Eine Krimireihe als gesellschaftliche und beziehungstechnische Identitätsstifterin

„Ich möchte den Rest meines Lebens mit Dir verbringen und heute Abend mit Dir „Tatort“ schauen“

„Tatort“ ist Kult, das muss man gar nicht herbeireden, sondern bloß überlegen, wen man am Sonntag Abend aus seinem Freundeskreis anrufen kann. Wenn man nicht selbst ab 20.15 Uhr unerreichbar ist. Ein Tag vor dem 40. Jubiläum der allerersten Erstausstrahlung ermittelt ab 28. November ein neuer Kommissar am Ort des Verbrechens: Ulrich Tukur, von 1999 bis 2001 in Salzburg als „Jedermann“ im Visier von Publikum und Medien, wird nach langem Zögern nun doch Fernsehkommissar.

Für viele Schauspieler bedeutet eine Mitwirkung in der beliebtesten und ältesten Krimireihe im deutschen Sprachraum zwar zwischenzeitlich eine festgelegte Identität, aber auch ein sicheres Einkommen und vor allem immerwährende Wiedererkennung beim Publikum. „Es ist schon ein Ritterschlag, da mitmachen zu dürfen“, freut sich Sibel Kekilli, die ihren Einstand als Kieler Ermittlerin im Oktober hatte. Immerhin verfolgen durchschnittlich über sieben Millionen Zuseher die Mordfälle am Sonntag, die in Spielfilmlänge, mit verschiedenen Kommissaren, lokalem Bezug quer durch Deutschland, Österreich und der Schweiz, und aktueller Thematik eine regelmäßig preisgekrönte Klasse Fernsehunterhaltung und eine einzigartige Form von Zeitgeschichte sind. Mit jeder Generation kann sich der „Tatort“ neu erfinden und auch mal nicht so packende Episoden oder den Makel der „Giftschrank-Folge“, die nach ihrer Erstausstrahlung nicht mehr gezeigt werden darf, überstehen.

Eines bleibt allerdings unverändert: Der Vorspann zu jeder Folge ist inzwischen zur Marke geworden, bis auf kleinere Änderungen in der Titelmusik, in der Udo Lindenberg das Schlagzeug spielte, ist alles nach wie vor, wie es von Anfang an war. Wer es am Sonntag doch nicht vor den Fernseher schafft, kann die verpassten Folgen seit Anfang 2010 in den Mediatheken der produzierenden öffentlichen Rundfunkanstalten abrufen. Immer mehr Gastronomen bieten indes den Krimiabend als Public Viewing auf Großleinwand an, für Fernsehen unter echten Freunden.

Und für Paare gilt: Wenn man die Phase Fünf in der Entwicklung gemeinsamer Fernsehgewohnheiten erreicht hat, und zusammen „Tatort“ schaut, hat man zwar ziemlich sicher ein anstrengendes Wochenende hinter sich, aber auch die Aussicht auf vertraute Beständigkeit. Schon seit vierzig Jahren.

Text KB / Bild ARD / markenredaktion blaue gans salzburg