennung seiner Bücher in der Stadt zu denken, an Hitler in Sichtweite auf dem Obersalzberg und den Selbstmord des Dichters im fernen Petrópolis, nachdem er von Schlägern und Bomben im Garten via London ins brasilianische Exil gezwungen wurde. Vladimir Vertlib lebt in Salzburg, doch ich habe noch kein Interview mit ihm zu aktuellen Anlässen in den Salzburger Nachrichten gelesen. Das Café Bazar ist wunderbar, aber es bleibt beim Bernhard-Zitat auf der Speisekarte, kein Dichter am Tisch. Dafür gibt es großstädtische Buchhändler wie Klaus Seufer-Wasserthal von der Rupertus Buchhandlung und kluge Literaturvermittler wie Brita Steinwendtner und Tomas Friedmann in der Stadt. Zudem zahlreiche Verlage und nicht zu vergessen - viele, viele Leser, wie man bei den verschiedensten Veranstaltungen immer wieder dankbar feststellt.
GÄNSEHAUT: Kulturstadt Salzburg: ist das so? Welche Identität hat die Stadt?
Die Stadt ist ein Bollwerk. Die Stadt ist eine Bühne. Die Stadt ist ein Dorf. Die Stadt ist ein Freilichtmuseum. Die Stadt ist himmlisch. Die Stadt ist obszön ob so viel Reichtums und so großer Angst. Die Stadt ist die Audi-flotte, ist Hermès, ist Montblanc, ist selbst eine Marke und Marketingmaschine. Die Stadt ist Musik. Und die Stadt ist der Fluss mit seinen wechselnden Farben. Die Stadt sind die Fremden, die kroatische Gemeinde in der Andräkirche und auf dem Vorplatz die italienische Wohnmobilkolonie zum Jahreswechsel. Die Stadt sind die Straßenkünstler inmitten der Gassen und der rote Festspielteppich auf braunem Asphalt. Die Stadt ist ein hohler Berg, der Fluss unterm Festspielhaus und die Pferdescheiße davor. Die Stadt ist das "Herz Europas" und Pilgerort von achzigtausend Japanern im Jahr. Ist Mozartkugeln, Rehrücken, Schatz und Demel und das Priesterseminar. Die Stadt, das sind die Scheinwerferkegel der Polizeipatrouille am Schwulentreff im Garten von Schloss Mirabell und die weiß gekleideten Gäste der Welt-Milch-Nacht im Park nebenan. Die Stadt sind die betrunkenen Jugendlichen am Rudolf-Kai und bettelnde Zigeuner. Die Stadt sind pittoreske Türmchen, besetzt von Obdachlosen und die Bilder im Sucher der Kameras. Sind der Bombentreffer auf die Kuppel des Doms und die Maibaumerkletterer im Park vor Schloss Aigen. Die Stadt ist Kulisse und Abgrund und Normalität. Thaddaeus Ropac ist die Stadt und ist sie auch nicht. Die Stadt ist der Flohmarkt in der Merkurhalle und das Waldbad in Anif. Die Stadt sind die Rotaryclubs und die Lions. Und Reichelts und Kölbels und Fürsts. Die Stadt sind Red Bull und seine Arena und die Szene Salzburg und die Tänzer im SEAD. Die Stadt ist das alte Panorama in der neuen Residenz und der Bildschirm darüber. Ist die Schranne und das Dorotheum und Mozarteum. Die Stadt ist etwas, das vor allem Amerikaner lieben. Die Stadt ist ein Stadtbad für alle und ein versteckter See an der Salzach, der Würstelstand an der Brücke und der Baumstamm durch das Dach des Fischrestaurants. Die Stadt ist eine ewige Baustelle am Dom, ein Flughafen mit Katzen und der Alptraum der Alpenstrasse. Die Stadt ist der Regen. Der Regenstau auf den Straßen. Ist der Blick auf die Paraglider am Gaisberg und das Weißbier im Glas. Die Stadt sind die eisernen Altstadtgesetze, McDonalds-Schilder im Barockstil und die verschlossenen Passagen ab abends halb neun. Die Stadt ist Mozarts nachgebaute Laube im Hof des alten Mozarteums und sein weggebombtes Wohnhaus, das jetzt wieder steht. Die Stadt ist Hitlers Balkon vor dem Landestheater und The Sound of Music im Marionettentheater. Die Stadt ist Leopoldskron und sein Hausherr, Max Reinhardt, einsam gestorben im Exil. Die Stadt ist die Irre, die hunderte Tauben unter Abramovics Stühlen füttert und auch die japanische Verkäuferin des Obdachlosenblattes. Die Stadt ist Karajans Porsche und das Salz aus Hallein. Ist der Selbstmord des Dichters Dirk Ofner und seine Meldung in einer Zeitung aus Wien. Die Stadt sind Münchner Mieten, Rentnerresidenzen und der Familienpass für Familien. Sind im Sommer die Taxifahrer aus Wien und die vermieteten Wohnungen der festspielflüchtigen Bürger. Die Stadt sind verlorene Olympia-Millionen und eine Idee von Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauß, die noch lebt. Die Stadt ist zweierlei Recht und zweierlei Maß. Die Stadt ist, was sie ist und was sie uns erlaubt, in ihr zu sehen.![]()
urbanes schwingen - jazz in der altstadt
08
100 Konzerte in 5 Tagen, 50 Spielorte, 25.000 BesucherInnen

2009 feiert Jazz in der Altstadt sein 10-jähriges Bestehen. Ursprünglich als begleitendes Programm zum Salzburger Jazz-Herbst gedacht, hat Jazz in der Altstadt in den letzten Jahren an eigenem Profil gewonnen. Das Clubfestival ist nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung zum "großen Bruder" gedacht, und versteht sich als ein Off-Off-Festival mit einem weiten musikalischen Blick, ohne Kategorisierungen, das die unterschiedlichsten Stile gleichberechtigt nebeneinander stellt. Einzige Kriterien: die schöpferische Neugier der Musikerinnen und Musiker und deren musikalische Qualität. Stilvielfalt zuzulassen bedeutet jedoch nicht einen Rückfall in die Beliebigkeit oder den Kern des Festivals, die improvisierte Musik zu verleugnen, sondern zeigt unterschiedliche Zugänge in eine Welt spannender musikalischer Auseinandersetzungen auf.
Jazz hat sich in den letzten Jahrzehnten in den Musikkanon eingereiht. Immer noch auf der Suche nach musikalischer Herausforderung hat er die revolutionäre Kraft der früheren Jahre scheinbar verloren und tut sich heute schwer, ein junges Publikum für sich zu begeistern. Dieser Herausforderung, ein neues Publikum zu gewinnen und ein festgefahrenes Rezeptionsverhalten aufzulösen, stellt sich "Jazz in der Altstadt" mit unterschiedlichen Strategien. Eine Chance, dieses Ziel zu erreichen bietet die Präsentation der Musikprojekte an unterschiedlichen Orten, in Cafés, Restaurants, Bars, Galerien, Museen und Plätzen der Altstadt. Jazz in der Altstadt ist ein Clubfestival, und der Verzicht auf klassische Konzert- räume stellt eine Herausforderung vor allem hinsichtlich der Programmierung dar. Lautes und Leises, Grooviges und Experimentelles müssen Platz finden. Die MusikerInnen rücken mit ihren Projekten bei "Jazz in der Altstadt" in den Vordergrund, sind nicht Hintergrundmusik, eine Intention die durchaus scheitern kann, die in vielen Fällen aber funktioniert.
Neben Orten, an denen der Schwerpunkt der Projekte auf Unterhaltung (nicht Unterforderung des Publikums), auf u.a. Jazz mit Pop und Funk Elementen ausgerichtet ist, bietet z.B. die Caverne im arthotel Blaue Gans einen Raum des Rückzugs, des Innehaltens, der Entschleunigung, der Konzentration und des Experiments. Räume, die für die Vielfalt des Programms unverzichtbar sind. Aber auch das m32, der wohl schönste Jazzclub Österreichs, bietet den notwendigen Rahmen für unvergessliche Konzerterlebnisse. Dies sind nur zwei Beispiele für die Vielfalt der Spielräume. Eines sollte man bei diesen Betrachtungen nicht vergessen: Neben der Qualität der Räume bleibt die Offenheit, Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft der Menschen, die als Gastgeber der Konzerte fungieren, ein unverzichtbarer Bestandteil für den Erfolg des Festivals. Nur mit ihnen sind wir in der Lage jene Begeisterung zu erzeugen, die "Jazz in der Altstadt" auszeichnet.Ein weiterer Aspekt war und ist für uns von besonderer Bedeutung: der freie Eintritt zu allen Konzerten. Dies öffnet Chancen, Publikums-schichten zu erreichen, die normalerweise kein Jazzkonzert besuchen, Berührungsängste abzubauen, die Risikobereitschaft zu fördern und Neugier zu wecken. Ein kostenloser Zugang zu den Konzerten ermöglicht aber auch, einmal nicht die Entscheidung zu treffen, wie viele Tickets man sich leisten kann, und ob man mit der ganzen Familie oder mit allen Freunden ein Konzert besucht. Gemeinsames und Generationen verbindendes Hören und Erleben steht bei Jazz in der Altstadt im Mittelpunkt.
gerhard eder
kecke kinetik - resonanz im haus
07
Resonanz im Haus - kecke kinetik
andreas gfrerer über "vertigo"
Vertigo - eine Rakete mit Höhenangst ist das Werk des jungen österreichischen Künstlers David Moises. Der zur Rakete umgebaute Heizkessel, welcher in der indoor-Variante mit Heilschlamm, im Freien mit Wasser betrieben wird, kam anläßlich der Festspieleröffnung 2008 im Gastgarten der Blauen Gans zum Einsatz. Groß war die Spannung beim Count Down, und als David Moises kongenialer Partner Chris Janka die Rakete zündete, ergoß sich ein 300 Liter starker Wasserstrahl mit lautem Zischen über den Gehsteig. Fehlstart! Mit heftiger Flatulenz spülte die Rakete die Vorstellungen des Publikums von einem Raketenstart in den Kanal, just an dem Tag, an dem Jahr für Jahr die Erwartung an das künstlerische und finanzielle Gelingen der Salzburger Festspiele seinen Höhepunkt findet. Mir gefiel dieses Bild so gut, dass ich die Rakete angekauft habe und sie nunmehr kontrastreich in unserem Innenhof zur Geltung kommt.
Übrigens: der zweite Start (bei dem die Rakete kurz abhob) war "erfolgreich": Gelungen war der Erste.
Zur Kunst von David Moises
Michael Braunsteiner im Juni 2006
David Moises ist im engsten und weitesten Sinn dieses Begriffes ein "KUNSTer-FINDER". Im Zuge seiner wohl aus innerer Notwendigkeit heraus neugierig flanierend betriebenen "Forschungen" auf dem Gebiet des Designs und des Abfalls, banaler Alltags- und komplexerer HOBBY-technik vornehmlich der 50er bis 70er Jahre entdeckt er zunächst Objekte, die für ihn von Interesse sind. Zweite Stufe innerhalb seines Schaffensprozesses ist die Analyse dieser "Objets trouvés", die in der teilweisen oder völligen Zerlegung des jeweiligen Objektes liegen und danach auch - in Fortführung des Duchamps'schen Kunstbegriffes - als fertig präsentiertes museales Werk enden kann. Einerseits legt dieser Schritt durch das Verständnis des Zusammenspiels der Summe ihrer Teile dessen Funktion offen, anderseits bildet er schon die Basis zum letzten Schritt im Moises'schen Kunstschaffen. Dieser besteht durch die Neuordnung gewisser Teile zweier oder mehrerer Objekte zu einem neuen Ganzen.
Die so schöpferisch erzielte Neufunktion ist nun im Gegensatz zur ursprünglichen eine künstlerisch-spielerische. Das Kunstwerk ist fertig, kann benutzt, erlebt, präsentiert werden. Moises hat seine scheinbar ganz locker vollzogene, jedoch auf Forschung, Analyse, Experiment und Konzeption beruhende KUNSTer-FINDUNG vollbracht.
Moises bisheriges Gesamtwerk überzeugt durch die geistreich-witzige Verbindung auf den ersten Blick konträrer, sich aber als überraschend kompatibel herausstellender Komponenten. Moises ist verspieltes Kind, getriebener Sammler, technikbegeisterter Ingenieur, obsessiver Bastler, kritischer Künstler, begnadeter Schauspieler u.v.m. in einer Person. Dementsprechend spannt er in seinem konsequent klare Ziele verfolgenden künstlerischen Schaffen einen Bogen zwischen Bildhauerei, Ready-Made, kybernetische Kunst und Performancekunst.
Seine Werke passen, ohne modernistisch zu sein, in unsere Zeit, in unsere Museen, Galerien, Sammlungen. Durch ihren Erlebnis- und Unterhaltungswert, durch ihre Vermarktbarkeit einerseits in Verbindung mit ihrer hohen künstlerischen Qualität andererseits machen sie Kunst auch für jene zugänglich, die ihr grundsätzlich desinteressiert bzw. ablehnend begegnen. Indem sie sich aber keineswegs allein darauf beschränken, uns weit über ihre absurde Funktionalität und eigenwillige Ästhetik hinaus vielfältig und subtil zum Weiter-Denken anregen, ziehen sie die heikle Kunstkennerschaft in ihren Bann. Letztlich aber können beide Seiten über Moises Kunst Schmunzeln, sich von ihr anregen lassen und ihren Tiefgang spüren.
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BÜHNE = RESONANZ
06
Der deutsche Künstler Daniel Richter wurde bei den vergangenen Salzburger Festspielen für die Gestaltung der beiden Bela Bartok Stücke "König Blaubarts Burg" und "Die Zauberhirsche" als neuer Bühnenbildner gefeiert. Seine malerische Theater-Auffassung liebte das Publikum ebenso wie die Kritik. Während der gesamten Produktionszeit lebte Richter im Art-hotel "Blaue Gans". Uta Gruenberger hat ihn gefragt, welche Resonanzen bei seiner künstlerischen Erarbeitung in Salzburg wirksam waren.
"Resonanz" als Terminus ist weniger in meinem Wortschatz. Aber in dem Moment, wo ich in eine Produktion wie den "Blaubart" im vergangenen Sommer einsteige, bin ich natürlich auch in ein Resonanz-Gefüge integriert. Und zwar sehr zielgerichtet ergebnisorientiert - schon fast wie in einem Interpretationskollektiv. Ganz im Gegensatz zur sonstigen Malerei, die ja als hoch individualisierter, künstlerischer Prozess abläuft.

In solch einer Operngeschichte bin ich mit vielen Vorgaben konfrontiert - einem Inhalt, der Partitur, den Vorstellungen des Regisseurs und des Dirigenten. Da ist der Dialog, der Austausch und letztendlich - ja - die persönliche Resonanz auf die Ideen in den andern Köpfen natürlich besonders wichtig. So hat sich dann auch erst während der Proben, im Gespräch, in der Aktion, im Spiel mein Bühnenbild immer weiter reduziert - bis zu diesem letzten "Ausbruch" - das war's dann.
Der Zuspruch, den wir bekamen und der Erfolg waren natürlich schon sehr fein für die Seele. Auch wenn ich als freier Künstler viel unabhängiger und unbekümmerter rangehen konnte, musste ich nicht um meinen Ruf als Bühnenbildner bangen. Denn Salzburg und der Nimbus seiner Festspiele haben schon eine enorme Bedeutung, wenn man da zum ersten Mal antanzt - quasi den "Lackmus-Test" bestehen muss. Das habe ich anfangs fast als psychologische Bedrohung empfunden die sich aber ganz gut in besondere Produktivität umsetzen ließ.
Ich kannte Salzburg vorher ja kaum bis gar nicht. Mein erster Eindruck war: Leckeres Essen! Und dann als Zweites diese riesigen Hallen - diese geradezu furcht-einflössende Größe der Festspiel-Bühnen.
Auf das wunderbare, kulinarische Angebot habe ich mich dann recht schnell eingestellt und den herrlichen Franz im Triangel fast täglich aufgesucht. Auch die Bühnenausmaße gingen mir bald in den Kopf. Nur diese professionalisierte Österreich-Idylle, die Salzburg vor sich hin zelebriert, und auch diesen "Scharlaglamour" als Auftrieb zu den Festspielpremieren, fand ich schon recht gewöhnungsbedürftig. Dazu die Salzburger in ihrer konzentrierten Entspannung und moralischen Verwahrlosung - falls man das vorsichtig äußern darf - das war unterm Strich dann schon alles sehr angenehm und hat großen Spaß gemacht.
Da fällt mir ein - ich muss die Festspielpräsidentin gleich mal anrufen - Salzburg hat sich ja ein Bild gewünscht von mir - für den oberen Eingang in Festspielhaus - das ist jetzt fertig. Meine spontane, erste Idee malte ich zwar in einem Vorab-Entwurf gleich durch - habe ihn dann aber doch verworfen, weil ich fand, dass er seine Funktion im Entrée nicht erfüllt. Ist ja kein Andachtszimmer dort, da darf man nicht zu narrativ malen - kein kompliziertes Versenkungsbild fabrizieren. Aber schauen wir mal, was Salzburg zu meinem Werk schlussendlich meint - es nimmt sich ja kein Blatt vor den Mund - schon gar nicht bei Kunst - auch das hab' ich ganz schnell gelernt. :-)"

Daniel Richter wurde 1962 in Lutjenburg (Deutschland) geboren. Er studierte an der Hochschule der bildende Künste in Hamburg, bei Professor Werner Büttner und zählt zu den bedeutensten Gegenwartskünstlern. Daniel Richter lebt und arbeitet in Berlin, Hamburg und Wien.
Musik = Resonanz
05
Markus Hinterhäuser ist Konzertchef der Salzburger Festspiele und bewegt in dieser Manager-Funktion einen gar großen Trupp von Musikkünstlern aus aller Welt nach Salzburg.
Weil er als international renommierter Pianist aber auch selbst die zart besaitete Künstlerseele in sich trägt, gibt es Tage, an denen seine hochdotierten Hände besonders tief in den Hosentaschen stecken, wenn er durch die Philharmonikergasse des Weges ist und Salzburger Einheimische ihm instinktiv das "Grüßgott" eher zunicken als ihn damit direkt anzugehen oder ihn gar zu Tagesaktualitäten zu befragen. Man könnte dies als instinktive oder Hinterhäuser-spezifische Resonanz Salzburgs auf einen ihrer prominenten Bürger bezeichnen. Denn die Stadt kennt den ehemaligen Mozarteum-Studenten aus La Spezia, bella Italia, der mit seinem Zeitfluss-Festival für moderne Musik (1993-2001) für soviel Furore und Festspiel-Zusatzfreuden sorgte, mittlerweile gut und von weitem.

Und Markus Hinterhäuser, 50, mit einer Salzburgerin verheiratet, kennt die Stadt nach so vielen Jahren des Wirkens und Werkens wiederum in- und auswendig. Er weiß um ihre sämtliche Glanz- und Schattenseiten und hat an Tagen wie diesen, in seiner Kantine "Spoon" vor einer Thai-Suppe sitzend, tief im Herbstpullover und in organisatorische Sorgen ums kommende Festspielprogramm versunken, auf die Frage nach seiner Resonanz auf Salzburg nur ein besonders bedeutungsvolles, allumfassendes "Ja mei!" als Antwort. Und man verstummt automatisch, verständnisvoll nickend in einer Art still verabredeten, gemeinsamen Schweige-Resonanz.
Weil Markus Hinterhäuser aber selbst an Tagen wie diesen hinter seinem prophylaktischen Muff nie die ihm eigene Umgänglichkeit verliert, bekomme ich zwischen Asia-Huhn und Espresso Doppio doch noch eine besonders persönliche Reflektion - ein leise auswendig zitiertes Gedicht von Georg Trakl spendiert.
Verfall
Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.
Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.
Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,
Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.
Georg Trakl (1913)

Markus Hinterhäuser wurde 1958 in La Spezia geboren. Er absolvierte sein Klavierstudium am Wiener Konservatorium und am Mozarteum Salzburg. Mit Tomas Zierhofer-Kin war er Gründer und langjähriger Leiter des Zeitfluss-Festivals (Salzburger Festspiele) und von Zeitzone (Wiener Festwochen). Seit 2005 ist er Konzertdirektor der Salzburger Festspiele. Markus Hinterhäuser lebt in Salzburg.
autor: uta gruenberger
RESONANZ IM HAUS | ART CONCEPT
04
PATRICK EBENSPERGERS GEDANKEN
ÜBER DAS KUNSTKONZEPT IN DER BLAUEN GANS
ABOUT ART? Von Beginn an war mir klar, dass man ein solches Projekt nur mit Unterstützung der beteiligten Künstler realisieren kann, da ein 650 Jahre altes Gebäude mit seinen sehr eigenen räumlichen Vorgaben auch mit "artifiziellen" Augen betrachtet werden muss.
Allen Beteiligten wurde schnell bewusst, dass es bei der Realisierung von künstlerischen Konzepten um langfristige und nachhaltige Umsetzungen gehen muss, da nur so Spannungen aufgebaut und gesteigert werden können.
So entschieden wir, dass die Kunst jährlich rochieren soll und einen Stamm an Kunst und Künstlern aufbaut, dies immer unter der Vorgabe einer gewissen Harmonie und Stringenz.
Auch für mich, als unterstützende und zuarbeitende Person, hat sich durch diese Zusammenarbeit Grundsätzliches verändert. Ich habe mir über die Jahre einen so genannten "Blaue Gans" Blick angeeignet. Das heißt, wann immer, wo immer mir Kunst begegnet, wird diese einer inneren Prüfung auf Eignung für das art-hotel Blaue Gans unterzogen. Als ich beispielsweise auf Arbeiten von Joseph Beuys gestoßen bin, war mir sofort bewusst, dass diese einem bestimmten Ort in der Blauen Gans zugeführt werden müssen.
Ähnlich erging es mir bei einer Arbeit von Rosemarie Trockel mit dem Titel "Frottee", die aufgrund ihrer Subtilität und Ironie überaus geeignet für das art-hotel schien.
Über die Jahre arbeitete ich immer intensiver an der Ausarbeitung und Umsetzung konkreter Projekte für die Blaue Gans, mit denen wir sowohl zu den jährlichen Eröffnungen der Salzburger Sommerfestspiele als auch für die jährlich stattfindende "Lange Nacht der Museen" Akzente setzen konnten.
Dass diese Akzente ein gewisses Potential an Ungewissheit und Risiko in sich tragen können, wurde im Jahre 2008 durch den Start von David Moises und Chris Jankas "Vertigo Rakete" bewiesen, als diese doch deutlich von der prognostizierten Flugrichtung abwich und drauf und dran war, die Einsatzfähigkeit des Gastgartens der Blauen Gans erheblich zu beeinträchtigen.
Mich persönlich verbinden viele schöne und bewegende - nicht nur künstlerische - Begegnungen mit dem art-hotel Blaue Gans.
PATRICK EBENSPERGER
PATRICK EBENSPERGER IST GALERIST IN GRAZ UND SEIT 2004 KÜNSTLERISCHER BERATER DES ART-HOTEL BLAUE GANS.

BILDTEXT FRANZ GRAF:
FRANZ GRAF ZÄHLT ZU DEN BEDEUTENDSTEN GEGENWARTSKÜNSTLERN ÖSTERREICHS. IN SEINEM ZIMMER IN DER BLAUEN GANS WURDE FRANZ GRAF VON EINER ZEICHNUNG MARIE-LUISE LEBSCHIKS ZU DIESEM SPONTANEN WANDGEMÄLDE INSPIRIERT. ES BEFINDET SICH NOCH IMMER IN ZIMMER 444.
kontrakom 2006 - ein fest für salzburg?
03
Die Kontrakom-Künstler haben in der Blauen Gans gewohnt. Kurator Max Hollein, Jonathan Meese, Hans Schabus, Markus Schinwald, Paola Pivi, Michael Sailstorfer, Knut Asdam, Elmgreen und Dragset.
Unterschriftenaktion für das Kontrkom Festival 2006. Auch hier im Gänsehaut Magazin.







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