rendezvous salzburg: brita steinwendtner

brita steinwendtner im interview zum thema "hast du einen lebenstraum?"
schriftstellerin & intendantin rauriser literaturtage



eine produktion von uta gruenberger & markus hofstätter, salzburg 2010
www.musze.tv

rendezvous salzburg: maire-christine klettner

maire-christine klettner im interview zum thema "hast du einen lebenstraum?"
studentin am mozarteum



eine produktion von uta gruenberger & markus hofstätter, salzburg 2010
www.musze.tv

Frühling für Helden


Frühlingshaftes Mittagessen mit Stéphane Braunschweig

Plötzlich war er da, der Frühling. „Das geht in Salzburg immer von einem Tag auf den anderen!“ Stéphane Braunschweig, Regisseur und Bühnenbildner der „Götterdämmerung“ bei den Osterfestspielen, ist nach vier Jahren ein Kenner der Jahreszeiten dieser Stadt. Auch wenn er die Proben im Dunkel des Festspielhauses verbringt, macht es doch einen Unterschied, ob es danach draußen schneit und stürmt, oder im Gastgarten der „Blauen Gans“ zu Mittag gegessen werden kann. Der Saibling ist köstlich, der Veltliner gut trocken, und Braunschweig erzählt freundlich von seiner Arbeit. Als studierter Philosoph erhielt er Ende der Achtzigerjahre seine Theaterausbildung bei Antoine Vitez in Paris und gründete prompt seine eigene Kompanie. Aus dieser Zeit, wo jeder alles machte, ist ihm auch das Bedürfnis geblieben, seine Inszenierungen immer selbst ins Bild zu setzen. Zur Oper kam er „weil man mich gefragt hat, ob ich eine Oper inszenieren möchte, und ich habe zugesagt.“ So leicht ist er heutzutage nicht mehr zu haben, eine Oper- und eine Theaterinszenierung im Jahr sind das Pensum, das sich Braunschweig neben der Leitung des Théâtre de la Colline in Paris, die er seit Anfang 2010 inne hat, erfüllen will. In seinem eigenen Haus hat er die Möglichkeit, andere zu fördern, Fragen zu stellen, Antworten zu suchen, mit den Worten anderer vielleicht die Gesellschaft zu verändern. „Ich bin ein Interpret“, definiert er seinen grundsätzlichen Zugang zur Regiearbeit, die im Zusammenspiel mit großartigen Sängern wie Ben Heppner oft sehr intuitiv abläuft. Überhaupt war die Arbeit an Wagners Ring eine besondere Zeit, ein Auftrag, der von seinem Umfang überwältigen konnte, aber auch die Möglichkeit bot, über Jahre den Stoff und seine Umsetzung zu entwickeln. Während die Aufführungen in Aix-en-Provence für das dortige Festival in fünf kompakten Wochen produziert werden mussten, konnte Stéphane Braunschweig bei den Wiederaufnahmen in Salzburg entspannt am Konzept des nächsten Kapitels arbeiten. Heute vertieft er sich nicht mehr in Wagner, sondern Debussys Pelléas und Mélisande, wenn er aufs Zimmer zurück geht. Siegfried, der Held, der von seinem Heldentum nichts weiß, hat zwar im Jahresprogramm der „Colline“ seine Spuren hinterlassen, aber Stéphane Braunschweig hat sich schon von ihm verabschiedet. Wie auch von Salzburg, wo er diesmal noch gar nicht auf den Mönchsberg hinaufgegangen ist oder an der Salzach spazieren war. Aber jetzt ist ja der Frühling da…

Osterfespiele
Fotonachweis

rendezvous salzburg: rüdi wassibauer

rüdi wassibauer im interview zum thema "hast du einen lebenstraum?"
künstlerischer leiter schmiede hallein



eine produktion von uta gruenberger & markus hofstätter, salzburg 2010
www.musze.tv

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Fern von Medien und Skandalen wird gearbeitet und gezaubert

Auf der Bühne des Festspielhauses stapeln sich schwere Eisengerüstteile und reihen sich vielzählige Holzrahmen auf den Seiten aneinander. Vom Schnürboden hängen lange, nummerierte Latten herunter, an denen Schweinwerfer eingehängt und Kabel angelegt werden. Schwarzgewandete Männer mit Sicherheitsschuhen und jede Menge Taschen an den Jacken und Hosen schrauben, hämmern, tragen, schieben, heben, kleben, denken, fühlen. Innerhalb kürzester Zeit hat sich der Materialberg in ein schwarz-weißes Bühnenbild gefügt, auf dessen Brettern demnächst den Göttern ihr letztes Licht dämmern wird. Ohne all diese Menschen und deren unendliche Stunden in der riesigen Höhle dieses Theaterraumes findet hier kein Drama statt. Sie sind das Fundament, auf das so mancher Künstler seine luftigen Höhen erreichen kann, sie sind die Handwerker des Zaubers, den die Zuschauer suchen. Ihre Routine verrät ihre Emotionen nicht, aber jeder ihrer Handgriffe ist Teil der großen und kleinen Geschichten, die hier erzählt werden. Auf der Bühne, und dahinter.

rendezvous salzburg: leo hussain

leo hussain im interview zum thema "hast du einen lebenstraum?"
musikdirektor salzburger landestheater



eine produktion von uta gruenberger & markus hofstätter, salzburg 2010
www.musze.tv

rendezvous salzburg: hubert lepka

hubert lepka im interview zum thema "hast du einen lebenstraum?"
regisseur, lawine torrèn



eine produktion von uta gruenberger & markus hofstätter, salzburg 2010
www.musze.tv


Tischsitten am Set


















Wer bei Eat & Meet Platz nimmt,
kann aus seinem Benimm-Kästchen schöpfen.


Noch bis Ende März werden in den teilnehmenden Gastronomie-Betrieben der Altstadt für das Gourmetfestival Eat&Meet die Tische gedeckt. Das eigens dafür kreierte Set, das der Gast gerne mitnehmen kann, weist auf Selbstverständliches und wirft dennoch Fragen auf.

Wohin gehören Messer, Gabel und Löffel? Wie sind sie zu verwenden?
Es gab Zeiten, bis zum Beginn der Massenproduktion Ende des 19. Jahrhunderts, da wurde überhaupt kein Besteck neben die Teller aufgelegt, und bis ins 17. Jahrhundert galt die Gabel als Werkzeug des Teufels und war schlicht verboten.

Messer, Waffe und Werkzeug zugleich, waren von Anfang an persönliche Gegenstände, die am Körper, in den Gürtel gesteckt, getragen wurden. Ein Messer zu verschenken ist daher ein folgenreicher symbolischer Akt, dessen Gefährlichkeit nur mit einem Pfand gebannt werden kann. Aus demselben Grund reicht man ein Messer mit dem Griff, und legt es mit der Klinge nach innen zum Teller auf.

Das urtümlichste Esswerkzeug, der der Handwölbung nachempfundene Löffel, ist auch das freundlichste, es wird Kleinkindern sorglos überlassen, man kann damit aus dem Vollen schöpfen und Zutaten messen, lediglich das Schlürfen daraus ist in den verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich geregelt. Das Wissen um den richtigen Gebrauch von Besteck und die Umgangsformen bei Tisch gilt nach wie vor als Mittel zur kulturellen Unterscheidung zwischen fein und unfein. Erst wer die Regeln kennt, kann sie brechen.

Also: Wohin gehört der Löffel?
(eb)

Der Kaiser der Paradeiser und die Acetaia des Opernsängers

Erich Stekovics und Herwig Pecoraro erzählten von der Russischen Reisetomate, warum man keine grünen Paprika essen soll, und was man tut, wenn man ein Produkt verkaufen will, das es gar nicht gibt.

Eine gemütlicheTischrunde in der Caverne der Blauen Gans, und zwei Menschen, deren Lebensgeschichte und Gschichteln unterhaltsamer nicht sein können. Und weil die beiden auch ihre Produkte zum Verkosten mitgebracht haben, lernten die Gäste auf vergnügliche Art und Weise die Welt der besten Balsamici Österreichs und die die alten Gemüsesorten vom "Kaiser der Paradeiser" kennen.

Erich Stekovics, studierter Theologe, gab in reinster Kabarettform zehn Tipps für die perfekte Tomatenplantage vor der Haustüre, erzählte, wie ein Scheich von Quatar auf seine alten Gemüsesorten aufmerksam wurde und es nun einen Stekovics-Ableger in Quatar gibt. Ein Schelmenstück ist seine Geschichte von der Russischen Reisetomate, die gänzlich unwahr ist, aber so gut erfunden, dass sie Eingang in die Tomaten-Nomenklatur gefunden hat. Er erzählte, wie der Zufall es wollte, dass der Chefeinkäufer von "Manufaktum" eines der Stekovics-Gläser am Schreibtisch einer Büroangstellten stehen sah. Heute kauft Manufaktum 120.000 Gläser bei Stekovics. Vor allem aber erzählte er von der Leidenschaft, dem Erfolg, dem Mißerfolg, den Fehlern und dem großen Glück, das ein erfülltes Unternehmerleben ausmachen. All das ist in seiner wunderbaren "Mieze Schindler Erdbeere" enthalten, eine Blut und Tränen-Marmelade, wenn Marmelade nicht ein zu banales Wort für diese fruchtgewordene Poesie wäre.


Herwig Pecoraro kennt sich mit Poesie aus: er ist Kammersänger an der Wiener Staatsoper und zwischen den Proben von Moses & Aaron, Meistersinger und Siegfried mit seiner Frau nach Salzburg gekommen, um seine Balsamici (never say Essig!) aus der Acetaia in der Nähe von Klosterneuburg zu besingen. Auch sein Lebensweg war wenig geradlinig: da die Eltern die geliebte Koch- und Konditorlehre nicht erlauben wollten, machte er die Gendarmenschule und wurde Polizist. Da die Leidenschaft für das Kulinarische sich aber nicht abkühlen wollte, hat er Koch- und Konditorlehre nachgeholt. "Und dann befiel ihn das Singen" wie Konstantin Wecker dichtete, oder passierte ihm, wie Herwig Pecoraro sagt. In Modena kam er beim Gesangsstudium mit dem Aceto Balsamico Tradizionale in Berührung, und der würde ihn nicht mehr loslassen. Kostenintensive Umbauten der Acetaia und viele Rückschläge konnten ihn ebensowenig von seinem Weg der Qualität abbringen wie der Amtsschimmel, in dessen Lebensmittelkodex die säurearmen Balsamici damals gar nicht vorgesehen waren und demnach erst nach einer Gesetzesänderung (unter Pecoraros Mitwirkung) verkauft werden durften. Eine Bereicherung des heimischen Feinschmeckermarktes: 1.400 Fässer feinster Balsamessige aus Grünem Veltliner lagern heute in der Acetiaia, und unsere Gäste konnten ihr kulinarisches Spektrum bei einem Menu unseres Kücheteams mit Pecoraro-Balsam und Stekovics-Köstlichkeiten erweitern.

Ein wunderbarer, verzaubernder Abend, mit authentischen Menschen und fühlbarer Leidenschaft. Absolut GÄNSEHAUT-verdächtig!


Info: Die Produkte von Erich Stekovics und Herwig Pecoraro gibt es in Kürze auf unserer Speisenkarte.

http://www.stekovics.at
http://www.pecorarobalsamico.at/

Filmemachen in der Residenz

Die ersten „Filmmaker in residence“ zeigten das Ergebnis ihrer Arbeit beim Gänsehaut-Salon im Rahmen von Eat & Meet.

Film:riss09, Festival der studentischen Filmkultur, und arthotel Blaue Gans hatten im Herbst 2009 die ersten „Filmmaker in residence“ ausgeschrieben, Jakob Breit und Manfred Rainer waren die Erwählten.

Eine Woche in der Festspielhaus-Suite, viele Streifzüge durch Salzburg und unzählige Fotos später, und der Film „S******g“ war schon vor Ort in großen Zügen fertig gestellt. Im Gänsehaut-Salon wurde er nun zum ersten Mal vorgestellt.

Nach einer mystischen Fahrt zwischen die Bäume von Hellbrunn schreitet der Zuseher durch eine geheime Tür der Pferdeschwemme in eine weite Dimension, die ihn unversehens aus dem All wieder nach Salzburg, ins Herz der Altstadt, katapultiert. Die Häuser und Plätze, zwar vertraut, ergeben in ihrer neuen Anordnung eine Traumstadt, aus der plötzlich Farbe und Musik, und diesmal ist es nicht Mozart, aufsteigen, und aufzeigen, dass es auch anders ginge, als die barocke Kulisse vorerst vermuten lässt. Ein touristisches Plastikland bevölkert sich mit Pferdeherden, bunten Eulen und freundlich nickenden Löwen. Salzburg lebt.

S******g from manfred rainer on Vimeo.

Schau mir in die Augen, Mann!

Oder wie Kunst im öffentlichen Raum den Weltfrauentag erklären kann

Die zwei Figuren von Stephan Balkenhol, die die Salzburg Foundation im Zuge ihres auf zehn Jahre angelegten Kunstprojektes der Stadt Salzburg geschenkt hat, sehen einander nicht. Wir vermuten, dass sie sich kennen, weil wir uns in ihnen wiedererkennen, in ihrem Allerweltsgewand, nichts sagend herumstehend.

Die Frau im Fels, in ihrer Nische im Toscaninihof, heißt auch so. Da steht sie also, seit Sommer 2007, Standbein und Spielbein sich abwechselnd, die Arme und Hände vor den Körper gekreuzt. Verschämt? Ihr Blick ist nicht gesenkt, vielleicht sieht sie tatsächlich, über den Friedhof von St Peter hinweg, zum Mann hin, zur „Sphaera“, so der Titel der zweiten Skulptur, die am Kapitelplatz hinter dem Dom thront. Darauf der kleine Mann auf der großen, goldenen Kugel, keine Mozartkugel, die originale ist ja bekanntlich silbern, auch nicht die Weltkugel, vielleicht der goldene Ball der Prinzessin, die den Frosch nicht küssen wollte, und jetzt wurde aus ihm bloß ein kleiner Prinz.

Das kommt einem alles irgendwie bekannt vor. Wenn er sich zur Frau umdrehen würde, sie wirklich sehen könnte, ach, dann könnte sie die Arme öffnen und müsste nicht mehr Brot und Rosen fordern. Und dann klappt‘s auch mit dem Weltfrieden. (eb)

Vom Träumen in der Stadt

Die ersten Filmmaker in residence von arthotel Blaue Gans und Film:riss Festival 2009, Jakob Breit/Wien und Manfred Rainer/Dublin, über ihr Projekt:

So ein Leben im Hotel, mitten in der Altstadt, ist schon ein ungewöhnlicher Luxus, und die köstlichsten Kalbsbäckchen der Welt können auch ablenken.

*
Arbeit ist aber Arbeit, und unsere war es, die Stadt in all ihren Potentialen, die sie ja unbestritten hat, wahrzunehmen, auseinanderzunehmen und neu zusammenzusetzen.

*
Leben an einem anderen Ort ist inspirierend, aber dieser Ort kann (für uns) nur dann wirklich Anregung zu künstlerischem Schaffen sein, wenn er lebt, sich verändert.

*
Zur totalen Freiheit der Kunst darf es keine Vereinnahmung dieser geben, Kunst bedeutet leben, nicht starres Beharren auf Konservierung eines jeden Ziegelsteins.

*
Bürgerliche Mystifizierung und Verkitschung sind zwar mögliche, aber museale und rückwärtsgewandte Arten, Kunst zu sehen und zu zeigen.

*
Unser Traum zeigt auch andere Bilder, jenseits von Image, Vermarktung und Disneyland-Ästhetik.

*
Realität verändert sich im Traum, unsere Traumstadt liegt in den Wolken, zugleich könnte jede Stadt Traumstadt sein.

Geschichte und Tradition haben hier einen wertvollen Platz und könnten einen tatsächlich attraktiven Ort schaffen, der gestern und heute verbindet, und zum Träumen anregt.
(eb)

Öl fürs Feuer

Warum bei der Wahl des richtigen Öls nicht nur die inneren Werte zählen?

Die Kunst, beim Kochen das richtige Öl zu wählen, benötigt einiges Vorwissen: Welche Öle gibt es, und vor allem, was koche ich?

Je nach Zutat und Speise ist jenes oder anderes Öl feiner für den Geschmack, und kein Olivenöl schmeckt wie das andere. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, der Baum, die Sonne, die Ernte, die Flasche, die Liebe zum Detail. Ebenso wichtig wie die Eigenschaften des Öls, das unseren Geschmackssinn anregt, sind jene des Öls, das die anderen Sinne erleben: Der süße Duft und die samtene Haut von Hera, die Zeus in Homers Ilias in die Knie zwingen, das betörend glänzende Haar der Aphrodite in den Olivenhainen von Zypern.

Die alten Griechen kannten wohl die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Öl, sie berichten aber gerne über die Wohlgerüche, die damit gebannt werden konnten und die Sterblichen den Göttern näher brachten. Ambrosia, der göttliche Nektar, ist Speise, Trank und Duft zugleich. Es erfreut die Götter, von Artemis bis Zeus, und gilt laut Plinius neben Wein als wichtigste Flüssigkeit für den Menschen. Es diente zur Reinigung und Pflege, als Massagemittel der Athlethen vor den Wettkänpfen, um von den Göttern wohlgestimmt zum Sieg zu gelangen, und danach zur Entspannung der Muskeln, es unterstrich die Schönheit der Frauen und den Reichtum der Männer.

Zunächst den wohlhabenden Römern vorbehalten, verbreitete sich das Salben mit Öl auf alle Bevölkerungsschichten als Teil einer gesunden Lebensführung, wie es auch die weisen Männer des alten Indiens im Ayurveda empfahlen. In den heutigen Wellnesstempeln wird kein Olivenöl mehr verwendet, aber wenn das bevorzugte flüssige Gold für die Küche taugt und wie ein Edelstein strenge Qualitätsmerkmale erfüllt, kann man es sich getrost in die Haare schmieren und ein langes Leben genießen.
(eb)
gänsehaut im arthotel