Suche dir, Gänser, die Gans!

vorne: Johan Botha (Parsifal), dahinter: Stephen Milling (Gurnemanz), ganz hinten: Michaela Schuster (Kundry). (c) Forster/Osterfestspiele Salzburg

So rät Gurnemanz dem Parsifal, am Ende des ersten Aufzugs von Richard Wagners Bühnenweihfestspiel. Er hat die vorausgesagte Weisheit des Toren nicht erkannt, der stumm der ritterlichen Zeremonie in der Gralsburg beiwohnt und sich daraufhin auf dem Weg macht, damit alles wieder gut wird. Zur kompletten Glücksseligkeit der frommen Gralsritter fehlt ihnen noch der heilige Speer, der nicht nur Jesus sondern auch ihren König Amfortas verwundet hatte und nur Gleiches kann mit Gleichem geheilt werden.

Am Ende werden freilich alle erlöst. Am Karfreitag, dem ersten Tag der österlichen Dreitagefeier (Triduum Sacrum oder Triduum paschale), das in seiner Gesamtheit in allen christlichen Konfessionen das höchste Fest des Kirchenjahres darstellt, kehrt Parsifal mit dem Speer zurück, enthüllt den Gral und vollbringt das Wunder.

Das Programm der Osterfestspiele Salzburg eröffnet zwar mit Wagners Parsifal, am Karfreitag wird aber traditionell seit Gründung  des Festivals durch Herbert von Karajan ein Chor-Konzert gespielt, diesmal das Deutsche Requiem von Johannes Brahms. Die Sächsische Staatskapelle Dresden, eines der ältesten und traditionsreichsten Orchester der Welt, verlegt unter der Leitung ihres neuen Dirigenten Christian Thielemann als Residenzorchester der Osterfestspiele ihr Wirken in die Mozartstadt. Thielemann war 1981 Assistent von Herbert von Karajan, als dieser damals den “Parsifal” für die Osterfestspiele einstudierte. Im Wagner-Jahr 2013 schließt sich nun der Kreis.  

Zu Wagner Oper des Leidens, von Thomas Mann definiert als in „seiner frommen Verderbtheit und ungeheuerlichen Schmerzensausdruckskraft sicher das Merkwürdigste, was es gibt“, meint Thielemann selbst, es sei eine sehr anstrengende Angelegenheit, für die Musiker, den Dirigenten und für das Publikum: „In Bayreuth sitzen die da auf ihren Holzstühlen, und merken, dass Oper nun weh tut. Und dann, plötzlich, wenn man eigentlich nicht mehr an Erlösung glaubt, dann gibt Wagner uns wieder Musik, die uns in andere Dimensionen bringt, die uns alles vergessen lässt.“

Wer nicht bis zur Erlösung leiden will, kann ja zur Gans gehen. Ums Eck des Festspielhauses, in die Blaue Gans.

 Text: KB /  Karin Buchauer  / Bild: © Forster, Osterfestspiele Salzburg /  markenredaktion blaue gans salzburg