In der Nacht zum Samstag kann es überall zeitweise regnen.
Eine verheißungsvolle Wetterprognose, denn die Nacht vor dem 1. Mai ist seit den Kelten eine besondere Zeit. An diesem Feuerfest, das im keltischen Jahreskreis den Übergang von Winter zu Sommer kennzeichnet, wird mit dem Aufbruch, der sich in der Natur vollzieht, auch alles andere Aufblühen gefeiert. Fruchtbarkeit, Fortpflanzung, Wachstum, Kreativität, Ideen, Liebe, Beziehungen. Die Freudenfeuer, die man dazu zündete, dienten zur Beleuchtung, zur rituellen Reinigung, als Mutprobe für die Jungs, die sich ein Mädel erobern wollten.
Die wiederum tanzten um den Maibaum, den es auch schon bei den Kelten gab, und banden den Auserwählten mit bunten Bändern an sich. Zumindest für diese eine Liebesnacht. Dass man am 1. Mai die Freude an der Arbeit, besser gesagt, über den arbeitsfreien Tag, feiert, kam Jahrhunderte später eher zufällig dazu, trifft sich nach schlaflosen Stunden aber ganz gut.
Einzig die katholische Kirche kann mit Freude nichts anfangen, und verteufelte die heidnischen Bräuche als Hexenkult. Um den arbeiterbewegten Tag auch für die Gläubigen zurückzuerobern, erklärte ihn Papst Pius XII. 1955 zum Gedenktag des Josef. Der Zimmermann gilt traditionell als Patron der Arbeiter, aufgrund seiner seltsamen Beziehung zu Maria auch als Patron der Ehe. Der nicht vollzogenen. Ein Band, das bestimmt nicht in der ersten Mainacht geknüpft wurde.
text: kb, foto: Isinor, pixelio.de
The Gift of Sound and Vision
Videokunst aus Österreich bei den Galerientagen in Salzburg
Flecken flackern. Es könnte die Aschewolke sein. Licht blitzt auf. Eine kaputte Neonröhre? Verschwommene Schatten bewegen sich zögerlich. Die Liebste im Nebenraum...
Die elektronischen Geräusche dazu lassen alle Möglichkeiten offen, zwingen das Hörerlebnis manchmal an seine gefälligen Grenzen, aber sie sind nicht bloß aufreibende Kulisse, sie verschmelzen vielmehr mit den bewegten Bildern zu einem sinnlichen Ganzen. Manche Zuschauerin in der Caverne des arthotel ist davon überfordert und verlässt nach drei Filmen den Raum. Schade, denn der Abend ist, wie im Titel nicht zu Unrecht angekündigt, ein Geschenk. Sixpackfilm zeigte beeindruckende Oden an die Möglichkeiten, mit Film und Ton Bilder im Kopf zu erzeugen. Die sehen dann bei jedem anders aus. Dass sie überhaupt zustande kommen, ist große Kunst im kurzen Format.
text: kb
Flecken flackern. Es könnte die Aschewolke sein. Licht blitzt auf. Eine kaputte Neonröhre? Verschwommene Schatten bewegen sich zögerlich. Die Liebste im Nebenraum...
Die elektronischen Geräusche dazu lassen alle Möglichkeiten offen, zwingen das Hörerlebnis manchmal an seine gefälligen Grenzen, aber sie sind nicht bloß aufreibende Kulisse, sie verschmelzen vielmehr mit den bewegten Bildern zu einem sinnlichen Ganzen. Manche Zuschauerin in der Caverne des arthotel ist davon überfordert und verlässt nach drei Filmen den Raum. Schade, denn der Abend ist, wie im Titel nicht zu Unrecht angekündigt, ein Geschenk. Sixpackfilm zeigte beeindruckende Oden an die Möglichkeiten, mit Film und Ton Bilder im Kopf zu erzeugen. Die sehen dann bei jedem anders aus. Dass sie überhaupt zustande kommen, ist große Kunst im kurzen Format.
text: kb
Sieben Wochen Spargel essen
Die einmalige Spargelzeit hat begonnen
Der seit 1996 von der Europäischen Kommission als geschützte geographische Angabe geadelte „Marchfeldspargel“ ist nun frisch zu haben. Damit beginnt eine genussvolle Zeit, die traditionell Ende Juni mit dem Johannistag abgeschlossen wird.
Bis dahin kann man sich dem Asparagus officinalis L. ohne Bedenken hingeben, denn das Gemüse ist zwar mineral-, vitamin- und ballaststoffreich, bringt aber bei 100 Gramm nur 17 irrelevante Kalorien auf die Wage. Seine entschlackende Wirkung macht ihn zum echten Schönmacher, was auch die ägyptische Kaiserin Nofretete, die „Schöne“, erkannte und Spargel zur „Speise der Götter“ ernannte.
Die Römer machten den Spargel nördlich der Alpen bekannt, sein Anbau in Apotheker- und Klostergärten setzt sich aber erst im 16. Jahrhundert durch. Vorerst als Heilpflanze, ab dem 17. Jahrhundert als Delikatesse reicher Schlossherren. Weil das damalige Silberbesteck durch schwefelhaltige Verbindungen im Spargel anlief, wurde er in sogenannten Spargeldeckeldosen, gerne aus Meißner Porzellan, mit den Fingern gegessen.
Solches Geschirr und Spargelspezialbesteck kann im oberbayrischen Schrobenhausen im ersten Spargelmuseum der Welt, seit 1991 als „Europäisches Spargelmuseum“ geführt, bewundert werden. Wer Spargel nach wie vor lieber als Fingerfood genießt, wird gegebenenfalls feststellen können, was daran Libido fördernd sein kann. Sieben Wochen lang.
Unaussprechlich, unerhört, undenkbar
Das City-Lab-Symposium der Galerientage, in Kooperation mit der Universität Mozarteum gestaltet, musste aufgrund nicht eingetroffener Artefakte und Vortragender, von der Aschewolke des unaussprechlichen Eyjafjallajökull aufgehalten, abgesagt werden. Schade, denn in der „Schule des Staunens“ hätte es Einiges zu entdecken gegeben. Flaschen zum Beispiel, die eine mögliche Antwort auf die Frage, wie Wasser denn aussieht, sein können.
Aber warum das Wasser nicht aus der Leitung trinken? Gerade in Salzburg freuen sich Einheimische und Gäste über die hochwertige Grundversorgung. Wasser ist aber auch ein Produkt, das kostet und verkauft wird, und darum nicht mehr selbstverständlich ist. Tobias Glaser, Tanja Busse und Wolfgang Ullrich hätten in ihren Vorträgen aus ihren jeweiligen Perspektiven als Designer, Journalistin und Philosoph am Beispiel Wasser den Alltag, die Grenzen und die Möglichkeiten der Menschen in der modernen Konsumgesellschaft angesprochen, Unerhörtes hätte zu denken gegeben, und unmögliche Träume hätten auf einmal Realitätspotenzial bekommen.
Vielleicht findet das City Lab im Herbst statt. Vielleicht hat sich bis dahin der Vulkan beruhigt und die Normalität ist im personen- und warenbefördernden Flugverkehr wieder eingekehrt. Oder wir sind unruhig geworden, haben uns gefragt, ob alles so ist, wie es ist, so sein muss, wie es ist, und haben womöglich etwas geändert. Leitungswasser getrunken.
text: kb, foto: u.w. / pixelio.de
Es ist alles eitel
Foto: Christian Boltanski: Vanitas, Salzburg Foundation
Kirche, Kunst, Barock: Fastenzeit in der Stadt Salzburg
„Es ist alles eitel“ beginnt das Buch Kohelet des Alten Testaments, und meint nicht nur den schönen Schein, dem der Mensch nur zu gern nachgibt. Es ist alles vergänglich, vergeblich gar. Im Augenblick des Todes ist nichts mehr von Bestand, der Mensch, sein Leben, löst sich auf in Nichts.
Weil das eine ungeheurliche Vorstellung ist, die man sich gar nicht vorstellen kann und will, bietet die Fastenzeit, die es in vielen Religionen gibt, einen zeitlichen Rahmen, eine Klammer, um sich auf Tod und womöglich Auferstehung vorzubereiten . Die Spannung zwischen Gier nach Leben und Todesbangen, die so kennzeichnend für das Zeitalter des Barock ist und in Salzburg die Fassaden der Altstadt bestimmt, kommt in der mittelalterlichen Krypta unter dem Dom jäh zur Ruhe.
Auf der einen Seite finden sich die Gräber der Erzbischöfe Salzburgs, unter anderem Wolf Dietrich, der in seinem städteplanerischen Grössenwahn gegen den Widerstand der Bevölkerung den alten Dom nach einem Brand abtragen ließ, und Paris Lodron, Begründer der Universität, der den neuen Dom inmitten der europäischen Kriegswirren des 17. Jahrhunderts mit großem Pomp und viel Kunst aus Italien einweihte.
Auf der anderen Seite, entlang der ursprünglichen Mauer aus dem 13. Jahrhundert, befindet sich ein versteckter Raum der Stille. Seit 2009 ist die restaurierte Krypta öffentlich zugänglich und mit der Installation „Vanitas“ des französischen Künstlers Christian Boltanski, im Auftrag der Salzburg Foundation, gestaltet. Zwölf kleine Metallfiguren werden vom Licht flackernder Kerzen an die Wand vergrößert, ein Totentanz reiht sich da auf, während am Ende des Raums ein weiterer Sensenmann als Schatten an der Decke kreist. Dazu sagt eine Stimme automatisch die Zeit an.
Vergeblich, denn die Sekunde ist, da ausgesprochen, schon vergangen. Vergangenheit bestimmt diesen Ort, den der Künstler nicht als Denkmal, sondern als Raum der Erinnerung versteht. Boltanskis Werk ist geprägt von diesem Festhalten an den Zeichen der Vergänglichkeit, er archiviert und inventarisiert die Beweise seiner und anderer Existenzen, um über den Tod hinaus zu bestehen. Fotos, Lebensläufe, Herztöne.
Für sein neuestes Werk, „Mein letztes Kunstwerk“, verkauft der 65-jährige Boltanski einem Multimillionär und Sammler die ihm verbleibende Zeit in seinem künstlerischen Alltag: Webkameras filmen und übertragen das Schaffen im Atelier in eine Grotte, Boltanski erhält eine monatliche Leibrente. Doch wenn auch ihm die zwölfte Stunde schlägt, bleibt auch hier die Nichtigkeit der Eitelkeit zurück.
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