Helden des Alltags

Essen Trinken Plaudern bei „Eat & Meet“


EAT & MEET
Was im Englischen so leicht von der Zunge geht, wird im Deutschen ziemlich sperrig. „Essen & Treffen“ klingt nach dem Jahresfest des lokalen Bogenschützenvereins und „Essen mit Begegnungsqualität“ nach einem New Age-Kochkurs. Wer aber keine deutsche Entsprechung braucht, hat sicherlich eine Vorstellung, was das Programm verspricht: genussvolle Stunden, anregende Gespräche, neue Bekanntschaften, erweiterter Horizont, alles in allem eine verbesserte Genussfähigkeit.


Die Reihe der gastronomischen Gespräche in der Blauen Gans haben wir „Kulinarische Begegnungen“ genannt. Das Format ist einfach: 25 Personen nehmen an einer besonders schön gedeckten Tafel in unserer Caverne Platz, wir servieren ein mehrgängiges Menu, und ein Produzent wertvoller Lebensmittel redet was. Im Idealfall – und glücklicherweise war das bei allen Abenden ausnahmslos der Fall – entsteht eine Tischrunde, bei der spürbar wird, wie Menschen mit Leidenschaft Lebensmittel erzeugen, mit welcher Akribie sie experimentieren, wie sie um den noch besseren Geschmack ringen, und wie sie mit Glückstreffern und Rückschlägen umgehen.

Erich Stekovics

So war das beim Kaiser der Paradeiser, Erich Stekovics, und beim Balsam-erzeugenden Opernsänger Herwig Pecoraro, beide Menschen mit wenig geradliniger Biografie. Letztere haben sie mit dem Schokolade-Innovator Josef Zotter gemeinsam, dessen Weg zum Erfolg auch die Sackgasse „Insolvenz“ kennt, und der mit einem Essbaren Tiergarten inklusive Am-Vieh-Theater seine ungewöhnlichen Ideen und Anliegen weiter verfolgt. Heinrich Zehetner ist eigentlich Logistik-Berater, aber den Sinn des Lebens findet der „Oleomane“ im Einsatz für die besten Olivenöle, produziert unter den strengen Qualitätsauflagen von Veronelli.


Andreas Gugumuck hat als studierter Wirtschaftsinformatiker den elterlichen Bauernhof übernommen. Dass er heute Vollerwerbsbauer sein kann, verdankt er einem Lebensmittel mit langer Genusstradition: der Wiener Weinbergschnecke (Übrigens: Salzburg war zur KuK Zeit eine wahre Schneckenhochburg, von hier wurden Schnecken in großem Stil nach Frankreich exportiert.) Gemeinsam mit Slow-Food-Initiatorin Barbara van Melle war die Wiener Weinbergschnecke Ausgangspunkt für eine hochkarätige Diskussion mit Journalisten, Advanced Eaters und Gastronomen über die Verfügbarkeit von Lebensmitteln und über die Glaubwürdigkeit von „Bio“ und „Regional“.

Rainer Balcerowiaks Anliegen ist eine Demokratisierung des Genusses. Der Journalist und Autor setzt sich dafür ein, dass die Konsumenten das Blendwerk der Konzerne und Handelsketten durchschauen. Es gibt für ihn auch keine „großen Weine“, sondern nur passende Weine für den jeweiligen Anlass, so genannte „Helden des Alltags“. Das war das Stichwort für Claus Preisinger und dessen GÄNSEHAUT-Cuvée (ME, ZW, BF, exklusiv für die Blaue Gans abgefüllt). Geradlinig, glasklar und von berückender Reinheit, als Hauswein das absolute Understatement.


Der Schriftsteller Reinhard P. Gruber hat mit seinem Buch „Einfach Essen“ eine Hommage an das Butterbrot verfasst, und einen Nachruf auf die Krautfleckerl seiner Kindheit. Das letzte Essen vor seinem Tode – so er gefragt würde – solle ein Paprikahendl sein. Diesen Wunsch konnten wir ihm vorzeitig erfüllen. Der Abend wurde zu einer Feierstunde der Einfachheit, denn, so Gruber, „Nicht das bessere Essen bringt den höheren Genuss, sondern das Genießen des einfachen Essens führt zum besseren Leben.“                        

Eat & Meet. „And Live!“, möchte man ergänzen.



Text: AG / Bilder: markenredaktion blaue gans salzburg