"Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Montag!"


Die Ansage kommt überraschend, und bleibt nicht ohne Nebenwirkungen. Die Benutzer der Linie 6 in Salzburg schmunzeln, lachen, und keiner leugnet, dass dieser unvorhergesehene Gruß des Fahrers die Laune hebt.

Der Mann ist hörbar Bayer, und als solcher offensichtlich einer eigenen Tradition verpflichtet, mit seinen Fahrgästen zu kommunizieren: In der Münchner U-Bahn werden die Marathonläufer auf dem Weg zu ihrem Bewerb zu Bestleistungen ermuntert und mit aktuellen Wetterdaten versorgt, in den Regionalbahnen während der Wies‘n-Wochen kommt man nicht ohne die Aufforderung, sein Handy, sein Leergut, sein Mädel nicht auf dem Sitzplatz liegen zu lassen, aus dem Zug. Und jedes Mal tut’s gut, wenn da einer so daherredet.

Ein Mensch! Keine Blödel-Beschallung, keine Konserve, sondern einer, der freundlich weiß, was er tut: Die simpelsten Umgangsformen anwenden. Über den empfehlenswerten Umgang mit Menschen hatte sich Adolph Freiherr Knigge schon Ende des 18. Jahrhunderts Gedanken gemacht. Seine soziologischen Erläuterungen sollten aufklären, Missverständnissen vorbeugen und Vorschläge für ein möglichst wenig enttäuschendes, sondern erfreuliches Zusammenleben von verschiedenen Generationen, Charakteren, Berufen, von Menschen und Tieren geben.

Die zeitgemäße Adaption verfasste sein Nachfahr Moritz Freiherr Knigge 2004. Als identitätsstiftende Zeichen der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe sind Verhaltensregeln jeder Art natürlich auch Mittel zum Ausschluss derer, die ihrer nicht kundig sind. Aber einen guten Tag zu wünschen hat noch nie geschadet.

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