Das Besondere liegt so nah


Abseits von Glitzer und Funkeln sind Filmfestivals auch Werkschauen. 

Die Reihe Perspektive Deutsches Kino der Berliner Filmfestspiele will explizit auf den Film-Nachwuchs neugierig machen und inhaltliche und stilistische Trends erkunden. Im zehnten Jahr der Reihe freute sich deren Programmleiterin Linda Söffker über die Vielzahl und die Reife der Einsendungen. Als einen der ungewöhnlichsten Filme, die sie jemals im Programm hatte, nennt sie Nicolas Steiner und seine Dokumentation „Kampf der Königinnen“.

Im Kanton Wallis geboren und aufgewachsen, setzt sich Steiner aus der Distanz der Filmakademie und der Großstadt mit einer besonderen, identitätsstiftenden Tradition ästhetisch auseinander. Dabei entstand ein ungewöhnlicher Heimatfilm, der zugleich zeitlos eine alpine Einzigartigkeit dokumentiert. Die Eringer Kühe sind die letzten Überlebenden einer Rasse, die vor 5.000 Jahren den gesamten Alpenbogen von Österreich bis nach Savoyen bevölkerte und nunmehr ausschließlich im Wallis zu finden ist.

Mit den Castanas und den Pezzataneras aus dem benachbarten Aostatal, sind sie auch die einzigen Kühe, die eine natürliche Rangfolge in ihrer Sippe immer wieder auskämpfen. Aus diesem Naturtrieb heraus entstand der kontrollierte und von den Züchtern organisierte „Kampf der Königinnen“. Der Dokumentarfilm von Nicolas Steiner inszeniert, getragen durch die Stränge verschiedener Nebenfiguren wie dem engagierten Bauern, dem Radioreporter bei seinem ersten Auftrag und der jugendlichen Mopedgang, die versucht, den Blick eines Cowgirls auf sich zu ziehen, eine skurrile Geschichte zwischen Tradition und Moderne.

Die Schwarz-Weiß-Bilder von Kameramann Markus Nestroy aus Graz, der 2010 für den Studenten Oscar nominiert wurde, sind in ihrer Klarheit klassisch schön. Aus der eindringlichen Musik des Films stechen die Jodelgesänge der Erika Stucky hervor. Die Künstlerin, ebenfalls aus dem Wallis kommend, erweitert ihre Wurzeln zu musikalischen Grenzerfahrungen, die schon mehrmals in Salzburg zu hören waren, zuletzt zu Jahresbeginn im Spiegelzelt des Winterfestes, demnächst beim 10.

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