Sommerfrische

Sommerfrische © A.Gfrerer

Die Landlust der Städter zur Sommerzeit, wie es im Wörterbuch der Gebrüder Grimm heißt, jahreszeitliche Übersiedlung als auch Zielort bezeichnend, war schon beim Adel der Antike verbreitet, zunächst aus der rein wirtschaftlichen Notwendigkeit, Felder, Wiesen und Wälder, die Basis des Besitzes, zu betreuen. Mit dem Aufblühen der Städte in der Renaissance hatte der saisonale Wechsel vom Stadt- bzw. Winterpalais ins Sommerschloss auch einen vergnüglichen Aspekt erhalten.

Fürsterzbischof Markus Sittikus ließ sich von seinem Hofarchitekten Santino Solari im kühlen Süden der Stadt Salzburg das Schloss Hellbrunn samt dem weitläufigen Park mit den weltberühmten Salzburger Wasserspielen im italienischen Stil einer damals hochmodernen Villa Rustica errichten. Im Steintheater des Schlossparks wurde 1617 die erste Freiluftaufführung einer Oper in Mitteleuropa veranstaltet. Das verwunschene Theater entstand aus dem Steinbruch für das Baumaterial des Lustschlosses. Einer von 111 Orten in Salzburg, die man gesehen haben muss. Musik erklingt hier wiederum nur im Sommer, wenn zu Maria Himmelfahrt Salzburger Volkslieder gesungen werden. Die Hellbrunner Allee, die pfeilgerade vom Zentrum der Stadt und der erzbischöflichen Residenz zum Sommersitz führt, war hunderte Jahre lang dem Fürsten und seinem Hof vorbehalten. Seit 1986 unter Naturschutz  kann heute jeder Mann und jede Frau unter dem grünen Blätterdach in der Allee von Ahornbäumen, Linden, Kastanien, Buchen und Eichen, von denen ein dutzend noch aus der Zeit von Markus Sittikus hier stehen, Naherholung finden.

Ein weiterer Erzbischof floh im Sommer gerne aus der flimmernden Geschäftigkeit der Stadt: Leopold von Firmian ließ sich in der Riedenburg das Schloß Leopoldskron bauen, auf dessen Terrasse fast 200 Jahre später Max Reinhardts Gäste die lauen Sommerabende verbrachten und dem  Erfinder des „Jedermann“ am Domplatz, dessen Aufführung seit der Gründung des Salzburger Festspiele im August 1920 deren Herzstück bildet, lauschten. Zeitgleich kaufte Stefan Zweig am Kapuzinerberg ein Schlössl und schrieb mit Blick über die Dächer Salzburgs an seiner Weltliteratur. Heute in Privatbesitz lässt wenig von der bewegten Geschichte der Villa ahnen, doch am Hausberg auf der anderen Seite der Salzach, am Mönchsberg, dokumentiert das Stefan Zweig Centre die Lebensstationen des großen Europäers. Die Edmundsburg, die neben der Stefan-Zweig-Forschungsstätte auch das Salzburg Centre of European Union Studies und den Fachbereich für Europarecht der Universität Salzburg beherbergt, wurde Ende des 17. Jahrhunderts für die Äbte von St Peter erbaut. Als Sommerfrische, wie könnte es anders sein.

Text: KB /  Karin Buchauer  / Bild:  ©  Andres Gfrerer  /  markenredaktion blaue gans salzburg