So traurig dass ’s wieder schön ist


Wiener Blues in der Blauen Gans beim Festival „Jazz & The City“

Beim dritten oder vierten Lied reißt hörbar eine Saite. „Wir haben einen Plan B, sagt Ernst Molden ungerührt. Nein, keine zweite Gitarre, auch kein bombiges Babe, sonder ein Wienerlied, ein ganz ein schönes, das Walther Soyka auf seiner Knopferlharmonika spielt.

Danach wird das „Bundesbad“ in voller Länge wiederholt, und die Anwesenden in der die Stufen hinauf gefüllten Caverne des arthotel Blaue Gans sind in ein Paralleluniversum versetzt. Es klingt nach Wien, es fühlt wie Wien und ist auch für so manche Salzburger Dame unaussprechlich unverständlich wie Wien. Wunderbar. Und doch mitten in der Altstadt Salzburgs, in der seit über zehn Jahren Jazz für alle bei freiem Eintritt geboten wird. Für alle bedeutet hier, dass sich unter den 100 Konzerten an fünf Tagen und über 50 Spielorten für jeden etwas zum wiedererkennen oder entdecken findet.

Die ursprünglich der lokalen Szene gewidmete Musikveranstaltung, die vor dem „großen“ Salzburger Jazzherbst stattfindet, hat sich seit 2008 unter der Leitung von Gerhard Eder, der lange Jahre das Jazzfestival Saalfelden prägte, zu einer überregionalen Erlebniswelt entwickelt. Salzburger Formationen und namhafte nationale wie internationale Künstler laden zu musikalischen Wanderungen und Begegnungen ein. Ernst Molden hat im Programmbuch geblättert: „Geil“. Gern bliebe er hier, allein, er muss die Schwiegermutter auslösen, und wieder in seine schräge Heimatstadt. Ein Wien, das einem schon lange nicht mehr so poetisch begegnet ist.

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