Der Kaiser der Paradeiser und die Acetaia des Opernsängers

Erich Stekovics und Herwig Pecoraro erzählten von der Russischen Reisetomate, warum man keine grünen Paprika essen soll, und was man tut, wenn man ein Produkt verkaufen will, das es gar nicht gibt.

Eine gemütlicheTischrunde in der Caverne der Blauen Gans, und zwei Menschen, deren Lebensgeschichte und Gschichteln unterhaltsamer nicht sein können. Und weil die beiden auch ihre Produkte zum Verkosten mitgebracht haben, lernten die Gäste auf vergnügliche Art und Weise die Welt der besten Balsamici Österreichs und die die alten Gemüsesorten vom "Kaiser der Paradeiser" kennen.

Erich Stekovics, studierter Theologe, gab in reinster Kabarettform zehn Tipps für die perfekte Tomatenplantage vor der Haustüre, erzählte, wie ein Scheich von Quatar auf seine alten Gemüsesorten aufmerksam wurde und es nun einen Stekovics-Ableger in Quatar gibt. Ein Schelmenstück ist seine Geschichte von der Russischen Reisetomate, die gänzlich unwahr ist, aber so gut erfunden, dass sie Eingang in die Tomaten-Nomenklatur gefunden hat. Er erzählte, wie der Zufall es wollte, dass der Chefeinkäufer von "Manufaktum" eines der Stekovics-Gläser am Schreibtisch einer Büroangstellten stehen sah. Heute kauft Manufaktum 120.000 Gläser bei Stekovics. Vor allem aber erzählte er von der Leidenschaft, dem Erfolg, dem Mißerfolg, den Fehlern und dem großen Glück, das ein erfülltes Unternehmerleben ausmachen. All das ist in seiner wunderbaren "Mieze Schindler Erdbeere" enthalten, eine Blut und Tränen-Marmelade, wenn Marmelade nicht ein zu banales Wort für diese fruchtgewordene Poesie wäre.


Herwig Pecoraro kennt sich mit Poesie aus: er ist Kammersänger an der Wiener Staatsoper und zwischen den Proben von Moses & Aaron, Meistersinger und Siegfried mit seiner Frau nach Salzburg gekommen, um seine Balsamici (never say Essig!) aus der Acetaia in der Nähe von Klosterneuburg zu besingen. Auch sein Lebensweg war wenig geradlinig: da die Eltern die geliebte Koch- und Konditorlehre nicht erlauben wollten, machte er die Gendarmenschule und wurde Polizist. Da die Leidenschaft für das Kulinarische sich aber nicht abkühlen wollte, hat er Koch- und Konditorlehre nachgeholt. "Und dann befiel ihn das Singen" wie Konstantin Wecker dichtete, oder passierte ihm, wie Herwig Pecoraro sagt. In Modena kam er beim Gesangsstudium mit dem Aceto Balsamico Tradizionale in Berührung, und der würde ihn nicht mehr loslassen. Kostenintensive Umbauten der Acetaia und viele Rückschläge konnten ihn ebensowenig von seinem Weg der Qualität abbringen wie der Amtsschimmel, in dessen Lebensmittelkodex die säurearmen Balsamici damals gar nicht vorgesehen waren und demnach erst nach einer Gesetzesänderung (unter Pecoraros Mitwirkung) verkauft werden durften. Eine Bereicherung des heimischen Feinschmeckermarktes: 1.400 Fässer feinster Balsamessige aus Grünem Veltliner lagern heute in der Acetiaia, und unsere Gäste konnten ihr kulinarisches Spektrum bei einem Menu unseres Kücheteams mit Pecoraro-Balsam und Stekovics-Köstlichkeiten erweitern.

Ein wunderbarer, verzaubernder Abend, mit authentischen Menschen und fühlbarer Leidenschaft. Absolut GÄNSEHAUT-verdächtig!


Info: Die Produkte von Erich Stekovics und Herwig Pecoraro gibt es in Kürze auf unserer Speisenkarte.

http://www.stekovics.at
http://www.pecorarobalsamico.at/