O Tannenbaum…

Weihnachtsbaum von Gelitin im Belvedere

Der Salzburger Christkindlmarkt hat auch einen Wald zu bieten. Aus diesem kann man sich das ganz eigene Prachtexemplar Baum fürs Weihnachtsfest aussuchen, und bildromantisch von einem starken Mann geschultert nach Hause tragen lassen. Wenn man aber eine Frau ist, kann man auch damit rechnen, dass der Mann das Ding zwar ästhetisch transportiert, aber nicht praktisch passend für den Weihnachtsbaumständer zuspitzen ließ. Und muss zu drastischen Handlungen ansetzen, die auch ein grobes Brotmesser verlangen. Wenn das dunkle Grün dann schillernd geschmückt im Raum steht, ist alles gut und wir feiern friedlich das Fest der Liebe.

Der schon im Mittelalter übliche Brauch, zu besonderen Festen einen Baum zu schmücken, fand damals zu Weihnachten im Rahmen der Paradies-Spiele statt, die in der Kirche zum Gedächtnis an die Stammeltern Adam und Eva aufgeführt wurden. Der „Paradiesbaum“ wurde mit Äpfeln behängt, und bis ins 19. Jahrhundert baumelten in Norddeutschland Adam, Eva und die Schlange dazu. Seinen ersten literarischen Auftritt hatte der Weihnachtsbaum 1774 als Goethe in den „Leiden des jungen Werther“ das Entzücken desselben schildert, als Lotte ihm am 4. Advent die Tür öffnet und der aufgeputzte Baum erscheint. Zuerst ein Privileg der reichen Leute und von der Kirche, die viele Waldgebiete besaß, missbilligt, war der Baum als fixes Symbol der Weihnachtszeit im 19. Jahrhundert nicht mehr wegzudenken.

In Österreich werden inzwischen jedes Jahr über 2 Millionen Weihnachtsbäume aufgestellt, wovon 85 % aus heimischen Wäldern stammen. Es heißt, dass jeder Mann in seinem Leben einen Baum gepflanzt haben sollte. Nur nach Hause tragen reicht jedenfalls nicht.

Foto: Der Standard: Belvedere-Direktorin Agnes Husslein hat die Gruppe Gelitin eingeladen, den Weihnachtsbaum in der Sala Terrena zu gestalten.

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