Der Reiz des Radikalen


Als Andreas Gugumuck das erste Mal davon las, dass die Spitzengastronomie in Österreich die Weinbergschnecke wiederentdeckte, lag er in der Hängematte. Ein prophetischer Moment für den Wirtschaftsinformatiker, der daraufhin recherchierte und schließlich beschloss, den elterlichen Bauernhof in der Wiener Gemeinde Rothneusiedl vom Suppengemüsegarten zum Schneckengut zu erweitern. Die ersten 20.000 Muttertiere kamen schmatzend im LKW an, seitdem züchtet der Jungbauer entgegen aller guten Ratschläge erfolgreich seine „Wiener Schnecken“ in biologischer Freilandhaltung, ohne Pestizide und Pflanzenschutzmittel. Er möchte einem traditionsreichen Genussmittel, das schon die Kelten und Römer schätzten, und bis ins 20. Jahrhundert fester Bestandteil der Wiener Kulinarik war, zu verdienter Ehre verhelfen.

Darum trägt Andreas Gugumuck die Schnecke auch am Revers, als er bei der zweiten Kulinarischen Begegnung in der Caverne der Blauen Gans von seinem Hof berichtet. Die Schnecke ist auch das Logo von Slow Food, einer Bewegung, deren Anliegen Barbara van Melle, Gründerin von Slow Food Austria, erläutert: gut, sauber, fair sollen die Produkte sein, die Artenvielfalt bei Fauna und Flora erhalten und ein Bewusstsein für kulinarische Identitäten geschaffen werden. Langsames Essen bedeutet eigenständiger Geschmack aus der Heimat. Die angeregte Diskussion, die während des köstlichen Menüs von Küchenchef Markus Kneyder in Gang kommt, unterstreicht die Entwicklung der Bewegung vom Genießer-Klub zur politischen Gesinnung.

Die Wertschätzung von Lebensmitteln hat ihren Wert, und dieser Preis ist Frage von Priorität. Diese zu leben erfordert Radikalität.Was Andreas Gugumuck zu seinem Werdegang sagt, gilt ganz allgemein und ganz speziell: Es gibt keine richtigen oder falschen Entscheidungen, es gibt die, die man trifft, oder eben nicht. Es war jedenfalls schön, auf die Schnecken zu treffen.

wienerschnecke.at
slowfoodaustria.at

Text KB / Bild: slow food austria / markenredaktion blaue gans salzburg