Das Leben in den Wäldern


Henri David Thoreau, amerikanischer Schriftsteller und Philosoph, Inspiration für Mahatma Gandhi und Martin Luther King, war nicht ganz 28 Jahre alt, als er in den Wald von Concord/Massachusetts ging, um dort sein zweijähriges Experiment eines einsamen und selbständigen, aber nicht abgeschiedenen Lebens in der Natur durchzuführen. Unangepasst an die Konventionen seiner Zeit, bedürfnislos, sensibel und geduldig ging er in den Wald, um tief zu leben und Erkenntnis zu finden. Andere sammeln Schwammerln und Beeren, suchen den Braunen, um ihrem Ur-ich zu begegnen, oder um ihre Angst zu überwinden.

Immerhin birgt der Wald Gefahren, er ist bewohnt von bedrohlichen und zaubrischen Wesen und Tieren, man kann sich im Dickicht verirren und umkommen. In der Tiefenpsychologie steht der Wald für das – unheimliche? - Weibliche, er stellt die Grenzen zwischen Vertrautem und Fremdem dar.

Die Abgeschiedenheit des Waldes, fern vom Treiben der Stadt, macht ihn zum heiligen Hort für geistige Konzentration und Innerlichkeit, ein Ort für Asketen und Eremiten. Auch andere, die sich an den Rändern der Gesellschaft bewegen, finden sich bald im Wald wieder: Mörder, Diebe, Wilderer finden hier natürlichen Schutz. Als Anfang der 80er Jahre befürchtet wurde, der Wald sterbe, kam ihm prompt die Kunst zur Hilfe: 1982 stellte Josef Beuys im Rahmen der documenta 7 in Kassel sein Landschaftskunstwerk „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ der Öffentlichkeit vor. Jedem gepflanztem Eichenbäumchen wurde ein Basaltstein zu Seite gestellt, um den Menschen die zeitliche Dimension ihres Daseins in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erfahrbar zu machen.

Zuerst geht der Mensch, dann der Wald, dann die Steine, sagte der kürzlich verstorbene Bildhauer Karl Prantl. Doch bevor wir zerbröselnd zur Erde zurückkehren, gehen wir lieber in den Wald. Und leben gelebte Leben.

Text & Bild: KB  / markenredaktion blaue gans salzburg

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