Öl fürs Feuer

Warum bei der Wahl des richtigen Öls nicht nur die inneren Werte zählen?

Die Kunst, beim Kochen das richtige Öl zu wählen, benötigt einiges Vorwissen: Welche Öle gibt es, und vor allem, was koche ich?

Je nach Zutat und Speise ist jenes oder anderes Öl feiner für den Geschmack, und kein Olivenöl schmeckt wie das andere. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, der Baum, die Sonne, die Ernte, die Flasche, die Liebe zum Detail. Ebenso wichtig wie die Eigenschaften des Öls, das unseren Geschmackssinn anregt, sind jene des Öls, das die anderen Sinne erleben: Der süße Duft und die samtene Haut von Hera, die Zeus in Homers Ilias in die Knie zwingen, das betörend glänzende Haar der Aphrodite in den Olivenhainen von Zypern.

Die alten Griechen kannten wohl die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Öl, sie berichten aber gerne über die Wohlgerüche, die damit gebannt werden konnten und die Sterblichen den Göttern näher brachten. Ambrosia, der göttliche Nektar, ist Speise, Trank und Duft zugleich. Es erfreut die Götter, von Artemis bis Zeus, und gilt laut Plinius neben Wein als wichtigste Flüssigkeit für den Menschen. Es diente zur Reinigung und Pflege, als Massagemittel der Athlethen vor den Wettkänpfen, um von den Göttern wohlgestimmt zum Sieg zu gelangen, und danach zur Entspannung der Muskeln, es unterstrich die Schönheit der Frauen und den Reichtum der Männer.

Zunächst den wohlhabenden Römern vorbehalten, verbreitete sich das Salben mit Öl auf alle Bevölkerungsschichten als Teil einer gesunden Lebensführung, wie es auch die weisen Männer des alten Indiens im Ayurveda empfahlen. In den heutigen Wellnesstempeln wird kein Olivenöl mehr verwendet, aber wenn das bevorzugte flüssige Gold für die Küche taugt und wie ein Edelstein strenge Qualitätsmerkmale erfüllt, kann man es sich getrost in die Haare schmieren und ein langes Leben genießen.
(eb)