Waldbilder

Sigi Fruhauf ist Artist in Residence des arthotel

Siegfried A. Fruhauf ist bildender Künstler, er macht Kunst mit Bildern. Manche sind bewegt, wie in seinen Experimentalfilmen, für die er regelmäßig Preise bekommt und die aktuell beim 10. Filmfestival Viennale in Wien in einem ihm gewidmeten Sonderprogramm mit dem Titel „EXPOSED – Das experimentelle Kino von Siefried A. Fruhauf“ zu sehen sind.

Er ist regelmäßiger Gast bei film:riss, dem Festival für studentische Filmkultur in Österreich, das im November 2010 ebenso zum zehnten Mal stattfindet und von der Blauen Gans unterstützt wird. Die Verbindung zu Andreas Gfrerer stellte aber der Galerist des arthotel Patrick Ebensperger her, und so schließt sich ein schöner Kreis. Denn Sigi Fruhauf macht auch Kunst mit unbewegten Bildern. Die Arbeiten der Serie „WATCH YOUR HEAD“ sind im vergangenen Juni am Mönchsberg entstanden und in der Bar der Blauen Gans zu sehen.

Als Artist in Residence konnte Sigi Fruhauf fern von jeglichem Druck, bei köstlicher Küche und altstädtischem Ambiente seine Halbformatkamera packen und am Hausberg im Stadtzentrum Salzburgs das Licht dieses besonderen Ortes aufspüren. Dabei reizen ihn die technischen Möglichkeiten und Grenzen seiner Geräte, um dieses Licht auf Papier zu halten. Die Fotografie hält Augenblicke fest, die im selben Moment Vergangenheit werden, aber länger sichtbar bleiben als der Film. Dadurch entsteht eine andere Verdichtung des Moments, losgelöst von Zeit und Raum. In den Fotografien von Sigfried Fruhauf kann jeder Betrachter seinen eigenen Sehnsuchtsort erkennen und sich auf Entdeckungsreise durch einen Zauberwald begeben.

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So traurig dass ’s wieder schön ist


Wiener Blues in der Blauen Gans beim Festival „Jazz & The City“

Beim dritten oder vierten Lied reißt hörbar eine Saite. „Wir haben einen Plan B, sagt Ernst Molden ungerührt. Nein, keine zweite Gitarre, auch kein bombiges Babe, sonder ein Wienerlied, ein ganz ein schönes, das Walther Soyka auf seiner Knopferlharmonika spielt.

Danach wird das „Bundesbad“ in voller Länge wiederholt, und die Anwesenden in der die Stufen hinauf gefüllten Caverne des arthotel Blaue Gans sind in ein Paralleluniversum versetzt. Es klingt nach Wien, es fühlt wie Wien und ist auch für so manche Salzburger Dame unaussprechlich unverständlich wie Wien. Wunderbar. Und doch mitten in der Altstadt Salzburgs, in der seit über zehn Jahren Jazz für alle bei freiem Eintritt geboten wird. Für alle bedeutet hier, dass sich unter den 100 Konzerten an fünf Tagen und über 50 Spielorten für jeden etwas zum wiedererkennen oder entdecken findet.

Die ursprünglich der lokalen Szene gewidmete Musikveranstaltung, die vor dem „großen“ Salzburger Jazzherbst stattfindet, hat sich seit 2008 unter der Leitung von Gerhard Eder, der lange Jahre das Jazzfestival Saalfelden prägte, zu einer überregionalen Erlebniswelt entwickelt. Salzburger Formationen und namhafte nationale wie internationale Künstler laden zu musikalischen Wanderungen und Begegnungen ein. Ernst Molden hat im Programmbuch geblättert: „Geil“. Gern bliebe er hier, allein, er muss die Schwiegermutter auslösen, und wieder in seine schräge Heimatstadt. Ein Wien, das einem schon lange nicht mehr so poetisch begegnet ist.

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"Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Montag!"


Die Ansage kommt überraschend, und bleibt nicht ohne Nebenwirkungen. Die Benutzer der Linie 6 in Salzburg schmunzeln, lachen, und keiner leugnet, dass dieser unvorhergesehene Gruß des Fahrers die Laune hebt.

Der Mann ist hörbar Bayer, und als solcher offensichtlich einer eigenen Tradition verpflichtet, mit seinen Fahrgästen zu kommunizieren: In der Münchner U-Bahn werden die Marathonläufer auf dem Weg zu ihrem Bewerb zu Bestleistungen ermuntert und mit aktuellen Wetterdaten versorgt, in den Regionalbahnen während der Wies‘n-Wochen kommt man nicht ohne die Aufforderung, sein Handy, sein Leergut, sein Mädel nicht auf dem Sitzplatz liegen zu lassen, aus dem Zug. Und jedes Mal tut’s gut, wenn da einer so daherredet.

Ein Mensch! Keine Blödel-Beschallung, keine Konserve, sondern einer, der freundlich weiß, was er tut: Die simpelsten Umgangsformen anwenden. Über den empfehlenswerten Umgang mit Menschen hatte sich Adolph Freiherr Knigge schon Ende des 18. Jahrhunderts Gedanken gemacht. Seine soziologischen Erläuterungen sollten aufklären, Missverständnissen vorbeugen und Vorschläge für ein möglichst wenig enttäuschendes, sondern erfreuliches Zusammenleben von verschiedenen Generationen, Charakteren, Berufen, von Menschen und Tieren geben.

Die zeitgemäße Adaption verfasste sein Nachfahr Moritz Freiherr Knigge 2004. Als identitätsstiftende Zeichen der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe sind Verhaltensregeln jeder Art natürlich auch Mittel zum Ausschluss derer, die ihrer nicht kundig sind. Aber einen guten Tag zu wünschen hat noch nie geschadet.

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Wir kennen sie nicht



Es ist ein herrlicher Herbstmorgen, der Himmel strahlt, die Luft ist klar und frisch, die Stadt surrt von der Geschäftigkeit ihrer Bewohner und Besucher. Im Hof der Dietrichsruh, ehemals Lustgarten des Erzbischofs in seiner Residenz im Herzen Salzburgs, ragt eine schwarz verhüllte Skulptur aus dem Kies, entlang der einzig sonnenbeschienenen Fassade reihen sich die Kunstkenner. Awilda ist da.

Das neunte Werk des Kunstprojekt Salzburg, das im Auftrag der Salzburg Foundation moderne Kunst auf alte Plätze stellt, zeigt einen fünf Meter hohen Kopf aus weißgrau schimmernden Marmor. Die Züge sind weich, die Augen sind geschlossenen. Die im Nacken zum Zopf geflochtenen Haare bestätigen, dass sie weiblich ist. Doch noch sehen wir sie nicht, es ist erst zehn Uhr zehn, die "Smile Hour" der Uhrenverkäufer, weil diese Zeigerstellung ein Lächeln schematisch nachbilde und sich in der Werbung deshalb besser mache. Erzählt Jaume Plensa, der zum ersten Mal seine Figur an dem ihr zugedachten Platz erleben wird.

Seit 2004 beschäftigt sich der katalanische Künstler mit figurativer Skulptur. Sein umfangreiches Werk, das 1980 mit einer Einzelausstellung in der Fundaciò Miró in Plensas Heimatstadt Barcelona bekannt wurde, war anfänglich abstrakter und materialbezogener. Das Spiel mit dem Licht, den Tönen, entsprach Plensas Anforderung an synästhetische Kunst, die über die Sinne zur Erkenntnis führen kann. Die Idee, als Text, als Wort, als Buchstabe, ist zentraler Bestandteil seiner Werke. Mit den totemhaften, großformatigen Figuren erweitert sich der Gedanke zum Gefühl, und der Kopf wird Raum für die Seele, die Essenz des Menschen. Plensa arbeitet anhand von Fotografien, die er von tatsächlich existierenden Menschen macht, deren allgemein gültige Züge er in 3D-Modellen in Form bringt , um daraus universelle Portraits zu machen.

Awilda gibt es also wirklich. Der Legende nach eine dänische Prinzessin, die zur Piratin wurde, ist Awilda als weiblicher Vorname vor allem in Puerto Rico sehr verbreitet, und bedeutet wohl „die Ungezähmte“. Die Suche nach ihrer Herkunft verrät vor allem unsere eigene Unsicherheit und unser Bedürfnis, nicht bedingungslos annehmen, sondern verstehen zu wollen. Wir kennen sie nicht, aber sie ist da, und als der schwarze Samt Awilda schließlich freigibt, lächeln nicht nur die Uhren.

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Das Leben in den Wäldern


Henri David Thoreau, amerikanischer Schriftsteller und Philosoph, Inspiration für Mahatma Gandhi und Martin Luther King, war nicht ganz 28 Jahre alt, als er in den Wald von Concord/Massachusetts ging, um dort sein zweijähriges Experiment eines einsamen und selbständigen, aber nicht abgeschiedenen Lebens in der Natur durchzuführen. Unangepasst an die Konventionen seiner Zeit, bedürfnislos, sensibel und geduldig ging er in den Wald, um tief zu leben und Erkenntnis zu finden. Andere sammeln Schwammerln und Beeren, suchen den Braunen, um ihrem Ur-ich zu begegnen, oder um ihre Angst zu überwinden.

Immerhin birgt der Wald Gefahren, er ist bewohnt von bedrohlichen und zaubrischen Wesen und Tieren, man kann sich im Dickicht verirren und umkommen. In der Tiefenpsychologie steht der Wald für das – unheimliche? - Weibliche, er stellt die Grenzen zwischen Vertrautem und Fremdem dar.

Die Abgeschiedenheit des Waldes, fern vom Treiben der Stadt, macht ihn zum heiligen Hort für geistige Konzentration und Innerlichkeit, ein Ort für Asketen und Eremiten. Auch andere, die sich an den Rändern der Gesellschaft bewegen, finden sich bald im Wald wieder: Mörder, Diebe, Wilderer finden hier natürlichen Schutz. Als Anfang der 80er Jahre befürchtet wurde, der Wald sterbe, kam ihm prompt die Kunst zur Hilfe: 1982 stellte Josef Beuys im Rahmen der documenta 7 in Kassel sein Landschaftskunstwerk „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ der Öffentlichkeit vor. Jedem gepflanztem Eichenbäumchen wurde ein Basaltstein zu Seite gestellt, um den Menschen die zeitliche Dimension ihres Daseins in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erfahrbar zu machen.

Zuerst geht der Mensch, dann der Wald, dann die Steine, sagte der kürzlich verstorbene Bildhauer Karl Prantl. Doch bevor wir zerbröselnd zur Erde zurückkehren, gehen wir lieber in den Wald. Und leben gelebte Leben.

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Let it be

Am 9. Oktober wäre John Lennon 70 Jahre alt geworden. Zwei Monate später jährt sich sein Todestag zum 30. Mal. Anlass für Emotionen, Aktionen und Publikationen aller Art.

Am 7. Oktober erscheinen die letzen Zettel von Marilyn Monroe als „Fragmente“ in Buchform. In beiden Fällen erfährt man nichts Neues, was zu diesem beiden Sternen ihrer jeweiligen Galaxien nicht schon gesagt, geschrieben oder mutgemaßt wurde, es ist halt marketingtechnisch jetzt der richtige Moment.


Anna Strasberg, Witwe, Erbin und dritte Frau des Mentors der Monroe, Lee Strasberg, wehrt sich gegen jeden Vorwurf der Geschäftemacherei. Der Erfinder des Method Acting ist zwar schon über 20 Jahre verstorben, aber erst jetzt wurden ach so zufällig die letzten Schuhschachteln mit den Tagebuchaufzeichnungen, Rezeptzetteln und sonstigen Notizen der Diva, deren Aura in der Kunst anderer blonden Bomben heute fortlebt, gefunden. Ein Fall für Fans, aber auch für jeden, der sich wie Marilyn mit seinem eigenen Leben auseinandersetzt: Wer bin ich, woher komme ich, wohin will ich?

„Tapfer lieben“ lautet der Titel des Buches auf Deutsch. Das überhöht zwar die Erwartungen an den Inhalt, kann als Motto durchaus gelten. Liebend widmet sich auch Yoko Ono seit dem Tode John Lennons dem Erhalt und der Verbreitung seines künstlerischen Schaffens, indem sie stetig weiteres Material des Ex-Beatles veröffentlicht. Zum Jubiläum nun also die monumentale „John Lennon Signature Box“, eine weitere Schachtel, die geöffnet wurde und auf elf CD alle acht Originalalben seit «John Lennon / Plastic Ono Band» (1970) sowie zahlreiche Fundstücke und Raritäten vereint: Selbsterfahrungssongs, die mit den Beatles nie möglich gewesen wären, Rock, und poppige Musikalität als Echo früherer Zeiten. Ein schmaler Grat ist das, der die Wechselbeziehung von Pop und Avantgarde, die Ono und Lennon verkörperten, hörbar erfahrbar macht.

Symbiotisch und produktiv wollten beide die Welt verstehen und verändern, und haben sich dafür in ihren Flitterwochen öffentlich ins Bett gelegt. In Liverpool kann man sich von 9. Oktober bis 9. Dezember 2010 zu einem solchen Bed-In melden, um weiter für den Frieden Liebe zu machen. Oder so.
Oder man geht diskreter mit seiner Liebe um, taucht im Hotel ab statt auf, und lässt die Welt eine Weile draußen.

Text: KB  / Bild: www.sissamicheli.net// markenredaktion blaue gans salzburg

Von allen Charlie Browns der Welt bist du der Charlie Brownste!

Charlie Brown wird heute 60.

Am 2. Oktober 1950 veröffentlichte US-Zeichner Charles Schulz den ersten Comic-Strip der PEANUTS. Seit seinem Tod vor zehn Jahren gibt es keine neuen Abenteuer mehr, aber der Kinderkosmos rund um Charlie Brown und seine Freunde ist reichhaltig.

Im beständigen Fluss von Variationen der gleichen Geschichten erzählt Schulz von den Nöten und Sorgen der Erwachsenen, ohne diese selbst zu Wort kommen zu lassen. Die Kinder sind es, die in ihrer unerschrockenen Suche nach Zustimmung und Zärtlichkeit ihren Wert in der Gesellschaft stellvertretend hinterfragen. Die genial einfachen Zeichnungen und schlicht ergreifenden, archetypischen Erzählungen der Comics unterhalten und regen zum Nachdenken an.

Charlie Brown wird gern als sympathischer Verlierer dargestellt, und, ja, er scheitert, an vielem, doch darin ist er ganz normal. So bilden die Episoden der Peanuts ein Panorama der menschlichen Tragödie und der menschlichen Komödie, deren epischer Held selbst von seiner Mutter mit Vor- und Zunamen genannt wird. Selbst wenn jeder treue Leser seinen Lieblingspeanut hat: Wir sind Charlie Brown.

Text: KB  / markenredaktion blaue gans salzburg

Ein Märchen


Es war einmal ein dunkler Wald, aus dem ein hoher Berg und schroffe Felsen ragten. In diesem Wald lebte ein großer, stolzer Hirsch, dessen mächtiges Geweih von seinem Alter und seinen Kämpfen zeugte. Alle kannten ihn, die Tiere, und die Menschen aus dem Tal. Schon oft hatten ihn die Bauern gesehen, wenn der Hirsch im Morgenlicht stand und die Strahlen der aufgehenden Sonne ihn wie eine Krone schmückten. Die Jäger waren schon oft mit ihren Hunden in den Lichtungen auf der Lauer gelegen, hatten den Hirsch beim Trinken am Bach überrascht. Doch immer hatte er sie erspürt, ihre Gier gerochen, und war kraftvoll davon gesprungen.

Von den Geschichten der Männer fasziniert, machten sich Hans und Maria, die ärmsten Kinder des Dorfes, eines Tages auf den Weg, um den Hirsch zu fangen. Es war vor dem Kirchgang am Sonntag, sie trugen ihr Festgwand und hatten Äpfel in den Taschen, die sie dem schönen Tier schenken wollten. Bald erreichten sie die Lichtung, wo das Tier gesichtet worden war, und, tatsächlich, da stand der Hirsch. Er rührte sich nicht. Die Kinder hielten den Atem an, bei jedem Schritt näher klopfte ihr Herz wilder. Plötzlich sprang der Hirsch weg, Hans erschrak und rannte aus dem Wald so schnell er konnte, ohne sich umzudrehen. Maria aber blieb stehen und wartete. Nach wenigen Minuten kam der Hirsch wieder. Er war nun prächtig geschmückt, mit bestickten Samtdecken am Rücken und goldenen, edelsteinschweren Ketten um den Hals. Er blieb vor ihr stehen und senkte den Kopf. Maria streichelte vorsichtig seinen Hals, legte ihre Wange an sein warmes Fell. Dann kletterte sie auf seinen Rücken, und beide verschwanden für immer.

Ausstellung Fabel und Mythos im Haus der Natur

Text: KB; Bild: Haus der Natur Salzburg / markenredaktion blaue gans salzburg
gänsehaut im arthotel