Erscheint das erste Grün, sammelt man die Kräuter und genießt sie kühn.


Haiku nach dem Bibelspruch 27:25

Gärten erfüllen von jeher vielfältige Funktionen: Sie decken Grundbedürfnisse des Menschen nach Nahrung und Heilmitteln und befriedigen auch das ästhetische Empfinden für Formen, Farben und Gerüche. Schon die alten Ägypter nutzten Pflanzen, Blüten und Samen als Nahrung, Gewürze oder Salben. Auch von den Römern sind Dokumente erhalten, in denen die Verwendung von Kräutern beschrieben wird. Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches gelangten viele Pflanzenarten aus dem Mittelmeerraum in den Norden Europas und wurden Bestandteil der heimischen Flora. Im Mittelalter wurden diese Kenntnisse in den christlichen Klöstern gepflegt und in Kräuterbüchern verschriftlicht. Bis ins 19. Jahrhundert waren Kräuter sowohl als Gewürze als auch Heilmittel definiert, nach dem Motto von Pfarrer Kneipp, das gegen jedes Unheil ein Kraut gewachsen sei. Nicht nur die Ordensgemeinschaften, auch die Landbevölkerung strebten im Bauerngarten eine autarke Versorgung ihrer elementaren Bedürfnisse.

Mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, der Ausbreitung der Städte, der wissenschaftlichen Trennung von Botanik und Medizin ist die Selbstverständlichkeit der Kräutergärten lange vergessen worden. Das Bedürfnis nach Grün bleibt aber ungebrochen. So haben sich mittlerweile viele großstädtische Initiativen gegründet, die das Recht auf Grün in der zeitgemäßen Stadtentwicklung einfordern. Natürlich kann jeder für sich auf dem eigenen Fensterbrett damit beginnen.

Im Innenhof des arthotel Blaue Gans geben Renate Mühlbacher und Marius Kneyder enthusiastisch ihrem grünen Daumen nach, wobei der Küchenchef die Ernte aus dem eigenen Garten derzeit noch zurückhaltend einsetzt, immerhin benötigt er für drei Kilo Kräuterbutter ein Viertelkilo Kräuter. Die sollen noch wachsen und sich ausbreiten, um auch als Tees, aromatisierte Öle und Essige, Essenzen, Tinkturen über die Küche hinaus die Gäste des Hauses erfreuen können. Kneyders unschlagbares Trio besteht aus Thymian, Rosmarin und Salbei, wobei Schnittlauch, Zitronenmelisse, Zitronenthymian und Lorbeer ebenso täglich gegossen werden. Lavendel sorgt für mückenfreies Ambiente an den futuristischen Hochbeeten, an denen man auch sitzen und am Holzdeck ganz wie früher den Sommer mitten in der Stadt genießen kann.

Text: KB /  Karin Buchauer   /   markenredaktion blaue gans salzburg