»Gott hat die Zeit geschaffen, der Teufel den Kalender«*

"Vanitas" von Christian Boltanski im Salzburger Dom

Weil der Teufel ein Verwirrungsstifter ist, gibt es verschiedene Zählweisen, um die zumindest im Ablauf von Tag und Nacht sichtbar vergehende Zeit einzuordnen. Schon die Steinzeitmenschen orientierten sich an die beobachtbaren Veränderungen am Himmel, sei es der ab- und zunehmende Mond, der Lauf der Sonne, die Position der Sterne. Die Anpassung der unterschiedlichen Zyklen aneinander setzte umfangreiche astronomische und mathematische Kenntnisse voraus, die im dritten Jahrtausend vor Christus in Ägypten zur Einführung eines Verwaltungskalenders auf 365-Tagesbasis führten.

Der heute weltweit angewendete Gregorianische Kalender (benannt nach Papst Gregor XIII.) entstand Ende des 16. Jahrhunderts durch Reformieren des Julianischen Kalenders, den Julius Cäsar nach ägyptischem Vorbild eingeführt hatte. Seit 1582 wurden zahlreiche andere Kalender abgelöst, die letzte Umstellung auf den Gregorianischen Kalender erfolgte 1949 in China. Der zyklische Lauf der Zeit gibt an Ende und Anfang Anlass zu aller Art Rituale und Bräuche. Man blickt zurück und schaut nach vorne, zieht Bilanz und setzt sich Ziele, formuliert Wünsche. Die Italiener raten zum Tragen roter Dessous in der Silvesternacht, um in derselben, oder danach, Glück in der Liebe zu sichern. Maria Stuart trug rote Wäsche zu ihrer Hinrichtung, um ihrem bis zuletzt festen Glauben eine beeindruckende ästhetische Dimension hinzuzufügen. Ihr Ende war der Anfang eines goldenen Zeitalters.

Der Jahreswechsel sollte keinesfalls so drastisch verlaufen, und große Veränderungen im Leben setzen selten mit dem Umblättern eines Kalenderblattes ein. Dennoch. Der Teufel schläft nicht. Und der Teufel sind natürlich wir.

*Erwin Chargaff, österreichisch-amerikanischer Biochemiker

Text KB / Bild: Salzburg Foundation / Christian Boltanski / markenredaktion blaue gans salzburg