Fast nicht

Fast jeder tut es, oder behauptet, es zu tun, und fast keiner tut es gern.


Der Verzicht auf Speisen, Getränke, Genussmittel und sonstige Annehmlichkeiten wie Auto oder Handy ist Mode. Fasten ist als Gestaltungselement des Lebens in zahlreichen Religionen belegt und mit vielen Ritualen verbunden. Kulturhistorisch überwiegen die Fastenzeiten im Frühling, wo alles auf Anfang steht. Die vermuteten positiven gesundheitlichen Eigenschaften einer totalen Darmentleerung und Hungerkur sind wissenschaftlich überwiegend nicht belegt. Es zählt daher mehr die psychologische Erfahrung des Fastens, an die auch die gotische Bedeutung des Wortes erinnert: festhalten, beobachten.

Jeder kann sich also dabei zusehen, wie es ihm vor lauter Mangelernährung den Magen umdreht. Wäre da statt nichts nicht weniger mehr? Statt auf alles zu verzichten mehr von dem, was einem gut tut? Denn nichts weniger als mehr vom Guten macht ein gutes Leben aus. Um das herauszufinden, reicht es, innezuhalten, aber innere Leere füllt nicht aus.

Text KB / Bild: markenredaktion blaue gans salzburg