Die Leben der Mütter


Frauen haben viele Leben. Mütter erst recht. An jedem Geburtstag, dem eigenen, denen der Kinder, am Muttertag gar, wird auch gemessen, wie die Zeit vergeht, das Leben sich in vielen verschiedenen Szenarien bricht, wie das Licht, traumverloren, konkret, ganz normal und auch ein bisschen verrückt.

Eva Menasse feiert am 11. Mai Geburtstag. Einen Tag später, dieses Jahr der zweite Sonntag im Mai, ist Muttertag. Die Mutterschaft, die Geburt ihres Sohnes, war für die genau beobachtende Journalistin aus Wien, nunmehr charmante österreichische Autorin in Berlin,  „ein wahnsinniger Moment.

Mein Mann sagte irgendwann: Für die Kinderschwestern ist das Alltag. In dem Moment hat es in meinem Kopf klick gemacht. Hier sind die Eltern, für die das ein geradezu heiliger Moment ist, da die Hebammen, die das alle zwei Stunden erleben. Das ergibt vollkommen verschiedene Perspektiven.“ Diese Perspektivenwechsel haben sie auch zu ihrem neuesten Roman inspiriert. Darin wird, einer Versuchsanordnung gleich, in 13 Kapiteln das Leben einer Frau vom Teenager-Alter bis zum Neubeginn als Großmutter aus der immer wechselnden Sicht anderer erzählt. Roxane Molin ist Wienerin, heiratet nach Berlin, bekommt einen Sohn…Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind wohl nicht rein zufällig und womöglich erwünscht. Auch wenn Sigrid Löffler die Heldin des Buches als „Sphinx ohne Rätsel“ bezeichnet hat, bleibt doch genug Raum zwischen den überzeugten Beschreibungen dieser modernen Frau, um sich im bunten Kaleidoskop der titelgebenden Kristalle quasi zu verlieren und die Zeit vergehen zu spüren.

Eva Menasse liest gerne Biografien und weiß aus eigener Erfahrung und Menschenkenntnis, dass sich Lebensläufe selten so logisch abspulen, wie die rückwirkende Betrachtung glauben machen mag. Ebenso verhält es sich mit den Quasikristallen, die asymmetrisch und fragmentarisch dennoch eine Ordnung ergeben, auch wenn der Betrachter sie nicht erkennen kann.

Wer Eva Menasse und ihre Xane kennenlernen und ihrem Rätsel näher kommen möchte, hat beim diesjährigen Literaturfest Salzburg die Gelegenheit. In der Lesestube des artHOTEL Blaue Gans könnte die Autorin dem Gästebuch ein weiteres Kapitel der Hauschronik anfügen.

Text: KB /  Karin Buchauer  / Bild:  © Stefan Oláh / www.olah.at (http://www.literaturport.de/Eva.Menasse/)/  markenredaktion blaue gans salzburg