Girls, interrupted


Leif Trenkler: "Aufbruch zu Bacchus"

Die Mädels machen Pause. Sind sie unterwegs? Wohin? Warum? Dieser „Restroom“, wie die Amerikaner sagen würden, kommt uns irgendwie vertraut vor. Kennen wir die Bar, die Lounge, das Hotel? Oder sind die beiden bloß auf der Durchreise, im Transit des eigenen Lebens, noch nicht ganz sicher, wohin der Weg gehen soll? Ihr Halt auf dieser Bank scheint jedenfalls vorübergehend zu sein, gleich werden sie wieder aufstehen, weitergehen, weiter tanzen, unaufgeregt feiern, in ihrer zwillingshaften Ausstattung unverkennbar Töchter ihrer Zeit, dennoch bemüht, einzigartig und unverwechselbar zu sein.

Wer sind sie? Sind sie wir? Unsere Kinder? Das sind alles zu viele Fragen für die Flüchtigkeit des Moments, der hier, fast fotografisch, festgehalten wurde. Die Hirnforschung beziffert das Jetzt mit einer Laufzeit von drei Sekunden, schneller noch als gedacht oder gar gefragt werden kann. Augenblicke ohne Vorgeschichte, ohne Fortsetzung, gehören zur Bilderwelt der Träume. Wir sind es gewohnt, das Betrachtete einordnen zu wollen, ihm Bedeutung zu geben, auch in unseren Träumen. Es ist aber eine Welt der Gefühle, des Wunderbaren und somit Unerklärlichen. Ein Moment tiefster Romantik.

Leif Trenkler
Silvesterzimmer
Silvester in Salzburg

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O Tannenbaum…

Weihnachtsbaum von Gelitin im Belvedere

Der Salzburger Christkindlmarkt hat auch einen Wald zu bieten. Aus diesem kann man sich das ganz eigene Prachtexemplar Baum fürs Weihnachtsfest aussuchen, und bildromantisch von einem starken Mann geschultert nach Hause tragen lassen. Wenn man aber eine Frau ist, kann man auch damit rechnen, dass der Mann das Ding zwar ästhetisch transportiert, aber nicht praktisch passend für den Weihnachtsbaumständer zuspitzen ließ. Und muss zu drastischen Handlungen ansetzen, die auch ein grobes Brotmesser verlangen. Wenn das dunkle Grün dann schillernd geschmückt im Raum steht, ist alles gut und wir feiern friedlich das Fest der Liebe.

Der schon im Mittelalter übliche Brauch, zu besonderen Festen einen Baum zu schmücken, fand damals zu Weihnachten im Rahmen der Paradies-Spiele statt, die in der Kirche zum Gedächtnis an die Stammeltern Adam und Eva aufgeführt wurden. Der „Paradiesbaum“ wurde mit Äpfeln behängt, und bis ins 19. Jahrhundert baumelten in Norddeutschland Adam, Eva und die Schlange dazu. Seinen ersten literarischen Auftritt hatte der Weihnachtsbaum 1774 als Goethe in den „Leiden des jungen Werther“ das Entzücken desselben schildert, als Lotte ihm am 4. Advent die Tür öffnet und der aufgeputzte Baum erscheint. Zuerst ein Privileg der reichen Leute und von der Kirche, die viele Waldgebiete besaß, missbilligt, war der Baum als fixes Symbol der Weihnachtszeit im 19. Jahrhundert nicht mehr wegzudenken.

In Österreich werden inzwischen jedes Jahr über 2 Millionen Weihnachtsbäume aufgestellt, wovon 85 % aus heimischen Wäldern stammen. Es heißt, dass jeder Mann in seinem Leben einen Baum gepflanzt haben sollte. Nur nach Hause tragen reicht jedenfalls nicht.

Foto: Der Standard: Belvedere-Direktorin Agnes Husslein hat die Gruppe Gelitin eingeladen, den Weihnachtsbaum in der Sala Terrena zu gestalten.

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Tatsächlich Liebe


Mit „Schenken Sie Liebe!“ bewirbt ein Juwelier in der Vorweihnachtszeit einen Ring um € 999,-. … Im Unterschied zur Werbung im übrigen Jahr, wo der Beworbene sich eigene Wünsche erfüllen soll, geht es im Weihnachtsgeschäft darum, nahestehende Mitmenschen zu beschenken und deren, hoffentlich sorgfältig formulierte!, Wünsche zu erfüllen. Gabentausch ist seit ältester Zeit der Menschheit ein wesentliches Mittel zur Stabilisierung von Beziehungen und ein Merkmal vieler Kulturen. Dabei spielt der Warenwert der Gabe sicherlich eine Rolle, aber ob er die Gefühle und Beziehungen der Schenkenden und Beschenkten beziffern sollte, ist eine berechtigte Frage. Und überhaupt: Kann man Liebe schenken? Französische Philosophen, Ethnologen und Soziologen haben in vielen Studien den paradoxen Umstand erkannt und erläutert, dass eine Gabe in Reinform, ohne Erwartung einer Gegengabe, nicht nur in der westlichen Welt den Gesetzen des Marktes unterliegt und schier unmöglich ist.

Das selbstlose, unspezifische, objektungebundene Handeln außerhalb einer Zeit- oder sonstigen Ökonomie geschieht vielmehr aus Nächstenliebe. Eine Verpflichtung, die viele Religionen von ihren Gläubigen verlangen, die anderen nennen es Altruismus. Und dieser braucht keine Anlässe und keine Gaben. Und macht trotzdem glücklich.
Also, nicht Liebe schenken, sondern tatsächlich lieben.

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Salto rückwärts


Die Compagnie Akoreacro zeigt „Pfffffff“ im Circuszelt des Winterfestes

Das Leben kann einen ganz schön beuteln. Überhaupt, wenn man ein scheues Mädchen im unförmigen Mechaniker-Overall ist, und sieben Männer an einem rütteln und schütteln. Die sind es nämlich leid, sich wie die sieben Zwerge unter ihresgleichen die Zeit zu vertreiben und stürzen sich auf das Fräulein mit Köfferchen. Als Haufen Mannsbilder werben sie für sich, und jeder tut auch einzeln seine Vorzüge hervor. Da singt einer schon mal den kleinen Koffer an, um sich als Chansonnier zu inszenieren, ein anderer wirbelt durch die Lüfte, der nächste trägt seine Dame sprichwörtlich auf Händen, Mann mimt den Clown oder verstrickt sich in surreale Tagträume…und immer spielt die Musik eine mitreißende Mischung aus Beat, Jazz, Hip Hop, Klezmer und Tango. Und was macht die Kleine, die „Petite“, deren Anfangsbuchstabe zusammen mit den sieben „f“s der feschen Kerle den Titel des Abends erklären könnte? Mit zunehmender Aufmerksamkeit und Balz der Männer wird das Mädchen zur Frau, zuerst im zögerlichen Kleidchen, dann im keckeren Latzhöschen, um schließlich in den vertrauten Pailletten der Zirkuswelt zu zeigen, was sie will und kann: loslassen. Und fliegen. Denn sie hat keine Angst davor.

Ob sich die tolle Trapezkünstlerin für einen der Akrobaten oder Musiker entscheidet, kann nur spekuliert werden, zumindest das Geheimnis des kleinen Koffers wird am End eines wunderbaren Abends voller artistischer Höchstleistungen doch noch verraten.

www.winterfest.at

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Der 8. Dezember

Mariensäule am Domplatz
Das römisch-katholische Glaubensdogma besagt, dass Maria als Gottesmutter vom ersten Augenblick ihres Lebens, im Moment, da sie von ihrer eigenen Mutter Anna empfangen wurde, vor jeglichem Makel der Erbsünde bewahrt bleiben sollte. Die Kraft dieser Glaubensaussage war so stark, dass die Studenten der Universität Salzburg bei ihrer Immatrikulation auf die Unbefleckte Empfängnis schwören mussten. So auch Leopold Mozart, der sich am 7. Dezember 1737 als Logiker zum Studium der Philosophie anmeldete und nach dem ersten Studienjahr als einer von 54 Jahrgangsbesten den Titel „Baccalaureus“ verliehen bekam. Der Tag nach seiner Einschreibung war schon damals nicht nur kirchlicher, sondern auch ein gesetzlicher Feiertag. Seit 15 Jahren darf Aufgrund der Änderungen der Ladenschlusszeiten in Österreich in der Vorweihnachtszeit auch der Marienfeiertag mit Einkäufen gefüllt werden. Für viele eine Möglichkeit, sich auf Weihnachten einzustimmen. Und ja, auch einkaufen gehört dazu. Und Kaffee trinken, und essen gehen.


Foto: Mariensäule am Domplatz, 1776 von Wolfgang Hagenauer und Johann Baptist Hagenauer errichtet. Quelle: www.salzburg.com

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Zeit der Sinnlichkeit

Walter Vopava
Kalte und warme Luftschichten wechseln einander ab. Manchmal ist es am Berg wärmer als im Tal, in der Höhe finster und unten hell, der Himmel stechend klar oder unendlich trüb. Die Lichtverhältnisse der Winterzeit, wenn Schnee in mondlosen Nächten nicht leuchtet, oder tiefliegende Sonnenaufgänge plötzlich alles in Gold verwandeln, schenken kostbare Augenblicke; der Geruch der Kälte, das Prickeln in den frierenden Fingern und Füßen, heiße Getränke und dampfende Stuben sind sinnliche Gegensätze dieser Jahreszeit.

Es sind unvermutete Unmittelbarkeiten und Intensitäten, die sich nicht sofort erschließen, die intellektuell erklärbar sind und doch der Sinnlichkeit verpflichtet, Schichten der Wahrnehmung und der Empfindung. Diese Spannungen finden sich auch in einer Malerei wieder, die in Schichten auf das Bildmaterial aufgetragen einen Dialog führt, Absolutes obsolet macht und dennoch Beliebigkeit ablehnt.

Eine Komposition und eine Technik wie ein Bekenntnis zur Dialektik der Natur und des Lebens. Naheliegend also, dass sich Hausherr Andreas Gfrerer und seine Frau Julia das Bild von Walter Vopava als Hochzeitsgeschenk ausgesucht haben.

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Schnee, der auf Dächer fällt

Wenn sich auch in der Altstadt die blaue Stunde auf den eingeschneiten Dächern spiegelt, ist es soweit: Winterzeit. Meteorologisch beginnt diese schon zu Allerheiligen, und die privaten Erinnerungen sind untrüglich: „Da hat’s schon Schnee gegeben“. Oder eben nicht.

Ebenso weiß jeder, wie kalt, nass oder trüb die Besuche am Christkindlmarkt waren, ob es weiße Weihnachten gab und die Tage zwischen den Jahren zum Eislaufen auf den gefrorenen Seen taugten. Alles in den Speichern der Erinnerung, oder auf den Computerfestplatten im Bilderordner. Die ersten Flocken bringen jedes Jahr wieder Chaos, Entrüstung, Überraschung, egal, wie punktgenau „er“ (der Meteorologe?!) den Schneefall vorausgesehen hat. Magie, denn eines ist jedenfalls gewiss: kein Schneestern gleicht dem anderen, jeder ist, auch wissenschaftlich erklärt, ein kleines Naturwunder.

Schon 1885 fotografierte der amerikanische Farmer Wilson A. Bentley über 5000 verschiedene Schneekristalle unter seinem Mikroskop. Nahaufnahmen mit dem Elektronenmikroskop zeigen architektonische Kunstwerke, die ebenso eine Kirchenfassade oder einen Palast schmücken könnten. Wenn sie unsere Fensterscheiben überziehen, heißt es warm anziehen, und staunen über solche Pracht, die sich nur im Winter zeigt.

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04_young filmmakers in residence 11/2010

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes sind wir von St. Leonhard ausgehend an historische Orte gefahren (Untersberg, Obersalzberg) und haben unsere Recherche dort fortgesetzt.








Artist in Residence
Filmmaker im Arthotel: Nathalie Koger mit Barbara Schwertführer
gänsehaut im arthotel