RÜDIGER SAFRANSKIS REDE ZUR ERÖFFNUNG DER SALZBURGER FESTSPIELE 2015 • MACHT DER ZEIT – MACHT ÜBER DIE ZEIT


Was die Macht der Zeit betrifft, so wird sie  hinreißend beschrieben in der berühmten Szene im „Rosenkavalier“,  als die Marschallin ahnt,  daß sie ihren um einige Jahre jüngeren Liebhaber Octavian bald an eine Jüngere verlieren wird. Die Jungen triumphieren, sie bekommen, was sie wollen, bloß weil sie jünger sind, daran, an diese Macht der Zeit, muß die Marschallin denken, mit einiger Bitterkeit, wie sich versteht. Doch dann fällt ihr ein, daß sie ja auch einmal jünger war, und ihr auch einmal alle Triumphe, in der Liebe und auch sonst, in den Schoß gefallen waren.
Was erzürn ich mich denn? Ist doch der Lauf der Welt.
Kann mich auch an ein Mädel erinnern.
Wo ist die jetzt? Ja, such dir den Schnee vom vergangenen Jahr.
Das sag ich so: 
Aber wie kann das wirklich sein,
daß ich die kleine Resi war 
und daß ich auch einmal die alte Frau sein werd!...
Die alte Frau, die alte Marschallin!
Siehgst es, da geht’s, die alte Fürstin Resi!‘
Wie kann denn das geschehen?
Wie macht denn das der liebe Gott?
Wo ich doch immer die gleiche bin.
Und wenn ers schon so machen muß, 
warum laßt er mich denn zuschauen dabei, 
mit gar so klarem Sinn? Warum versteckt ers nicht vor mir…  
Die Macht der Zeit ist nicht nur die Vergänglichkeit und das Altern, nein, man muß sich dabei, wie die Marschallin sagt, auch noch zuschauen. Man wird sich dessen bewußt. Und das hat Konsequenzen. Dramatisch sind sie, weil dazu ja auch das Bewußtsein der Sterblichkeit, der eigenen Befristung gehört. Zum Glück allerdings weiß man nur, daß man sterben wird, nicht aber wann. Das bedeutet eine große Erleichterung, die man sich durch allzu ehrgeizige medizinische Prognosen  nicht verscherzen sollte. Unsere Erfahrung der Zeit konfrontiert uns also mit dem Altern und der Sterblichkeit. Aber es kommt noch etwas hinzu: Wir erleben ja nicht nur die linearen Zeit des Nacheinander, des Früher und Später, sondern wir erleben eine dreidimensionale Zeit aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und das bedeutet:. Wir erfahren das Nicht-Mehr und das Noch-Nicht, was gewiß eine Bereicherung ist, aber doch auch eine schwierige Berührung mit dem Nichtwirklichen, entweder weil es vergangen ist oder weil es künftig ist.   Vollkommen wirklich ist eigentlich nur die Gegenwart. Aber auch diese ist im nächsten Moment schon wieder verschwunden. Auch darüber, über dieses Mysterium der Zeit, klagt die Marschallin:
wie man nichts packen kann,
wie alles zerlauft zwischen den Fingern,
alles sich auflöst, wonach wir greifen,
alles zergeht, wie Dunst und Traum
Sobald wir, wie die Marschallin, auf die Zeit achten, merken wir, wie diese gegenwärtig erlebte Wirklichkeit sich unablässig in die Vergangenheit auflöst und verschwindet. Es verschwindet natürlich nicht alles. Das Äußere bleibt noch eine Weile lang, doch die entsprechenden inneren Zustände fließen ab, bis dieses Äußere wie eine stehengebliebene Fassade oder Ruine wirkt.
Ein Beispiel: Ich nehme einen Brief zur Hand. Er ist zerrissen. Ich weiß noch, bei welcher Gelegenheit es geschah, ich kann auch versuchen, mir den inneren Zustand von damals - Erregung, Enttäuschung, Wut -  in Erinnerung zu rufen, doch selbst wenn ich ihn jetzt noch zu spüren glaube, kann ich nicht wissen, ob es auch wirklich der Zustand von damals ist. Es fehlt das ‚Original‘, an dem ich die gegenwärtige Erinnerung messen könnte. Das Ungeheuerliche, was man häufig vergißt: Alle subjektiven Zustände sind verschwunden und können, trotz aller Aufzeichnungssysteme  niemals als dieselben wiedererlebt werden.
Weil das so ist, hat Marcel Proust auch so großes Aufhebens gemacht von jenem Augenblick, da er die reine Wiederkehr des Vergangenen zu erleben meinte. Das große deja vu. Mit der Geschmackserinnerung der in den Tee getauchten Madelaine ist ihm plötzlich  ein längst vergangener Zustand der Kindheit wieder gegenwärtig, nicht als erinnerter sondern eben als ‚originaler‘. Das Ich damals und das Ich jetzt verschmelzen für einen lichterlohen Moment. Für Proust ein platonischer Erlösungsaugenblick von Überzeitlichkeit. Ein solcher Momente der Wiederkehr bestätigt als geradezu mystische Ausnahme die Regel, welche besagt, daß in der Zeit nichts wiederkehrt, weil,  selbst wenn es wiederkehrte, wir es als solches nicht identifizieren könnte, da die Vergleichsgröße, eben das vergangene Original, nicht zur Verfügung steht. Wir können ein Musikstück auf einer CD immer wieder hören. Es bleibt dasselbe Musikstück. Aber wie einem zumute war, als man es das erste Mal hörte, können wir nur vermuten.  Wissen können wir es nicht. Die Vergangenheit unserer Seelenzustände ist unwiderruflich verloren. Um so rätselhafter ist dann das Gefühl, daß man doch irgendwie derselbe bleibt oder, mit den Worten der Marschallin gesagt: 
Aber wie kann das wirklich sein,
daß ich die kleine Resi war
und daß ich auch einmal die alte  Frau sein werd!…
Wie kann denn das geschehn,…
Die Zeit verändert einen und läßt es doch zu, daß man zu sich selbst auch weiterhin „Ich“ sagen kann. Man gewöhnt sich daran, in den besten Momenten allerdings kann man darüber erstaunen, daß obwohl alles vergeht und durch einen hindurchgeht, man sich selbst irgendwie gleichbleibt. Wahrscheinlich allerdings nur, weil einen die anderen, nicht zu vergessen das Finanzamt, als den gleichen ansehen.
Weil unaufhörlich die Dinge und Menschen in die Vergangenheit entschwinden, gibt es so unendlich vieles, für das man selbst jeweils der einzige und vor allem der letzte Zeuge ist und wenn die Zeugen verschwinden, stürzt das einst Wirkliche vollkommen ins Unwirkliche. Es ist dann so, als wäre es nie gewesen. Was von keinem mehr erinnert wird, ist aus der Welt verschwunden.
Gegen diese Furie des Verschwindens hat  Jorge Luis Borges halb ernst halb ironisch eine Art ornithologischen Gottesbeweis ersonnen, der ungefähr so geht:  Ich habe geträumt und wache auf. Mir träumte, ich sah einen Zug Vögel. Ich habe sie nicht gezählt. Kein anderer kennt meinen Traum. Es war aber eine bestimmte Menge. Also muß es Gott geben, nur er weiß, wieviel Vögel es waren, die durch meinen Traum flogen. Der zugrundeliegende Gedanke ist der: Damit etwas im Sein bleibt, muß es in einem Bewußtsein sein. Sonst ist es als wäre es nie gewesen. Wenn man sich aber ein Bewußtsein vorstellt, das alles Sein enthält, dem kein Ereignis ins Nicht-Sein entgleitet, dann ist der Name für dieses alles Sein umfassende und deshalb alles im Sein haltende Bewußtsein – Gott. So jedenfalls hat man ihn sich in den Religionen vorgestellt, als Herr der Zeit, oder man könnte auch sagen als ein riesiges Speichersystem, wo alles was geschehen ist und, noch verrückter, was künftig geschehen wird, in sich versammelt enthält. Das erst wäre im eigentlichen Sinne die Macht über die Zeit, die imstande wäre, die Macht der Zeit, durch die alles vergeht, zu brechen. Überflüssig zu sagen, daß solche Macht über die Zeit göttlich ist, uns jedenfalls ist sie unzugänglich.
Doch in einem anderen Sinne üben wir durchaus Macht aus über die Zeit, doch nur so, daß wir die Macht haben,  etwas mit ihr zu machen: daß wir sie vergesellschaften und bewirtschaften.   Die große Klage der Marschallin über die Macht der Zeit klingt aus mit den Versen:
Manchmal hör ich sie fließen unaufhaltsam.
Manchmal steh ich auf, mitten in der Nacht,
und laß die Uhren alle stehen
Die Marschallin hält also die Uhren an, um die Zeit anzuhalten. Aber natürlich weiß sie, daß sie zwar die Uhren anhalten kann, nicht aber die Zeit. Denn die Zeit ist keine Uhr.
Was ist denn überhaupt eine Uhr? Sie ist ein Instrument mit regelmäßigen, periodischen Geschehensabläufen mit deren Hilfe die Dauer eher unregelmäßigen Geschehensabläufe, und das ist der Rest des Lebens, gemessen werden. Früher nahm man als Maßeinheit Naturabläufe – die Bewegung der Gestirne oder der Sonne. Als Uhr konnte aber auch zum Beispiel dienen eine bestimmte Sandmenge, die durch einen engen Hals rinnt: die Sanduhr. Noch später begann man mechanische Uhren zu konstruieren. Aber die gesellschaftliche Gewohnheit der Zeitmessung hat dazu geführt, daß im allgemeinen Bewußtsein die ‚Zeit’ selbst häufig verwechselt wird mit den Instrumenten, mit deren Hilfe man sie mißt. Als ob die Zeit etwas ist, das taktmäßig wie etwa der Sekundenzeiger voranschreitet. Schon dieser Ausdruck ‚voranschreitet’ ist mißverständlich. Die Zeit ‚schreitet’ nicht, eher ‚fließt’ sie. Aber auch das ist nur eine ziemlich hilflose Metapher. Auch die Marschallin probiert einige Metaphern aus, siezerläuft, sie zergeht, sie rieselt , sagt sie.
Wenn die Zeit als reines Objekt auch so schwer zu fassen ist, die Uhren sind sehr wohl zu fassen. Sie üben, wenn sie einmal existieren, eine große Macht im Zusammenleben der Menschen aus. Die Uhr ist nicht nur ein physisches sondern vor allem ein gesellschaftliches Objekt. Sie ist, so könnte man sagen, ein Instrument zur Vergesellschaftung der Zeit, sie koordiniert die zeitlichen Bezugspunkte des gesellschaftlichen Getriebes, zunächst im lokalen Rahmen und später global und kosmisch. In der Neuzeit ist die Uhr derart dominierend geworden, daß man zu dem Schluß kommen kann, die Uhr ist trotz oder sogar wegen der Digitalisierung immer noch die maßgebende Maschine des modernen Industriezeitalters. Englische Industriearbeiter zerschlugen im 19. Jahrhundert bei einigen Revolten nicht etwa nur die Maschinen, an denen sie arbeiteten, sondern auch die Uhren über den Fabrikanlagen. Ihr Zorn richtete sich gegen die verhaßten und allgegenwärtigen Symbole der Zeitmessung.
Die Uhren koordinieren das gesellschaftliche Geschehen, aber die Uhren müssen auch untereinander koordiniert werden, zwischen raumentfernten Punkten. Vor allem die Eisenbahn und ihre Fahrpläne im 19.Jahrhundert machen es nötig. Vorher hatte jeder Ort seine eigene Zeit, jetzt ist es erforderlich und auch technisch möglich, auf Gleichzeitigkeit umzustellen. Es ist kein Zufall, daß der junge Albert Einstein, der die Relativität der Zeit entdeckte, in Bern daran arbeitete, die eidgenössischen Bahnhofsuhren auf Gleichzeitigkeit zu bringen. Zu welchen Rätselhaftigkeiten das führt, ist bekannt.
Erst mit den gewachsenen Koordinierungsleistungen der Uhren konnte sich - menschheitsgeschichtlich übrigens zum ersten Mal – das erstaunliche Phänomen der Pünktlichkeit herausbilden. Die Uhren zeigen nicht nur an, was ist – sondern wirken als Verhaltenssteuerung. Dazu paßt, daß die größten und auch schönsten Uhren schon bald an den Kirchtürmen prangten und von dort ihre mahnende Botschaft erschallen ließen. Später finden wir sie an den Bahnhöfen und in den Werkhallen bis sie schließlich an unseren Handgelenk als Armbanduhren auftauchen. Von diesem Augenblick an wissen alle, was die Stunde geschlagen hat.
Ein dichtes gesellschaftlich geknüpftes Netzwerk der Zeit legt sich seitdem über das Leben. Das war früher anders. Zeitregelungen gab es zwar auch, aber sie waren längst nicht so engmaschig wie heute. Der gesellschaftlich erzeugte Zeitdruck erhöht sich. Was aber ist es genau, das da drückt, wenn der Zeitdruck zunimmt?
Den Zeitdruck gibt es unter dem Eindruck, daß die Zeit knapp ist. Die Zeit ist knapp. Wie kann Zeit überhaupt ‚knapp’ werden? Entscheidend ist es nun, sich klar zu machen, daß Zeit selbst nicht knapp werden kann, sie wird knapp nur im Verhältnis zu bestimmten Vorhaben. Jede Tätigkeit, jedes Ereignis beansprucht eine bestimmte Dauer. Steht diese nicht hinreichend zur Verfügung, kann die Zeit knapp werden. Die Knappheit der Zeit ist also keine Eigenschaft der Zeit, sondern ein Problem, das bei ihrer Nutzung für bestimmte Tätigkeiten und in bestimmten gesellschaftlichen Organisationsformen auftritt.
Wir leben heutzutage unter einem strikten Zeitregime. Genau geregelte Arbeitszeit, Freizeit, Schul- und Ausbildungszeit. So sehr ist man eingespannt in die gesellschaftlichen Zeitpläne, daß Horvath einmal die geistvolle Bemerkung machen konnte: 
Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme nicht dazu…
Das Gefühl der Zeitverknappung wächst mit der Dynamik der Beschleunigung, die vor allem ökonomische Ursachen hat. Die Beschleunigungsdynamik kam in Gang, nicht nur weil man sich im Raum immer schneller bewegen konnte, sondern weil es ökonomisch bei den eingesetzten Kapitalien auf schnelle Verwertung durch Erfolge am Markt ankam. Unsere Ökonomie ist letztlich Zeitökonomie. Produktiver sein, heißt schneller sein. So entsteht der Zwang zur Beschleunigung bei den Produktionsmethoden und beim Wechsel der Produkte. Auch die ‚Lebenszeit’ der Produkte muß verkürzt werden. Zur Beschleunigungsökonomie gehört deshalb die Wegwerfökonomie. Der Abfall bleibt nicht nur hinter uns, wir schieben ihn auch wie eine riesige Bugwelle vor uns her. Das gilt für den Müll jeder Art, auch für Schulden und den vom extrem beschleunigten spekulativen Finanzhandel erzeugten Finanzmüll,  der in bad banks ausgelagert wird. Man kann sicher sein, daß uns die dort gelagerten kontaminierten sogenannten Finanzprodukte ebenso wie etwa der Atommüll noch große Schwierigkeiten bereiten werden. Besonders weil inzwischen die EZB mit dem Kauf der faulen Staatsanleihen selbst zu einer finanziellen Mülldeponie geworden ist, allerdings ausgestattet mit der Lizenz zum Gelddrucken.
Doch bei aller Beschleunigung dürfen wir nicht vergessen: Ebenso wie die Zeit selbst nicht knapp werden kann, so kann sich auch die Zeit nicht beschleunigen, sondern nur die Ereignisse, mit denen wir sie vollstopfen. Zeitknappheit und Beschleunigung sind nicht Eigenschaften der Zeit selbst sondern eine Folge des gesellschaftlichen Umgangs mit ihr. Dabei geht es heute nicht nur um Beschleunigung von Ereignissen, sondern auch um das Gegenteil, nämlich um Verzögerung und Aufschub. Wenn man befürchten muß, daß bestimmte Entwicklungen über kurz oder lang auf einen Kollaps zutreiben, finanziert man einen Aufschub, um die Stunde der Wahrheit hinauszögern, mit Krediten, von denen die Geber wie die Nehmer wissen, daß sie nie zurückgezahlt werden.  Das ist bekanntlich das Betriebsgeheimnis der Griechenlandrettung. Gekaufte Zeit hat Wolfgang Streek, der Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, diesen Vorgang genannt. Klar ist, daß unter diesen Bedingungen der gekauften Zeit sich der Zeitdruck und in Folge davon die Beschleunigung dann doch steigert. Und wieder ist es, wie gesagt, nicht die Zeit selbst, die drückt, sondern die selbst geschaffenen Fristen und Termine.  
Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Civilisation in eine neue Barbarei aus schreibt Nietzsche und fährt fort: Es gehört desshalb zu den nothwendigen Correkturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in grossem Masse zu verstärken.
Die Verstärkung des beschaulichen Elements – das sagt sich so leicht. Natürlich muß man auch bei sich selbst anfangen. Aber die Erfolge werden beschränkt sein, wie der Berliner Volksmund weiß:  ‚Mensch, geh in dir!‘, - ‚War ik schon, is och nischt los.‘
Im Ernst, eigentlich ist nicht mehr und nicht weniger erforderlich als eine neue Zeitpolitik, eine Revolution des gesellschaftlichen Zeitregimes. Man müßte andere Arten der Vergesellschaftung und Bewirtschaftung der Zeit entwickeln und durchzusetzen. Und dabei wird die ‚Zeit’ notwendig zu einem politischen Thema und gerät in den Bereich der politischen Entscheidungen. Die politische Klasse hat das noch kaum begriffen. Es hat auch lange genug gedauert, bis man die ‚Natur’ als Thema der Politik entdeckte. Und so wird es wohl noch ein wenig dauern bis man bemerkt: Es ist eine politische Machtfrage, die verschiedenen Geschwindigkeiten, die der Ökonomie und die der demokratischen Entscheidungsprozeduren aufeinander abzustimmen, was darauf hinauslaufen würde, die Ökonomie unter das Zeitmaß demokratischer Entscheidungen zu bringen. Ebenso ist es eine politische Machtfrage, ob es der Finanzwirtschaft weiterhin erlaubt bleiben soll, mit der Zukunft so gemeingefährlich zu spekulieren, wie sie das bisher getan hat und noch tut. Es ist eine politische Machtfrage zu entscheiden, welchen Preis an Umweltschäden und Lebensbelastungen wir zu zahlen bereit sind - nur um eine schnellere Fortbewegungsart zu ermöglichen. Es ist eine politische Machtfrage, Lebenszyklen und Arbeitsprozesse zu synchronisieren. Und es ist eine politische Machtfrage, wieviel Zeit wir den Kindern geben und lassen wollen und den Alten und dem Altern. Bei alledem sind wir nicht Herrn der Zeit. Aber an der Art und Weise der Vergesellschaftung der Zeit können wir sehr wohl etwas ändern.
In diesem Sinne hat die Marschallin im „Rosenkavalier“ schon wieder recht, wenn sie des Nachts aufsteht und die Uhren anhält.